Flüchtlingsprojekt: „Kitchen on the Run“ verlässt Süchteln

Flüchtlingsprojekt: „Kitchen on the Run“ verlässt Süchteln

Mit einem Abschiedsfest verabschiedet sich „Kitchen on the Run“ am Samstag. Zwar geht der Küchencontainer – aber etwas bleibt

„Es war eine superschöne Zeit. 600 Menschen sind zu unseren Kochabenden und den offenen Events gekommen. Wir konnten 30 Nationen begrüßen und haben oftmals noch bis Mitternacht vor unserem Container gesessen und erzählt. Alle Erwartungen wurden übertroffen“, das ist das positive Fazit, das Agnes Disselkamp zusammen mit ihrer Kollegin Ina Peppersack nach sieben Wochen „Kitchen on the Run“ auf dem Süchteln Lindenplatz zieht. Der große Küchencontainer vom Berliner Verein „Über den Tellerrand“, der zum ersten Mal im Kreis Viersen Station gemacht hatte, war eine wirkliche Plattform für Begegnungen von heimischen Bürgern mit Flüchtlingen.

Dreimal in der Woche kochte das Team mit Menschen unterschiedlicher Nationen und jeweils freitags gab es einen offenen Event, den jeder ohne Anmeldung besuchen konnte. Es gab einen Filmabend, ein Human Library, eine Schnippeldisko und vieles mehr. „Wobei es bei den Kochevents aber auch so war, dass Bürger, die abends vorbei kamen sich einfach dazusetzen, mitaßen und erzählten. Es gab viele tolle Gespräche, bei denen sich die verschiedenen Menschen kennenlernten“, erzählt Ina Peppersack.

Syrisches Fatteh, regionales Murre-Jubbel, afghanisches Kabuli Palau und nigerianischer Jollof Rice – die Palette dessen, was auf den Tisch kam, war breit gefächert. Insgesamt waren es mehr als 50 Gerichte, die gemeinsam nach den mitgebrachten Rezepten gekocht wurden. „Kitchen on the Run“ war auch ein Dialog der Generationen.

  • Kitchen on the Run : Info-Abend im Küchencontainer

Vom Baby bis hin zum 75-jährigen Teilnehmer zog sich die Palette der Besucher. Wobei die Frauen mit 54 Prozent ein klein wenig die Überhand hatten. Mehr als 40 Prozent der Besucher hatten einen Flucht- oder Migrationshintergrund. „Hier sind sich Menschen näher gekommen. Hemmschwellen wurden abgebaut und Kontakte hergestellt“, freut sich Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller über die gute Annahme des Angebotes. Die anfängliche Skepsis der Marktbeschicker habe sich in Luft aufgelöst und sei an den Marktagen einem guten Miteinander gewichen.

Ob das Frühstück mit 120 Kita-Kindern oder die Aktion Jute-Shopper, bei der bereits 90 von 100 Stück verkauft wurden – alles rund um „Kitchen on the Run“ entpuppte sich als Erfolg. Auch wenn der Container am Dienstag Süchteln verlässt und sich auf den Weg in die nächste Stadt macht – es ist Jena in Thüringen – so geht es in Sachen gemeinsames Kochen und sich Treffen weiter. Wie in vielen anderen Städten, wo der Küchencontainer bereits Station machte, so hat sich in Süchteln ebenfalls eine weiterführende Gruppe gebildet.

Unter dem Titel „Über den Tellerrand Community Süchteln“ wird weiter zu Kochabenden eingeladen. „Wir geben den Kochlöffel an die neue Gruppe weiter“, sagt Disselkamp. Die Königsburg wird die neue Plattform für die Begegnungen. Quasi eine Übergabe. „Wir haben zwar noch keine vollständige Küche in der Königsburg, aber gemeinsam werden wir dies ändern“, blickt Magdalene Breidenbach, die „Kitchen on the Run“ federführend nach Süchteln holte, in die Zukunft.Der Treffpunkt Höhenstraße, das Evve und der LVR haben signalisiert, dass auch ihre Einrichtungen zum Kochen genutzt werden können. 

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