Viersen: Klassentreffen auf dem Schulklo

Viersen : Klassentreffen auf dem Schulklo

64 Jahre nach dem Volksschulabschluss erinnern sich 20 Ehemalige der Kreuzherrenschule an Rutschpartien auf Tornistern, Flirtereien im Lunapark und ihre Lehrer. Auch von schweren Zeiten in den Nachkriegsjahren erzählen sie

Ein Klassentreffen auf dem ehemaligen Schulklo, und das 64 Jahre nach dem Schulabschluss. Wie so etwas geht? Natürlich nur, wenn das ehemalige Schulgebäude noch steht und die alte Schultoilette ein bisschen umfunktioniert wurde, damit auch alle Platz finden und bei einem leckeren Frühstück Erinnerungen austauschen können. Die ehemalige Kreuzherrenschule in Dülken, mittlerweile ein ansehnliches Wohn- und Bürogebäude, bietet all das. Denn aus den ehemaligen Wasch- und Sanitärräumen ist vor einigen Monaten das Café Kantinchen geworden. Und genau dort trafen sich jüngst ehemalige Schüler des Abschlussjahrgangs 1954. Gleichzeitig sahen sie ihre alte Schule wieder, schlenderten über den Schulhof und ließen es sich nebenbei kulinarisch gut gehen.

Was für eine nostalgische Mischung. Einige sind immer noch in Dülken verwurzelt, andere der Liebe wegen vor Jahren schon fortgezogen. Doch an diesem Tag haben 20 Ehemalige den Weg nach Dülken gefunden. Im Café Kantinchen werden Erinnerungen ausgetauscht, alte Fotos angeschaut. "Bis zur vierten Kasse waren wir Jungen und Mädchen alle zusammen hier", erzählt Gisela Reitz (79). "Dann mussten wir Mädchen ab der fünften Klasse von der Kreuzherrenschule, die ,Südschule' genannt wurde, auf die ,Nordschule', die jetzige Paul-Weyers-Schule, wechseln. Die Jungen blieben hier auf der Südschule." Nach der achten Klasse war die Volksschule dann beendet und nur wenige konnten aufs Gymnasium gehen. "Die Schulbücher musste man selbst bezahlen und nach dem Krieg hatten wir nicht viel und mussten schauen, wie wir zurechtkamen", sagt Reitz. Trotz aller Schwierigkeiten denkt sie zurück an eine schöne Schulzeit. "Die Jungen sind später immer zur Nordschule herüber gekommen und haben uns vom Mäuerchen des Lunaparks aus angeflirtet", erinnert sie sich.

Heribert Wolters (78) freut sich, beim Klassentreffen dabei sein zu können. "Es ist immer schön, wenn man sich wieder sieht. Leider ist das nicht so oft." Er wohnt in Süchteln und weiß auch von schweren Zeiten in der Schule zu berichten. "Die Lehrer durften uns ja damals noch körperlich züchtigen und da gab es schon mal ein paar Hiebe." Das habe ihm aber nichts ausgemacht: "Wir haben uns nicht verbiegen lassen und trotzdem das gemacht, was wir wollten."

1948 war die Klasse noch um einiges größer. Bis zum vierten Schuljahr wurden Jungen und Mänchen zusammen unterrichtet, dann wechselten die Mädchen zur heutigen Paul-Weyers-Schule. Foto: Jiota Kallianteris

Auch Hans Kreis (79), genannt "Trolli", nimmt an den Klassentreffen teil. "Viele Klassenkameraden sind schon nicht mehr dabei", sagt er und in seiner Stimme schwingt ein Hauch von Wehmut mit. "Sie fehlen eben bei den Treffen und man vermisst sie." Dann gibt er die nächste lustige Anekdote aus der Schulzeit zum Besten: "In der Nordschule haben wir nur Lehrerinnen gehabt, die waren nicht so schnell dabei mit den Hieben, wie ihre Kollegen. Irgendwann aber kamen die nicht mehr mit uns Jungen zurecht und so bekamen wir dann in der vierten Klasse einen Lehrer, der uns wohl besser Bescheid sagen sollte, wo es lang ging", berichtet er und lächelt lausbübisch. Doch auch die Mädchen hatten es faustdick hinter den Ohren. Rosie Pimpertz (79) berichtet davon, wie sie mit ihrer Freundin Armgard Adrians (79) nach der Schule auf dem Tornister sitzend den Ostgraben heruntergerutscht ist. "Die konnten noch richtig was aushalten."

So viele Geschichten gibt es zu hören und es scheint, dass gerade die schwierigen Lebensumstände der Nachkriegsjahre den Kindern gezeigt haben, dass die kleinen Dinge im Leben glücklich machen. Die ehemaligen Kreuzherren-Schüler freuen sich schon jetzt auf ihr Klassentreffen 2019: Das wollen sie mit einer großen Geburtstagsfeier zum 80. (fast alle "runden" im nächsten Jahr) kombinieren.

(paka)