Kreis Viersen: 44 Prozent mehr Rentner auf Stütze vom Amt angewiesen

Kreis Viersen : 44 Prozent mehr Rentner auf Stütze vom Amt angewiesen

Gab es im Kreis Viersen 2008 noch 2410 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 3479.

Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr Menschen im Kreis Viersen sind neben ihren Altersbezügen auf staatliche Stütze angewiesen. Die Zahl der Empfänger von „AltersHartz-IV“ stieg innerhalb von zehn Jahren um 44 Prozent. Gab es im Kreis Viersen 2008 noch 2410 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 3479. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-GenussGaststätten mit. Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. Danach erhielten in ganz Nordrhein-Westfalen zuletzt rund 280.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung – 44 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Karim Peters, Geschäftsführer der NGG-Region Krefeld-Neuss, sieht den Trend mit Sorge – und fordert eine „rentenpolitische Kurskorrektur“. Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut im Kreis zu verhindern.

Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schreckten aus Scham vor einem Antrag zurück“, sagt Peters. So seien nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen – selbst bei einer weiterhin positiven Konjunkturentwicklung.

Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehnte gearbeitet hat, könne im Alter oftmals unter der Armutsschwelle landen. Das liege auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken, sagt die Gewerkschaft. Hinzu komme der Trend zu Teilzeit und Minijobs“, erklärt Gewerkschafter Peters.

Die Gewerkschaft NGG unterstützt die Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil für eine Grundrente: Danach sollen die Bezüge von Menschen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben und bei der gesetzlichen Rente trotzdem unter die Grenze von 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. „Das Modell wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Rentensystem. Es würdigt die Leistung von denen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben“, betont Peters.

(RP)