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"Kitchen on the Run" macht in Süchteln auf dem Lindenplatz Station

Integration : Container-Kochen auf dem Lindenplatz

Die mobile „Kitchen on the Run“ eines Berliner Vereins parkt bis Anfang August mitten in Süchteln. Am Herd können sich Einheimische und Flüchtlinge begegnen. An jedem Kochabend bereiten die Teilnehmer drei Gerichte zu

Die Seitenwand des umgebauten Schiffscontainers ist mit unzähligen Stücken hellgelben Klebebands gepflastert. Auf jedem steht ein handgeschriebener Name: Helga, Angela, Hussam und Ahmad, zum Beispiel. „So nehmen wir alle Menschen mit auf Reisen, die bei unseren Kochabenden waren“, sagt Ina Peppersack. Die 28-Jährige ist Mitglied des Berliner Vereins „Über den Tellerrand“. Dessen mobile Container-Küche parkt jetzt für knapp sieben Wochen in Süchteln auf dem Lindenplatz. In der „Kitchen on the Run“ (Küche auf der Flucht) können sich Flüchtlinge und Einheimische bis zum 5. August regelmäßig am Herd begegnen, zusammen kochen, essen, singen, tanzen, spülen – und am Schluss gelbe Klebebandstreifen auf die Seitenwand pappen. „Ab nächster Woche wird gekocht“, kündigt Peppersacks Kollegin Agnes Disselkamp an.

Der Süchtelner Verein Königsburg 2.0 hat die „Kitchen on the Run“ an den Niederrhein gelockt. Die Idee dazu hatte Mitglied Magdalena Breidenbach: „Ich war im Sommer 2016 bei ,Kitchen on the Run’ in Duisburg und habe erlebt, wie der Container die Menschen zusammenbringt“, sagt sie. „Ich wollte das Projekt einfach in meine Heimat holen.“ In drei Städten hält die mobile Küche in diesem Jahr, aus rund 30 Bewerbungen wählten die Berliner Jena-Lobeda, Biberbach und Viersens Stadtteil Süchteln aus. Ziel der Aktion ist, dass sich vor Ort eine Gemeinschaft gründet, die nach der Abreise der Berliner weiter Kochabende organisiert. Fünf „Lokalhelden“ begleiten deshalb die Kochabende und sind in die Organisation eingebunden, einer von ihnen ist Magdalena Breidenbach.

„Wir haben Flüchtlinge hier und in Sachen Integration ist viel zu tun“, sagt Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) – deshalb sei sie von dem Projekt sofort begeistert gewesen. Und: „Es trägt mit zur Belebung des Lindenplatzes bei.“ In den kommenden Wochen werde es auch begleitende Aktionen der Stadt geben, ergänzt Susanne Laurenz vom Citymanagement. So sollen etwa der Süchtelner Einzelhandel und der Wochenmarkt eingebunden werden: Mehr wolle sie noch nicht verraten. Die Königsburg hat ebenfalls ein Begleitprogramm geplant, zeigt zum Beispiel Filme zum Thema Flucht.

Seit Mittwoch steht der blaue Container in Süchteln. Ina Peppersack, Agnes Disselkamp, ihre beiden Kollegen Firas Saleh und Daniel Schoon organisieren alles rund um die „Kitchen on the Run“, bis August haben sie sich in einer leerstehenden Wohnung direkt am Lindenplatz einquartiert. „Wir wohnen zum ersten Mal mit ;Container-Blick’“, sagt Disselkamp.

Die erste Woche nutzt die Küchen-Mannschaft, um Viersen kennenzulernen, unter anderem in Flüchtlingsunterkünften und bei Sprachlehrern ihr Projekt vorzustellen. Für Dienstag, 26. Juni, ab
17.30 Uhr, ist der erste Kochabend geplant. Jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags kochen etwa 25 Teilnehmer, die sich über ein Online-Formular angemeldet haben – dabei geben sie an, ob sie Gastgeber oder Gast sein wollen. Pro Abend gibt es drei Gastgeber, nach deren Rezepten gekocht wird. Die Gäste helfen beim zubereiten, können sich zwischendurch auf Liegestühlen entspannen oder am Kicker gegeneinander antreten. Disselkamp und ihre Kollegen besorgen vorab die Zutaten, der Gastgeber kann sie begleiten, wenn er möchte.

Auch freitags ist der Container geöffnet, etwa für einen Filmabend.„Wir sind ein offener Begegnungsort. Alle unsere Veranstaltungen sind kostenlos“, sagt Disselkamp.  „An den Wochenenden geben wir den Container gerne aus der Hand“, ergänzt sie: Dann könnten ihn Vereine oder Privatleute nutzen.