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Kommunalwahl 2020 im Kreis Viersen: Der Wahlkampf wird virtuell

Kommunalwahl 2020 im Kreis Viersen : Der Wahlkampf wird virtuell

Die Corona-Pandemie wirbelt den Wahlkampf durcheinander. Drei Monate vor der Kommunalwahl sind noch nicht alle Kandidaten gekürt. Die Parteien setzen vor allem auf Social Media, um ihre Botschaften zu platzieren.

Es wird der ungewöhnlichste Wahlkampf, den die Menschen im Kreis Viersen in den kommenden Monaten erleben: Auch drei Monate vor der Kommunalwahl am 13. September hat - coronabedingt - die stärkste Fraktion im Kreistag ihren Landratskandidaten zwar nominiert, aber noch nicht gewählt. In Brüggen zog vor einer Woche der einzige Bewerber für die grüne Bürgermeisterkandidatur seine Bewerbung zurück - es werde ihm mit Maske nicht gelingen, sich ein Gesicht beim Wähler zu machen, argumentierte Benedikt Pasch. Jetzt treten die Grünen dort ohne Bürgermeisterkandidat an. Und auch in den anderen Kommunen sind noch längst nicht alle Spitzenkandidaten bestimmt - die frühere Landtagsabgeordnete Martina Maaßen zum Beispiel soll in Viersen erst in einigen Tagen zur grünen Bürgermeisterkandidatin gewählt werden.

Wie verändert die Corona-Pandemie den Wahlkampf vor Ort in Viersen? Drei Thesen:

Erste These Der Wahlkampf wird virtueller Ende der kommenden Woche wird die Homepage des Viersener FDP-Bürgermeisterkandidaten Frank a Campo freigeschaltet. Und natürlich sollen auch Social-Media-Elemente nicht fehlen. „Es gab schon vor der Pandemie den Trend, stärker ins Netz zu gehen“, sagt der 61-Jährige. „Aber Corona treibt das voran.“

„Wir werden stärker auf Social Media setzen“, sagt auch der Viersener CDU-Vorsitzende Sebastian Achten. Der christdemokratische Bürgermeisterkandidat Christoph Hopp sprach vor einigen Wochen mit CDU-Generalsekretär Paul Zimiak über die Digitalisierung an Schulen, zu verfolgen war das via Facebook Live, und später auch als Youtube-Video. „Daneben wollen wir auch unsere Homepage interaktiver gestalten“, erklärt Achten. „Wir haben da ein Tool, bei dem man seine Adresse eingibt - und sofort wird einem unser Ratskandidat angezeigt.“

Auch die SPD setzt für die Kommunalwahl 2020 auf Präsenz im Netz. „Da kann man nicht mehr drauf verzichten“, sagt Viersens SPD-Vorsitzender Michael Lambertz. Das in zwei Workshops entwickelte Wahlprogramm der Viersener Genossen soll jetzt bald online abrufbar sein, kündigt Lambertz an.

Zweite These Der Wahlkampf wird weniger persönlich Es ist eine Erkenntnis, mit der auch die Kandidaten noch fremdeln: „Der Direktkontakt mit dem Bürger, das wird jetzt natürlich schwierig. Einen Haustürwahlkampf mit Maske kann man nicht machen“, sagt a Campo. „Wenn du Bürgermeister werden willst, musst du jetzt schon mit den Leuten ins Gespräch kommen und gucken, wo ihnen der Schuh drückt“, erklärt a Campo. Ebenfalls ein Problem: „Es gibt durch die Corona-Pandemie deutlich weniger öffentliche Veranstaltungen, bei denen die Kandidaten sich präsentieren können“, sagt Sebastian Achten. Und auch Michael Lambertz von der SPD meint: „Es wird eine andere Herangehensweise“ - auch wenn die Sozialdemokraten weiter auf einen Präsenzwahlkampf setzen wollen. Und Britta Pietsch (Die Linke) sagt: „Wir gehen schon davon aus, dass wir einen Haustürwahlkampf machen können - mit Maske und Abstandsregel.“

Dritte These Der Wahlkampf wird trotzdem spannend Corona war seit März das Thema, das auch vor Ort alles überstrahlt hat. Das ist in den vergangenen Wochen schrittweise zurückgegangen. Denn das Leben geht ja weiter - und die Probleme vor Ort müssen gelöst werden. Wo werden die Parteien ihre Schwerpunkte setzen? „Für die CDU ist das zentrale Thema die Entwicklung von Viersen zur Familienstadt“, sagt Parteivorsitzender Achten. „Da geht’s natürlich auch um die Verfügbarkeit von Baugrundstücken - das hat die Stadt in der Vergangenheit sträflichst vernachlässigt.“ Auch für die SPD ist Wohnen ein Thema - sie setzt ihren Schwerpunkt allerdings beim geförderten Wohnungsbau: „Da haben wir wegen ungünstiger Förderbedigungen einen Riesen-Nachholbedarf“, sagt Michael Lambertz. Zudem setzen sich die Sozialdemokraten für kostenlose Kita-Plätze ein. Die Linke will eine Quote für sozialen Wohnungsbau von 30 Prozent bei jedem Neubauprojekt, die FDP hat ein Rahmenprogramm  entwickelt. „Mir ist die Digitalisierung der Schule ein großes Herzensanliegen“, sagt a Campo.