Nepal Kinderhilfe aus Niederkrüchten: Kindern in Nepal eine Zukunft geben

Nepal Kinderhilfe aus Niederkrüchten: Kindern in Nepal eine Zukunft geben

Der Verein Nepal Kinderhilfe aus Niederkrüchten unterhält ein Kinderheim und zahlt für 270 Jungen und Mädchen den Schulbesuch. Durch Reformen im Land und die Folgen des schweren Erdbebens 2015 braucht er mehr Geld

Unsicher blickt das kleine Mädchen 2005 in die Kamera. Damals ist Dawa sechs Jahre alt. Sie lebt im Langtang-Nationalpark in Nepal, etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kathmandu. Zwölf Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen eine selbstbewusste junge Frau geworden. 18 Jahre alt ist Dawa heute - im kommenden Frühjahr macht sie ihren Schulabschluss in Kathmandu.

Dawa war das erste Patenkind, das der Verein Nepal Kinderhilfe aus Niederkrüchten 2005 in sein Hilfsprogramm aufnahm. Seither sind immer mehr Kinder hinzugekommen. Inzwischen finanziert der Verein für 270 Jungen und Mädchen den Besuch an einer privaten Schule, für viele weitere außerdem die Grundausstattung mit Schuluniform, Ranzen und Heften, damit die Eltern die Kinder zu einer staatlichen Schule schicken können.

Blick in den kargen Wohnraum einer Familie in Nepal: Die Kinder sitzen auf Bastmatten auf dem Boden und essen. Foto: Jürgen Richterich

Das südasiatische Land, gelegen zwischen China und Indien, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast die Hälfte der 29 Millionen Einwohner kann nicht lesen und schreiben. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Rohstoffe, Exporte - was andere Länder reich macht, hat Nepal nicht zu bieten. "Es gibt keine Wasserversorgung, das schmutzige Wasser kommt aus Brunnen", sagt Jürgen Richterich, Vorsitzender des Vereins Nepal Kinderhilfe. Auch Strom sei flächendeckend nicht verfügbar. In der Stadt gebe es stundenweise Strom, auf dem Land nur dort, wo man über Hilfsprojekte ein Stromaggregat erhalten habe, um vielleicht eine Glühbirne zu betreiben.

Richterich reiste 2004 nach Nepal, sah die Not der Menschen, die Augen der Kinder. "Vier bis fünf Kinder pro Familie sind normal", erzählt der Niederkrüchtener. "In der Regel haben die Eltern keine Ausbildung, sie verdingen sich als Tagelöhner und haben vielleicht für den Eigenbedarf ein kleines Stück Land gepachtet." 2005 gründete er den Verein. Seither besucht er alle zwei Jahre mit weiteren Vereinsmitgliedern auf eigene Kosten das Land, um zu sehen, wie die Hilfe aus Europa ankommt. Unterstützung erfährt der Verein nicht nur aus Niederkrüchten: Via Internet und Facebook erreicht der Verein Privatleute und Unternehmen in Deutschland, Luxemburg, Belgien, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, die Schulpatenschaften für die Kinder tragen oder größere Summen für einzelne Projekte geben.

Dawa (18) war das erste Kind, das der Verein unterstützte. Foto: Richterich Jürgen

Dazu zählt auch das Kinderheim "Mandala Children Home" in Budhanilkantha im Norden Kathmandus. Vor einigen Jahren klingelte bei Richterich daheim in Niederkrüchten nachts das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Mim Lal, ein Mitarbeiter des Vereins in Kathmandu. Er berichtete, dass soeben ein Baby und ein zweijähriges Geschwisterkind bei ihm abgegeben worden seien, die Mutter hatte sich selbst getötet. Ob er Milchpulver kaufen dürfe? "Ich sagte, natürlich, sofort", erzählt Richterich. Mit den beiden Kindern wurde das "Mandala Children Home" ins Leben gerufen. Die Kinder sollen dort wie in einer Familie leben - Mim Lal und Gita Shrestha sind fast wie Eltern für sie. Bis 2015 lebten 20 Kinder in dem Kinderheim. Nach dem schweren Erdbeben kamen zehn hinzu. Ihnen und all den Kindern, die eine Schulbildung durch den Verein erhalten, wollen Richterich und seine Mitstreiter eine Zukunft geben.

Doch das wird schwieriger. Das einstige Königreich Nepal ist seit 2008 eine Republik. Seither bemühe sich die Regierung um Fortschritt, berichtet Richterich, was grundsätzlich gut sei. Die Reformen führen allerdings auch dazu, dass die Schulzeit von zehn auf zwölf Jahre hochgesetzt wurde. Dadurch muss der Verein nun für zwölf Jahre den Schulbesuch finanzieren. "Als wir den Verein gründeten, haben wir geguckt, was eine Schulausbildung an einer privaten Schule kostet, und eine Mischkalkulation gemacht. Ein Teil kam durch Patenschaften zusammen, ein Teil durch größere Einzelspenden aus Aktionen, zum Beispiel durch den ,Run for Help' oder die ,bunten Menschen'. Mit dieser Mischkalkulation kommen wir bei Weitem nicht mehr hin", sagt Richterich. "Durch die Kostensteigerungen und einen geringeren Spendenzufluss entsteht eine Lücke." Um die Ausbildung der Kinder finanzieren zu können, müsse der Verein mehr Spenden sammeln.

Für den Besuch einer privaten Schule fallen pro Kind und Jahr 444 Euro an. Der Verein setzt auf Privatschulen, weil der Unterricht dort zuverlässig läuft, wie der Vorsitzende erläutert. An staatlichen Schulen falle mitunter der Unterricht aus, weil der Staat die Lehrergehälter nicht zahle. Wer eine Patenschaft übernehmen möchte, kann die Summe jährlich, halbjährlich oder monatlich überweisen. Hier Spenden sammeln und nach Nepal bringen will der Verein nicht. Richterich: "Es nützt nichts, wenn wir Material dorthin schleppen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Kinder eine Ausbildung bekommen, damit sie die Chance haben, auf eigenen Beinen zu stehen."

(RP)