Kläranlage in Schwalmtal-Amern soll erweitert werden

Schwalmtal: Kläranlage in Amern soll erweitert werden

Die Schwalmtalwerke wollen die Anlage am Pletschweg ausbauen. Eine vierte Reinigungsstufe soll helfen, Medikamentenrückstände aus dem Wasser zu holen, die derzeit im Kranenbach und im Borner See landen

Einstimmig hat sich der Verwaltungsrat der Schwalmtalwerke in seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, die Planung für den Ausbau der Kläranlage am Pletschweg in Amern weiter voranzutreiben. Die Schwalmtalwerke wollen die Anlage um eine vierte Reinigungsstufe erweitern, um Mikroschadstoffe aus dem Wasser filtern zu können.

Bislang geht das nicht: Rückstände von Stoffen wie Diclofenac (Schmerzmittel), Carbamazepin (Antiepileptikum), Clarithromycin (Antibiotikum) und Iopamidol (Röntgenkontrastmittel) gelangen mit den Ausscheidungen der Menschen in die Kläranlage. Dort wird das Wasser zwar gereinigt, doch die Medikamentenrückstände können noch nicht entfernt werden. So fließt das gereinigte Wasser, das aber immer noch Schadstoffe enthält, hinter der Kläranlage in den Kranenbach. Der Bach mündet an der Borner Mühle in die Schwalm, die in die Maas mündet, die ins Meer mündet. Kurz: Reibt sich der Schwalmtaler eine Schmerzsalbe auf den Rücken, die Diclofenac enthält, gelangen die Überreste der Salbe ins Meer.

Nun hatte die Bezirksregierung Düsseldorf den Schwalmtalwerken aufgegeben, ober- und unterhalb der Kläranlage zu prüfen, ob bestimmte Stoffe dort im Wasser des Kranenbachs nachgewiesen werden können. Die Schwalmtalwerke beauftragten ein Ingenieurbüro damit, zum einen Proben zu nehmen und zu analysieren, zum anderen darzustellen, wie man die Schadstoffe aus dem Wasser filtern könnte. Die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie stellte Johannes Rausch vom Ingenieurbüro Achten und Jansen nun in der Sitzung des Verwaltungsrats vor.

Durch die Analyse der Proben konnten die Fachleute feststellen, dass Medikamentenrückstände in größeren Mengen erst dort im Kranenbach zu finden sind, wo das Wasser der Kläranlage eingeleitet wird. Dadurch ließ sich nachweisen, dass erst die Einleitung der Kläranlage zu einer erhöhten Schadstoffkonzentration im Wasser führt.

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Die Risiken von Medikamentenrückständen in Gewässern sind noch nicht umfassend erforscht. Laut Umweltbundesamt fehlen dazu Langzeitstudien, doch bei einigen Arzneimittelwirkstoffen ist inzwischen klar, welche Folgen sie für Natur haben: So schädigen synthetische Hormone aus der Anti-Baby-Pille etwa nachhaltig die Reproduktionsfähigkeit von Fischen. Das Schmerzmittel Diclofenac schädigt bei Fischen Organe wie Leber und Nieren. Antibiotika töten nicht nur Bakterien, sondern hemmen auch das Wachstum von Algen und Pflanzen. Auch Antibiotika-Resistenzen können eine Folge sein: Mehrfach seien bereits multiresistente Mikroorganismen in der Umwelt nachgewiesen worden, „so zum Beispiel in Fließgewässern unterhalb von Kläranlagen-Abläufen, die oft besonders hohen Antibiotika-Konzentrationen ausgesetzt sind“, heißt es beim Umweltbundesamt.

In der Sitzung wurde deutlich, dass den Schwalmtalwerken nichts anderes übrig bleibt, als die Kläranlage auszubauen, wenn sie weiter betrieben werden soll. Laut Schwalmtalwerke-Vorstand Dirk Lankes gilt die derzeitige Genehmigung bis 2020. Bei der Menge der Schadstoffe, so Lankes, werde die Bezirksregierung 2020 die vierte Reinigungsstufe zur Auflage machen.

Rausch machte vier Vorschläge, wie eine solche vierte Reinigungstufe aussehen könnte, die geschätzt zwischen rund 2,3 und 3,4 Millionen Euro kosten würde. Er erklärte, dass es noch bis 2019 Landesfördermittel in Höhe von 70 Prozent für solche Anlagen gibt, bis 2022 bis zu 50 Prozent, wies aber auch darauf hin, dass die Fördertöpfe endlich sind. Dieser Perspektive folgend beschloss der Verwaltungsrat, die Planung für die vierte Reinigungsstufe weiter zu verfolgen, um zeitnah eine Förderung von 70 Prozent zu beantragen.

Lankes erläuterte kurz, dass man auch überlegt habe, das in Amern gereinigte Wasser zur Kläranlage Dülken zu pumpen, um dort die vierte Reinigungsstufe zu nutzen. Doch auch dies würde geschätzt zwei Millionen Euro kosten, da habe er Bauchschmerzen. Und so fand sich für diese Lösung im Verwaltungsrat kein Befürworter.

(biro)
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