Spatenstich in Viersen Bauarbeiten fürs Förderzentrum West gestartet

Kreis Viersen · Zusammen mit dem neuen Straßenverkehrsamt rechnet der Kreis mit Baukosten von 70 Millionen Euro. Gebaut wird mit besonders hohem Nachhaltigkeitsfaktor. Den sollen alle Neubauprojekte des Kreises bekommen.

Mitglieder der Schulleitung des Förderzentrums West, der Kreisverwaltung, des Kreistags, des Architekturbüros und der Baufirma beim Spatenstich am Ransberg in Viersen-Dülken.

Mitglieder der Schulleitung des Förderzentrums West, der Kreisverwaltung, des Kreistags, des Architekturbüros und der Baufirma beim Spatenstich am Ransberg in Viersen-Dülken.

Foto: Kreis Viersen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat Landrat Andreas Coenen (CDU) am Freitag den offiziellen Spatenstich für das neue Förderzentrum West und das Straßenverkehrsamt des Kreises Viersen am Ransberg in Dülken vollzogen. Die geplanten Baukosten für beide Gebäude liegen bei rund 70 Millionen Euro. Die Firma Theo Lücker GmbH & Co.KG habe mit den Tiefbauarbeiten begonnen, teilte der Kreis Viersen am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung mit. Warum die Presse zum Spatenstich nicht eingeladen war, diese Frage ließ die Kreisverwaltung am Freitag unbeantwortet.

Wände aus Lehm, Tragwerk aus Holz, Fassade aus Holz: Diesen Entwurf für das Förderzentrum West hat das Architekturbüro Fritzen + Müller-Giebeler gezeichnet.

Wände aus Lehm, Tragwerk aus Holz, Fassade aus Holz: Diesen Entwurf für das Förderzentrum West hat das Architekturbüro Fritzen + Müller-Giebeler gezeichnet.

Foto: Fritzen + Müller-Giebeler

Die Bauarbeiten starteten mit rund anderthalb Jahren Verspätung. Ursprünglich hatte der Kreis einen Baustart im Frühjahr 2022 anvisiert. Nicht zuletzt die Baukosten hatten für eine dreimonatige Verzögerung gesorgt: Im Juni 2022 wurde der Baubeschluss von der Tagesordnung des Kreistags genommen; die Fraktionen hatten angesichts der Investitionssumme noch Beratungsbedarf angemeldet. Der Baubeschluss fiel dann erst nach der Sommerpause.

Das Besondere: Beide Gebäude sollen nachhaltig gebaut werden, nach den Grundsätzen der zirkulären Wertschöpfung. Nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv. „Etwa 950 Tonnen CO2-Äquivalente können über 30 Jahre in den Gebäuden gebunden werden“, hatte Linda Hildebrandt vom Institut für Rezykliergerechtes Bauen der RWTH Aachen im vergangenen Sommer den Politikern erklärt. „Damit sind die Gebäude über diesen Zeitraum mehr als klimaneutral und somit klima-positiv.“

Der geplante fünf Meter hohe Eisspeicher, die Wände aus Lehmziegeln, das zerstörungsfrei wiederverwertbare Tragwerk aus Holz, die knapp 400 Photovoltaik-Module, die 58 Solar-Luft-Kollektoren, die auf einer Fläche von 420 Quadratmetern aufgestellt werden und die den Gebäuden einen Energie-Autarkiegrad von mehr als 60 Prozent bei Strom und Wärme bescheren sollen — all das hat seinen Preis. Allerdings, betonte ein Kreissprecher im Juni 2022: „Bis zu 40 Prozent Puffer“ seien in den 70 Millionen Euro enthalten, für mögliche Baukostensteigerungen.

Baukostensteigerungen, auf das Wort reagieren Mitglieder des Kreistags sensibel. Beim Bau des Kreisarchivs hatte der Kreis zunächst eine grobe Kostenschätzung veröffentlicht. Doch aus den damals optimistisch genannten 8,9 Millionen Euro wurden, Stand April 2022, 16,5 Millionen Euro. So etwas sollte sich nicht wiederholen.

Laut Pressemitteilung sagte Landrat Coenen beim Spatenstich: „Hier am Ransberg steht mit dem Kreisarchiv schon ein Bauwerk mit Vorbildcharakter. Wir als Kreis Viersen möchten mit dem neuen Förderzentrum und dem multifunktionalen Verwaltungsgebäude einen weiteren Quantensprung in Sachen zirkuläre Bauweise schaffen. Davon würden die Schülerinnen und Schüler sowie die Mitarbeitenden der Kreisverwaltung „sicherlich profitieren“, so Coenen. „Wir haben uns als Kreis entschlossen, alle künftigen Bauvorhaben in dieser Weise nachhaltig umzusetzen.“

Der Leiter des Gebäudemanagements des Kreises Viersen, Jörg Papenkort, wird in der Pressemitteilung mit den Worten zitiert: „Alle Planer und Gewerke arbeiten Hand in Hand, und wir freuen uns, gemeinsam neue Wege beim Bau der beiden Gebäude zu beschreiten. Viele Bauarten und Bauprodukte, wie etwa die Verwendung von Lehmbausteinen, werden so erstmalig von den Beteiligten angewandt.“

Im kommenden Jahr sollen die Hochbauarbeiten beginnen. Im Frühjahr 2026 sollen die Gebäude eröffnen.

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