Junge Frau aus Viersen organisiert interkulturelles Kochprojekt mit

"Kitchen on the Run" : Über den Süchtelner Tellerrand hinaus

Magdalena Breidenbach verlässt ihre Heimatstadt für ein besonderes Projekt. Die Viersenerin zieht für ein Jahr mit der Flüchtlingsküche „Kitchen on the Run“ quer durch Deutschland. Nächste Woche geht’s nach Berlin.

Viele Bürger erinnern sich noch an den Sommer-Event des vergangenen Jahres in Süchteln. Für sieben Wochen gastierte auf dem Lindenplatz „Kitchen on the Run“. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund kamen sich dort beim gemeinsamen Kochen und Essen näher und erlebten unvergessliche Momente. Als der mobile Küchencontainer vom Berliner Projekt „Über den Tellerrand“ Süchteln verließ, um sich auf den Weg nach Jena, seinem nächsten Standort zu machen, hatte so mancher Tränchen in den Augen stehen.

Das war auch bei Magdalena Breidenbach der Fall, die seinerzeit die Aktion federführend nach Süchteln geholt hatte. Allerdings sind die Tränen nun getrocknet, Breidenbachs Augen strahlen. Das ganze Gesicht leuchtet. Ihr ist die Freude anzusehen. Die 30-Jährige wird nämlich für ein Jahr mit „Kitchen on the Run“ auf Tour gehen. „Am 1. Februar geht es nach Berlin. Am 4. Februar ist mein erster Arbeitstag. Als erstes steht die Auswahl der Städte an, die sich für den Küchencontainer beworben haben“, berichtet sie. Das vorige Team von „Kitchen on the Run“ bereitet aber zunächst eine Übergabe ans neue Team vor, und es wird zudem ein Teambildungs-Wochenende in Brandenburg geben.

Die ersten Monate werden mit den Vorbereitungen gefüllt sein. Nach der Auswahl stehen Vorbesuche bei den jeweiligen Städten an. Es gilt, Kontakte zu Verwaltungen, sozialen Vereinen und Organisationen und Flüchtlingsunterkünften zu knüpfen, bevor es von Mai bis September in drei Städte geht. Für die Viersenerin, die Kunstgeschichte, Kultur- und Sozialanthropologie studiert hat, bedeutet das Jahr mit der sozialen Einrichtung etwas ganz Besonderes. „Ich möchte diese zauberhaften Sommerwochen, die ich selbst in Süchteln als Gast erlebte, anderen Menschen ermöglichen. Ich möchte meine Energie dafür einsetzen die Gesellschaft, unser Land, ein Stück weit mitzugestalten. Es ist eine riesige Herausforderung“, sagt die junge Frau. Sie habe Respekt vor der Arbeit, die sie erwarte, fügt sie an. Alleine ist sie dabei nicht. Es geht als Viererteam auf Tour. Marieta aus Frankfurt, Philipp aus Berlin und der Syrier Ghaith gehören dazu.

Einheimische und Flüchtlinge kochen gemeinsam an einem Koch-Container. Vergangenen Sommer holte Magdalena Breidenbach das interkulturelle Koch-Projekt nach Süchteln. Foto: Kitchen on the run. Foto: Kitchen on the run

Die Slogans der Berliner Organisation „Wir glauben ans Kennenlernen“ und „Man hat nur vor dem Angst, was man nicht kennt“ kann Magdalena Breidenbach aus eigenem Erleben nachvollziehen. Angefangen hatte es 2016 mit einer Zugfahrt. Die Viersenerin entdeckte während der Fahrt in einer Zeitung einen kleinen Artikel über das Berliner Projekt „Über den Tellerrand“, das daran arbeitet, Integration in die Gesellschaft zu bringen, darunter mit Koch-Events. Magdalena Breidenbach bestellte das Kochbuch und meldete sich für den Newsletter an. Darüber erfuhr sie von dem neuen Projekt „Kitchen on the Run“. Sie schaute sich den mobilen Küchencontainer beim Einsatz in Duisburg an und war begeistert. „Ich habe dort Völkerverständigung pur erlebt“, erinnert sie sich. Im Herbst 2017 erfuhr sie, dass man sich als Standort bewerben konnte. Zusammen mit dem Kulturteam der Königsburg Süchteln ging eine entsprechende Bewerbung heraus, die letztendlich für einen unvergesslichen Sommer 2018 in Süchteln sorgte. Die 30-Jährige organisierte im Anschluss die „Über den Tellerrand Community Süchteln“ mit, die einmal im Monat mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund weiterkocht. Im Rahmen dieser sogenannten Satelliten war sie im Oktober 2018 auf dem Satellitenkongress in Berlin. „Alle Abgesandten der Communitys trafen sich dort, und es erfolgte ein Austausch über die jeweilige Heimat-Community. Dort wurde gefragt, ob sich jemand vorstellen könnte, ins Team einzuteigen. Es kribbelte in mir und ich habe mich gemeldet“, berichtet die Viersenerin. Es folgte der offizielle Weg mit Bewerbung und Vorstellungsgespräch, dem sich ein Arbeitsvertrag für ein Jahr anschloss. Nun geht es in wenigen Tagen los, und die Arbeit im elterlichen Architekturbüro ruht erst einmal.

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