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Kreis Viersen: Einsatz zur Rettung von Rehkitzen

Kreis Viersen : Einsatz zur Rettung von Rehkitzen

Monika Taugs und andere Freiwillige wollen im Kreis Viersen verhindern, dass Wildtiere in Mähmaschinen geraten. Ihr Einsatz wird allerdings auch kritisch gesehen. Ein weiteres Problem für die Tiere sind Autos.

Die Mähsaison hat begonnen und damit eine gefährliche Zeit für Rehkitze. Denn die jungen Tiere verstecken sich oft im hohen Gras der Felder – und können dabei ungesehen von den schweren Mähmaschinen der Landwirte ­erwischt werden.

Um das zu vermeiden, hat die Wegbergerin Monika Taugs eine Rettungsaktion ins Leben gerufen. Sie weiß: Zwischen Mai und Juni werden die meisten Rehkitze geboren – während gleichzeitig die Heuernte betrieben wird. Darum will sie jetzt auch im Kreis Viersen helfen: „Wir suchen Landwirte, die uns rechtzeitig Bescheid geben, wenn auf ihren Feldern gemäht werden soll“, sagt Taugs. Der Plan ist, die Wildtiere aus den Feldern zu retten, damit die Landwirte unbedenklich mähen können.

Über Facebook konnte Taugs bereits zwischen 50 und 80 Helfer akquirieren, berichtet die hauptberufliche Hundetrainerin. Ein Team habe sich sogar bereit erklärt, mit einer Drohne die Felder zu überfliegen, um nach Rehkitzen Ausschau zu halten. Doch bislang würden Landwirte das Angebot kaum annehmen. Zwar habe sich eine Landwirtin gemeldet und positiv über der Aktion geäußert. Doch auch bei ihr seien die Felder mittlerweile gemäht worden, ohne den Aktionsmitgliedern vorher Bescheid gegeben zu haben, beklagt Taugs. „Wir können leider nicht selbstständig in Aktion treten“, sagt sie. „Die Felder sind Eigentum der Bauern, und auch mit den zuständigen Jägern können wir Probleme bekommen. Als Privatpersonen werden wir nicht einfach ungefragt durch die Felder laufen.“ Wer unbefugt ein Feld betritt, verletzt Hausrecht, und dies kann auch zu Sachbeschädigung führen.

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Beim Naturschutz-Team des Naturschutzbundes Deutschland kennt man das Problem mit den Rehkitzen in den Feldern. Laut Jochen Stages könnten Wildtiere vor den immer größer und schneller werdenden Maschinen kaum noch fliehen. Aktionen wie die von Taugs sieht er allerdings kritisch: „Die Freiwilligen müssen sehr gut geschult sein“, sagt er. „Rehkitze werden aus Schutz vor natürlichen Feinden geruchlos geboren. Wenn Freiwillige das Kitz anfassen, könnte es sein, dass die Mutter das Kleine abstößt.“ Dabei seien aber auch für die Landwirte selbst Mähunfälle mit Wildtieren problematisch: Ist ein totes Tier im Heu, kann das zu Botulismus bei den Kühen führen, einer Fleischvergiftung.

Paul-Christian Küskes von der Kreisbauernschaft Viersen versucht, präventive Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Unfälle gar nicht erst passieren. So informiere er etwa die zuständigen Jäger in der Region und bestücke sein Feld einen Tag vor der Ernte mit Stöcken, an die er einfache Müllbeutel hänge, berichtet er. Diese „verrückte Sache“, wie Küskes sagt, helfe, um besonders die Rehkitze dem Feld fern zu halten. Eine weitere Präventivmaßnahme sei der sogenannte Wildretter, ein Alarmgerät, das die Tiere beim Grasschneiden aufscheucht. Es wird vorn am Trecker befestigt und sendet einen durchdringenden Alarmton, der weit zu hören ist.

Küskens findet Aktionen mit Wärmebild-Drohnen grundsätzlich gut. Jedoch habe der Kreis Viersen ein paar Hundert Hektar Felder – da sei es für einzelne Personen, die das Gebiet nicht besonders gut kennen, schwierig zu helfen, sagt er zur Rettungsaktion der Wegbergerin Taugs. „Freiwillige, die sich anbieten, sind gerne gesehen, doch die meisten Bauern setzen lieber auf Jäger, die sie kennen“, sagt Küskens. So würde auch vermieden, dass ungeschulte Personen Feldboden und damit Teile der Ernte zerstören.

Der Hegeringleiter der Region Brüggen, Jörg Weinmann, steht der Aktion ebenfalls kritisch gegenüber. „Die meisten Jäger haben ein recht gutes Verhältnis zu den Landwirten“, sagt Weinmann. Und selbst die geschulten Jäger fänden bei Suchaktionen in den Feldern nur selten Rehkitze. Seiner Meinung nach ist es am wichtigsten, dass kurz vor dem Mähen „Unruhe“ ins Feld kommt – beispielsweise durch Scheuchen. Die Freiwilligen sollten sich in jedem Fall vorher mit den Jägern und Landwirten absprechen.

In seinem Gebiet in Brüggen passiere es nur sehr selten, das Rehkitze in die Mähmaschine geraten, berichtet Weinmann. Er habe bisher auch von anderen Jägern noch von keiner gravierenden Problematik gehört. Aber auch er ist der Meinung, dass besonders Wärmebild-Drohnen helfen könnten.

Jedoch sei es ihm ein großes Anliegen, dass bei dem hohen Rehbestand im Umkreis besonders die Autofahrer aufpassen. „Dies ist momentan die größere Problematik“, sagt er.