Kreis Viersen: Kreis Viersen droht Ärztemangel

Kreis Viersen : Kreis Viersen droht Ärztemangel

Rund 180 niedergelassene Hausärzte gibt es in den neun Städten und Gemeinden. Die Altersstruktur ist ein Problem: In Schwalmtal und Niederkrüchten beispielsweise sind 40 Prozent der Mediziner älter als 60 Jahre

Ein Allgemeinmediziner, der gerne in Kempen oder Grefrath eine Hausarzt-Praxis eröffnen würde, hat derzeit keine Chance. Dieser Teil des Kreises Viersen ist für Neuzulassungen von Hausärzten gesperrt, weil dort der Versorgungsgrad oberhalb von 110 Prozent (115 Prozent, Stand Dezember 2017) liegt. Umgerechnet heißt das: Auf einen Hausarzt kommen 1412 Einwohner. In anderen Teilen des Kreises sieht es schlechter aus: In Viersen liegt der Versorgungsgrad bei 97,4 Prozent (1678 Einwohner pro Hausarzt), in Willich bei 94,4 Prozent, in Tönisvorst ist er mit 83,7 Prozent (1953 Einwohner) am schlechtesten. Der Rest der Region ist zu mehr als 100 Prozent versorgt - noch. Denn der Anteil der Hausärzte, die älter als 60 Jahre sind, liegt bei 18,8 (Kempen/Grefrath) bis 40,9 Prozent (Schwalmtal/Niederkrüchten). Und Nachwuchs ist schwer zu finden. Der Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Seniorenarbeit des Kreises Viersen sucht gemeinsam mit der Kreisverwaltung nach Lösungen.

Der Ausschuss hatte im November 2017 die Verwaltung damit beauftragt, einen Bericht zur stationären und ambulanten medizinischen Versorgung im Kreis Viersen zu erstellen. Die Verwaltung forderte daraufhin Daten von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein an. In der jüngsten Sitzung des Ausschuss-es präsentierten Gesundheitsdezernentin Katarina Esser und Martina Kruß, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, den Mitgliedern die Zahlen zur ambulanten Versorgung.

Um junge Ärzte zu locken, werde derzeit geprüft, ob sich im Kreis Viersen ein Hospitationsmodell nach Vorbild des Kreises Kleve umsetzen lasse, sagte Esser. Dort können Mediziner, die sich dafür interessieren, eine Praxis zu übernehmen, in der Praxis hospitieren - und erhalten dabei Fördermittel des Kreises. So sollen sie zum Beispiel Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten begleichen können. Der niedergelassene Arzt, der einen Nachfolger sucht, beantragt die Fördermittel. Praxisbörsen und Online-Praxisportale böten weitere Möglichkeiten für den Kreis Viersen, um Ärzte zu werben, sagte Esser.

Insgesamt gab es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im September 2017 im Kreis Viersen 19,5 freie Sitze für Hausärzte. Der Kreis ist dabei in sechs sogenannte Mittelbereiche gegliedert. Demnach gibt es im Mittelbereich Nettetal/Brüggen 1,5 freie Sitze, in Schwalmtal/Niederkrüchten zwei, in Tönisvorst und Willich jeweils fünf und in Viersen sechs freie Sitze. Grundlage für diese Sitz-Verteilung ist eine bundesweit geregelte Bedarfsplanung. "Auf die Planung haben die unteren Gesundheitsbehörden keinen Einfluss", betont die Kreisverwaltung in der Vorlage zur Sitzung des Gesundheitsausschusses.

Anders als die hausärztliche Versorgung, ist die ambulante fachärztliche Versorgung im Kreis Viersen nicht in einzelne Mittelbereiche unterteilt. Der Versorgungsgrad liegt insgesamt und bei allen Arztgruppen oberhalb von 110 Prozent - Augen- oder Hautärzte, Psychotherapeuten oder Kinderärzte dürfen sich also derzeit nicht neu niederlassen. Dies gilt jedoch auch für viele umliegende Kreise und Städte. Im Kreis Viersen betrug zum Beispiel der Versorgungsgrad der Kinderärzte im vergangenen Jahr 147,4 Prozent: Ein Arzt hatte theoretisch 2433 Kinder zu versorgen. Dabei sind 26,1 Prozent der Mediziner älter als 60 Jahre, 4,3 Prozent älter als 65 Jahre. Fast die Hälfte der Nervenärzte ist ebenfalls älter als 60, ebenso knapp 45 Prozent der niedergelassenen Chirurgen, knapp 30 Prozent der Psychotherapeuten, Gynäkologen und Orthopäden.

Insgesamt sind im Kreis Viersen 31,3 Prozent der Hausärzte älter als 60 und 16,8 Prozent älter als 65 Jahre. Auf jeden Hausarzt kamen 2017 umgerechnet 1645 Einwohner - 2013 waren es 1697. Die Zahl ist zwar leicht gesunken, doch der Versorgungsgrad ist schlechter als etwa in Düsseldorf (1522), Mönchengladbach (1532) oder Krefeld (1394). Die Kreisverwaltung plant, zur nächsten Sitzung des Gesundheitsausschusses einen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung einzuladen. Dann sollen Handlungsmöglichkeiten erörtert werden.

(RP)
Mehr von RP ONLINE