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Kartoffelanbauer in Sorge - Stimmung bei den Bauern im Keller

Corona-Krise : „Die Stimmung bei den Bauern ist im Keller“

75 Prozent der Kartoffeln, die von Kartoffelhändler Weuthen aus Schwalmtal in der Handelskette geliefert werden, landen als Pommes in der Tüte. Doch ohne Veranstaltungen wie Kirmes, Schützenfest und Stadionbesuch ist der Pommes-Absatz eingebrochen.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf das Weuthen-Geschäft?

Corona bedeutet für Weuthen „sehr große Umsatzverluste“ und wirtschaftliche Schäden sowohl für das eigene Geschäft, aber auch für die Abnehmer und die Landwirte.

Wie sieht es bei der Pommes-Produktion aus?

75 Prozent der Kartoffeln, die in der Handelskette von Weuthen geliefert werden, landen als Pommes Frites auf dem Teller oder in der Tüte.

Warum ist der Lockdown insbesondere für die Pommes-Produktion so einschneidend?

Zwei Drittel der Pommes-Kartoffeln werden außer Haus, vor allem auf Großveranstaltungen und Events verzehrt: Schützenfeste, Oktoberfest, Stadionbesuch, Maitanz, Vatertag, Pfingstfest et cetera.

Was bedeutet das für die Kartoffelernte im Sommer und im Herbst?

Ferdi Buffen geht von einer massiven Überproduktion aus, sprich: die Landwirte bleiben auf ihren Kartoffeln sitzen und die Abnahmepreise gehen in den Keller. Nach dem Dürre-bedingten „Katastrophenjahr 2018“ ein weiteres verlorenes Jahr für die Branche.

Wie sind die Auswirkungen auf die Weuthen-Belegschaft?

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Stagnation statt Wachstum: Neueinstellungen oder die Besetzung der Ausbildungsplätze sind auf Eis gelegt. „Wir sind froh, wenn wir unsere Stammbelegschaft halten können“, sagt Ferdi Buffen. Den Saisonarbeitskräften hat Weuthen für den Sommer schon abgesagt.

Ist für die Kartoffelbranche Staatshilfe in Sicht?

Eher nicht. Weuthen ist zwar gemeinsam mit den Vertretern der Landwirtschaft im Dialog mit der Politik. Doch während die niederländischen Pommes-Frites-Landwirte Unterstützung vom Staat bekommen, stößt man hierzulande auf taube Ohren. Während die Niederlande ein Hilfspaket für die Landwirtschaft in Höhe von 350 Millionen Euro – davon alleine 50 Millionen für die Pommes – geschnürt hat, rechnet der Bauernverband hierzulande mit bis zu 40 Millionen Euro Schaden.

Wie ist die Stimmung bei den Kartoffelbauern?

Die Speisekartoffelanbauer – in NRW 20 Prozent der Anbaufläche – haben bisher einen positiven Marktverlauf zu verzeichnen. Die Stimmung unter den Pommes-Frites-Kartoffelanbauern ist hingegen im Keller, viele Betriebe fürchten um ihre Existenz.

Wie intensiv wird der Kartoffelbau am Niederrhein betrieben?

Der Kartoffelanbau hat sich am Niederrhein zu einem wichtigen Standbein für die Landwirtschaft und die gesamte Wertschöpfungskette entwickelt. Die Kartoffelbauern am Niederrhein haben in den letzten Jahren erheblich investiert. Weuthen in Waldniel ist hierfür das beste Beispiel. Die Kreise Viersen, Kleve und Heinsberg bieten die größte Kartoffel-Anbaufläche im Rheinland. Und das Herz der Vermarktung schlägt in Waldniel.

Wie sieht’s bei den Direktvermarktern aus?

Bauernläden und Wochenmarkt-Beschicker haben von der Situation profitiert. Neben Hamsterkäufen in den Supermärkten haben sich dort die Verbraucher mit Lebensmitteln eingedeckt.