1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Viersen: Kampf um das Leben der Kröten

Viersen : Kampf um das Leben der Kröten

Im Salbruch wurden Anwohner bedroht, die Poller aufstellten: Diese sollen Kröten retten.

Seit Jahren wird ein Teil des Clörather Wegs im Frühjahr gesperrt: Poller verriegeln über Nacht die Zufahrt zu diesem Abschnitt des Naturschutzgebiets Salbruch zwischen Viersen und Clörath. So können Kröten und andere Amphibien dort in Ruhe wandern — und werden nicht mehr überfahren, so, wie es vor der Maßnahme häufig geschehen war. In der Vergangenheit haben die Anwohner in der Dämmerung die Poller aufgestellt und sie morgens aus den Halterungen genommen. Damit haben sie nun aufgehört. Man habe sie bedroht. "Man wurde beschimpft, wenn man die Poller einsetzte, und hatte mit ständigem Ärger zu kämpfen. Mal waren die Sperrhülsen voller kleiner Kieselsteine, dann waren die Schlösser mit Silikon verklebt", berichtet einer der Anwohner.

Gesperrt ist die Strecke ab den Feuchtbiotopen an der Clörather Mühle bis zum Ende des Weges in Richtung Viersen, diese Straße nutzen einige Ortskundige als Abkürzung nach Anrath beziehungsweise Viersen. Es steht die Vermutung im Raum, dass es unzufriedene Autofahrer sind, die die Poller beschädigt haben.

Nachdem die Anwohner sich nicht mehr um die Poller kümmern, ist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eingesprungen. Die Stadt hatte darum gebeten. "Wir sind gefragt worden, ob wir den Salbruch übernehmen könnten. Da wir den Fritzbruch ebenfalls in Sachen Krötenwanderung seit Jahren betreuen, haben wir sofort ,Ja' gesagt", berichtet Almut Grytzmann-Meister, Vorsitzende des BUND Stadt und Kreis Viersen.

Doch der BUND hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie vorher die Anwohner. Die Poller wurden wegen des warmen Wetters in diesem Jahr schon Anfang Februar aufgestellt. Seitdem wurden zwei von ihnen gestohlen, die Schlösser mit Kleber oder Silikon zugeschmiert. "Es entstanden so Kosten von 300 Euro", berichtet Wolfgang Halberkann, Leiter der städtischen Betriebe.

In den vergangenen Jahren hatte die Stadt in solchen Fällen abgewartet. In diesem Jahr erstattete sie Anzeige wegen Sachbeschädigung. Zudem kontrollieren Stadt und BUND nun häufiger in dem Bereich. Derzeit kümmern sich viele Freiwillige um die Kröten schützenden Barrieren. Zu ihnen gehört auch Hannelore Grützmacher: "Das ist ein Beitrag von uns für den Artenschutz", sagt sie.

Der BUND hat angekündigt, dass er trotz der Sabotage nicht das Handtuch werfen will.

(RP)