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Klimaschutz in Viersen: Die Sofortmaßnahmen der Stadt

Planung in Viersen : Das sind die 13 Klimaschutz-Maßnahmen

Den Klimanotstand wollte der Stadtrat 2019 nicht ausrufen. Doch die Verwaltung sollte Vorschläge erarbeiten, um den CO2-Ausstoß zu senken. Solarpark, Jobtickets, Radstation am Bahnhof — wie die Stadtverwaltung den CO2-Ausstoß senken will.

Für Manuela Krienen (CDU) sind sie „der dritte Aufguss eines ganz ganz dünnen Teebeutels“. Manuel García Limia (SPD) vermisst in dem Ideenkatalog „die Visionen“, auch aus den anderen Parteien erntete die Stadtverwaltung viel Kritik für ihre 13 Sofortmaßnahmen für den Klimaschutz. Weil sie aber immerhin ein erster Schritt, ein Ansatz, seien, beschloss der Ausschuss für Bauen, Umwelt- und Klimaschutz in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause: Die Verwaltung soll sich daran machen, die Sofortmaßnahmen umzusetzen. Was sie bewirken sollen und was geplant ist.

Der Auftrag Den Klimanotstand wollte der Stadtrat in seiner Sitzung im November 2019 nicht ausrufen – stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, Vorschläge zu erarbeiten, wie sie in ihrem Einflussbereich den CO2-Ausstoß senken kann. Das Ziel: Bis 2035 soll er von etwa 8,5 auf möglichst unter zwei Tonnen pro Einwohner und Jahr reduziert werden. Im ersten Halbjahr 2020 sollte die Verwaltung einen Katalog von Sofortmaßnahmen vorlegen, die sich in ihrem Einflussbereich umsetzen lassen. Bis Ende des Jahres sollen weitere Maßnahmen folgen.

Photovoltaik Die ersten drei der 13 Sofortmaßnahmen befassen sich mit Photovoltaik. Nummer 1: Elf  Schul-, Kita- und Turnhallendächer, außerdem das Dach des Technischen Rathauses an der Bahnhofstraße, sollen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt bereits zehn eigene Anlagen auf kommunalen Dächern installieren lassen, die  zwölf neuen Anlagen sollen nach Angaben der Verwaltung eine Gesamtleistung von etwa 549 Kilowatt haben und jährlich etwa 510.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Das Projekt würde die Stadt insgesamt rund eine Million Euro kosten, sie rechnet mit einer Nettoersparnis nach 25 Jahren von rund 1,4 Millionen Euro. Einen fixen Zeitplan gibt es noch nicht. „Ich fände es positiv, wenn wir es in den nächsten fünf Jahren schaffen würden“, sagt Viersens Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche. Es sei derzeit aber immer noch schwer, Firmen und Handwerker zu bekommen. Um sie zu gewinnen, „müssen wir attraktive Pakete schnüren“ – so sollte ein Unternehmen etwa direkt mit der Ausführung mehrerer Aufträge bedacht werden, damit es lukrativer ist. Diese Sofortmaßnahme habe eine Vorbildwirkung, sie zeige: „Die Stadt marschiert voran“, sagt Fritzsche. Die Umsetzung soll zu einer jährlichen CO2-Einsparung von etwa 357 Tonnen führen.

Die zweite der 13 Sofortmaßnahmen sieht vor, dass künftig bei jeder Sanierung eines kommunalen Daches, bei jedem kommunalen Neubau, geprüft wird, ob sich das Gebäude mit einer Photovoltaikanlage ausstatten lässt. „Das wird jetzt sicherlich bei den geplanten OGS-Bauten ein Thema“, nennt Fritzsche ein Beispiel.

Maßnahme Nummer 3: In  Dülken soll auf etwa 6,4 Hektar Fläche ein „Solarpark Schwegers Feld“ entstehen, in der nähe des bisher einzigen Solarparks in Viersen, „Reimes Heide“ – dafür muss Baurecht geschaffen werden. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan ist gefasst, zu den nächsten Schritten gehört die Beteiligung der Öffentlichkeit. Durch den Betrieb der Anlage sollen jährlich rund 4,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und etwa 3000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden.

Mobilität Auch die rund 1200 Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen dazu beitragen, dass der CO2-Verbrauch sinkt. Weil rund 85 Prozent von ihnen im Umkreis von 15 Kilometern wohnen, sollen sie möglichst mit Rad, Bus, Bahn, zu Fuß oder mit einem Elektrofahrzeug statt mit dem Auto zur Arbeit kommen. Um sie dazu zu animieren, sollen die Verwaltungsmitarbeiter mit Jobtickets für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) versorgt werden – das sieht Sofortmaßnahme Nummer vier vor. Seit März 2019 bietet die NEW für die Nutzung ihrer Busse ein Arbeitgeberzuschuss-Modell an, dabei wird ein Rabatt von bis zu 14 Euro pro Monatsticket gewährt. Wie viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung daran Interesse haben, müsse noch abgefragt werden, berichtet Fritzsche. Ab mindestens 30 Mitarbeitern würden Rabatte gewährt.

Sofortmaßnahme Nummer fünf sieht vor, dass Mitarbeiter bei der Verwaltung einen zinslosen Vorschuss beantragen können, wenn sie ein Fahrrad, Pedelec, E-Bike, einen E-Motorroller oder E-Scooter kaufen möchten. Damit sie ihre Räder sicher abstellen können, ist in der Tiefgarage unter dem Stadthaus eine abschließbare Abstellbox für rund zehn Räder aufgebaut worden; an der Fahrradgarage am Rathaus in Dülken sollen Fahrradbügel installiert werden (Sofortmaßnahme sechs). Maßnahme Nummer sieben: Der städtische Fuhrpark soll um je ein Elektrofahrzeug an den Standorten Rathaus Dülken und Technisches Rathaus erweitert werden. Denn dort fallen rund die Hälfte aller Dienstfahrten an.

Organisation Die Sofortmaßnahmen acht bis elf zielen vor allem darauf ab, Arbeitsabläufe in der Verwaltung zu beschleunigen und einzelne Abteilungen besser zu vernetzen. So soll Fritzsche durch ein neues Team unterstützt werden, das die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung bearbeitet (Maßnahme acht). Angedacht seien zunächst – als Erstausstattung – drei Vollzeitstellen, sagt sie. Ein Stabsstellenleiter und  Sachbearbeiter werden nun gesucht, etwa Ingenieure, Landschaftsplaner  oder Architekten. Wenn es zum Beispiel um klimafreundliche Nahmobilität oder die Ausgestaltung von Grünflächen geht, soll das Team in die Arbeit der verschiedenen Fachbereiche eingebunden werden. Die beteiligten Fachbereiche sollen personell verstärkt werden – das ist Sofortmaßnahme neun. Die Stadt rechnet mit einem Bedarf von 5,5 Stellen. Sofortmaßnahmen zehn und elf sehen vor, die Arbeit an einem gemeinsamen Klimaschutzkonzept mit den anderen Kommunen und dem Kreis Viersen weiter voran zu bringen.

Verkehr Maßnahme Nummer zwölf: Der Viersener Bahnhof soll zu einem „Mobilitätsschwerpunkt“ ausgebaut werden. Dort müsse die Stellplatzkapazität auf dem Parkplatz erhöht werden, erläutert Fritzsche. Zudem ist eine Fahrradstation angedacht. Und zuletzt Maßnahme 13: Ein externes Büro prüft derzeit, wie sich der Radverkehr auf der Freiheitsstraße zwischen Viersen und Mönchengladbach verbessern lässt.