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Kids in a Toy store: Eine Band mit großem Speiltrieb

Kultur in Viersen : Drei große Jungs machen Musik

Kids in a Toy Store vereint Persönlichkeiten: Sänger und Gitarrist Thomas Krüsselmann fotografierte Claudia Schiffer, Keyboarder Hans-Peter Faßbender arbeitete mit Katharina Thalbach, Ralf Weber mit den Backstreet Boys.

Vermessen, frech oder einfach nur souverän? Der erste Track „Embrace Me“ der schlicht „Two“ betitelten aktuellen EP der Viersener Band Kids in a Toy Store (K.I.T.S.) ist noch nicht ganz zwei Minuten alt. Da bahnt sich jene epische Drei-Ton-Folge aus Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“ den Weg in den Gehörgang, die sich bei der reiferen Hörerschaft bereits vor Jahrzehnten einen Ehrenplatz auf dem weinroten Plüsch-Sofa der verklärten Jugendzeit-Erinnerungen gesichert hat.

Bei den K.I.T.S. erscheint die markante Tonfolge vom dramatischen Duktus des Originals entkleidet, biegt eher beiläufig um die Ecke, fast lakonisch. „Two“ bietet einige dieser zärtlich-ironisch gebrochenen Déjà-vu-Erlebnisse. Einmal fühlt man sich an eine hart am Kitsch streifende späte Sting-Produktion erinnert. Dann wechseln sich fast meditative Dark-Wave-Passagen mit solchen ab, die aktuellem Electro-Dance-Sound nachspüren. Auch die teutonischen Götter des Elektronik-Olymps wie Kraftwerk, Klaus Schulze oder Tangerine Dream erfahren angemessene Würdigung.

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Bei der Probe im Hinterzimmer der Viersener Kleinkunst- und Konzertbühne Freigeist nimmt Hausherr Ralf Weber die Rolle des Nesthäkchens ein, musikalisch eher mit Depeche Mode als mit Pink Floyd sozialisiert. Mit seinen Bandkollegen teilt er den im Bandnamen manifestierten Spieltrieb. Die K.I.T.S. bewegen sich im Fundus ihrer reichen musikalischen Erfahrungen ebenso unbekümmert, neugierig, ein bisschen aufgeregt und doch gelassen wie ein Kind im Spielzeugladen.

Spannung schöpft ihre Musik aus den unterschiedlichen musikalischen Vorgeschichten. Sänger und Gitarrist Thomas Krüsselmann: „Mit 13, 14 fing ich an, meine Kreativität auszuleben: Film, Fotografie, Gitarre spielen. Damals schrieb ich erste Songs und habe damit mein Leben lang nicht aufgehört.“ Er ging zur Schule mit dem späteren Tote-Hosen-Gitarrist Kuddel. Und wer weiß? Hätte der junge aufstrebende Fotograf damals nicht durch eine glückliche Fügung den Einstieg ins Werbefotografie-Business gefunden, wäre er heute vielleicht Berufsmusiker. Stattdessen filmt und fotografiert er professionell für illustre Kunden wie L‘Oreal, Harley Davidson und Samsung Ikonen wie die Schiffer oder Olli Kahn.

Beim Namedropping kann Keyboarder Hans-Peter Fassbender mithalten, blickt er doch auf musikalische Kooperationen mit so unterschiedlichen Künstlern wie Blixa Bargeld, Katharina Thalbach oder Synchronsprecher-Legende Christian Brückner zurück. Faßbender war Pianist am Rheinischen Landestheater Neuss und beim Tim Isfort Orchester. Auch mit Viersens verstorbenem Jazz-Grandseigneur Ali Haurand kreuzten sich seine Wege. Der studierte Jazzer verdingte sich zwischenzeitlich auch als Rockmusiker – etwa in der 2004er-Inkarnation der deutschen Krautrock-Legenden Birth Control.

Fassbender beschreibt den musikalischen Ansatz der K.I.T.S.: „Unsere Stücke haben meist keine klassische Songstruktur. Vieles fließt und wird spontan improvisiert. Das gilt für unsere Live-Auftritte aber auch für die Proben. Dort zeichnen wir das Material auf und arbeiten zu Hause daran weiter.“ Die Stücke werden oft mehrfach zwischen den Bandmitgliedern hin und her geschickt und digital nachbearbeitet. „Dabei streben wir an, eine Songstruktur herauszuarbeiten. Etwa indem wir wenige Worte Text hinzufügen“, erläutert Thomas Krüsselmann. Hans-Peter Fassbender ergänzt: „Diese Sparsamkeit im Text gibt dem Hörer Raum für Assoziationen.“

Auch Freigeist-Betreiber Ralf Weber kann auf mehrere Jahrzehnte musikalischer Erfahrung verweisen. Solo sowie in diversen Elektro-Pop- und Dance-Formationen ist er seit den Neunzigern mit Sampler, Sequenzer und Drum Machine auf du und du. Die Promi-Erlebnisse seiner Bandkollegen pariert er mit einem Satz, der diese beinahe in Ehrfurcht erstarren lässt: „In Geldern hatte ich 1996 einen fünfminütigen Auftritt als Support-Act für die Backstreet Boys – im Vollplayback!“