Kreis Viersen Kommentar: Drogenpfad wird weiterleben

Kreis Viersen · Wer glaubt, dass am 1. Mai die Einführung des "Wietpas" und die Schließung des Doppel-Coffeeshops Oase und Roots das Ende des Drogenpfades bedeutet, ist auf dem Holzweg. Vielmehr wird die Blockade der Coffeeshops in Venlo erstens nicht den Käuferstrom verringern und zweitens keineswegs mehr Sicherheit bringen. Im Gegenteil.

Es besteht die Gefahr, dass Konsumenten "weicher" Drogen viel eher in die Fänge jener Banden geraten, die harte Drogen aller Art bedenkenlos auch an Kinder verhökern. Hunderte Schlepper waren bis 2004 in der Venloer Innenstadt unterwegs, um Kundschaft und Dealer zusammenzubringen. Kein Drogenproblem in der Welt ist mit reinem Verbot zu bekämpfen. Erst die Prohibition hat den USA die Mafia und ihre Auswüchse beschert.

Venlo wurde bis 2004 von Familien-Clans aus der Unterwelt regiert. Sie werden zurückkehren oder sich neu bilden, weil dieses Geschäftsmodell nach dem 1. Mai wieder funktioniert. Mord, Totschlag — man denke an die Gräueltaten der "Bande von Venlo" — sind seit Einführung des Projektes Hektor kein Thema mehr in Venlo gewesen. Das wird sich ändern. Und wir müssen uns endlich der Tatsache stellen, dass täglich mehr als 6000 Deutsche jeden Alters und aus jeder gesellschaftlichen Schicht Dope in Venlo kaufen. Sie, nicht die Niederländer, sind die Kunden. Bei uns stimmt etwas nicht.

(RP)
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