Brüggen: Kinder der Blutbuche pflanzen

Brüggen : Kinder der Blutbuche pflanzen

Auf der Floriade 2012 in Venlo mit einem vielfältigen Programm auf allen Ebenen des kulturellen Lebens will sich auch Brüggen präsentieren. Ein Kunst-Projekt rankt sich rund um die Blutbuche auf dem Kreuzherrenplatz.

"Wir wollen vom Effekt der Floriade durch unsere Grenznähe profitieren", sagt Bürgermeister Gerhard Gottwald. "Mit einem Kristallisierungspunkt wollen wir Brüggen bekannt machen. Unser Projekt soll sich wie ein roter Faden durch die Floriade ziehen. Auf einem Stand in Venlo wollen wir es vorstellen." Die Brüggener rücken dazu etwas in den Mittelpunkt, das zur Weltgartenausstellung und zur waldreichen Gemeinde im Grünen passt: die gut gewachsene Blutbuche vor dem Rathaus und das Leben, das um sie herum pulsiert.

Menschen erzählen Geschichten

"Sie ist das Spiegelbild der Geschichte und steht mitten im Ort", erklärt Gottwald. Der Kreuzherrenplatz vor dem einstigen Deutschherrenkloster, dem heutigen Rathaus, mit seinem Profil aus den 1960er Jahren liefert Stoff für viele Geschichten. Das damals neu gepflanzte Bäumchen entwickelte sich zum Blickfang. "Die Blutbuche in der Mitte des Platzes ist das fortdauernde Zeichen des Lebens", betonte die Projektleiterin Nicole Peters aus dem Atelier für soziales Wirken der Kunst in Goch. Die 37-Jährige hält nun ständig den Platz mit seiner Blutbuche mit ihrer Kamera fest, einschließlich aller Brüggener Feste und Aktionen: "Ich will dabei Menschen begegnen und mir von ihnen ihre persönlichen Geschichten zu diesem Platz erzählen lassen und sie dokumentieren."

Die Kunsttherapeutin und -pädagogin sammelt außerdem Bucheckern auf und zieht daraus kleine Blutbuchen: "Auch den Wachsstumprozess der Pflanzen will ich festhalten." Die Gocherin sucht Menschen in Brüggen und weit über die Gemeindegrenzen hinaus, die eine Brüggener Blutbuche pflanzen möchten. Peters stellt im kommenden Jahr, voraussichtlich im August, ein Gewächshaus auf, in dem die jungen Blutbuchen aufwachsen. Sie stellt sich das so vor: "Auf einer Bank im Gewächshaus trifft ein Brüggener mit seiner Geschichte auf einen Menschen, der einen Baum pflanzen will. Der Baumpflanzer schenkt dem Brüggener ein Foto oder eine Zeichnung von dem Ort, wo er die Blutbuche pflanzen will." Die Übergabe hält Peters im Foto fest: "Das Gewächshaus wird so zum Raum menschlicher Begegnung. Der Baum wird ein Zeichen dafür und ist gleichzeitig ein Kind der Brüggener Buche."

Sie will dadurch einen "Wärmeprozess" in Gang setzen. Jeder Baum erhält eine Keramikplakette, die ihn als "Kind" der Brüggener Buche ausweist. Die ausgebildete Töpfergesellin verweist damit auf Brüggen als Standort der traditionellen Ziegelindustrie. "Wir beteiligen dann auch Bracht an diesem Projekt – mit heimischem Ton", sagt Gottwald schmunzelnd.

Peters will von Brüggen aus ein Netzwerk spannen und durch die Blutbuchen verschiedene Orte mit Brüggen verbinden. "So entsteht durch die menschliche Begegnung ein Netz von Herzensverbindungen", wünscht sich die Künstlerin.

(RP)
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