Viersen: Junge Dülkenerin erlernt Maurer-Beruf

Viersen : Junge Dülkenerin erlernt Maurer-Beruf

Sinje Dahmen hat sich für einen ungewöhnlichen Ausbildungsberuf entschieden. Die 21-Jährige ist die einzige Frau an der Berufsschule

Mit gleichmäßigen Bewegungen verteilt Sinje Dahmen den Lehmputz auf der Wand. Routiniert hantiert die junge Frau mit Kelle und Glätter. "Das sieht gut aus", lobt Antonius Kiwall. Das Haus in Schiefbahn ist eine Baustelle: Offene Wände, in denen Heizungsschlangen liegen, müssen noch verputzt werden. Böden sind aufgerissen, nur ein Bollerofen sorgt für Wärme. Für die 21-jährige Dülkenerin ist das längst Alltag. Sie erlernt den Beruf der Maurerin.

"Eigentlich war es ein Zufall, dass es eine Maurerlehre geworden ist", erzählt Dahmen. Schon während sie das Clara-Schumann-Gymnasium in Dülken besuchte, war es ihr Wunsch, in der Denkmalpflege zu arbeiten. Altes zu erhalten, liegt ihr am Herzen. Doch sie wusste nicht genau, wie sie ihren Traum nach dem Abitur angehen sollte. Die Studiengänge sagten ihr nicht zu. Für ein Jahr ging sie zunächst nach Australien. Wieder zurück, startete sie mit Praktika in verschiedenen handwerklichen Berufen. Doch nirgendwo sprang der Funke über.

Sie erfuhr von dem Brüggener Unternehmen Kiwall & Söhne, das sich auf Arbeiten in der Denkmalpflege spezialisiert hat. Kurzentschlossen rief sie an und stieß erst einmal auf Skepsis. "Ich habe ihr damals gesagt, dass unsere Arbeit auch viel mit Dreck und Staub zu tun hat und nicht einfach ist", erinnert sich Kiwall, Maurermeister und geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk. Doch Dahmen ließ sich nicht abschrecken. Sie begann im Februar ein vierwöchiges Praktikum bei Kiwall, obwohl dieser ihr mitgeteilt hatte, dass er nicht ausbilde. Direkt am ersten Tag durfte die junge Frau mauern - und war begeistert. "Man denkt, Stein auf Stein zu setzen, wäre einfach, doch das ist es nicht. Mir hat die Arbeit sofort gefallen", sagt Dahmen. Daher ließ sie auch nicht locker. "Ich hatte Bedenken, weil wir in unserem Betrieb ja keinen Neubau betreiben", sagt Kiwall. Doch für den Bereich Neubau reiche ein vierwöchiger Besuch in einem entsprechenden Unternehmen, meinte der Ausbildungsberater der Handwerkskammer. Daraufhin bot Kiwall die Lehrstelle an, Dahmen sagte zu.

In der Berufsschule ist die 21-Jährige die einzige Frau, bei der überbetrieblichen Ausbildung gibt es eine weitere junge Frau, die den Beruf des Zimmermanns erlernt. Die Arbeit in der Denkmalpflege empfindet die junge Dülkenerin als einzigartig - weil man sich mit dem, was man tut, auseinandersetzen muss, weil individuelle Lösungen gefunden werden müssen. "Was auf der einen Baustelle gilt, muss noch lange nicht für die nächste gelten. Es ist eine Herausforderung, sich mit den Materialien auszukennen. Mörtel ist nicht gleich Mörtel. Man muss ein Gefühl für die Arbeit in der Denkmalpflege bekommen und auch bereit sein, querzudenken", sagt Kiwall.

All das bringt Dahmen mit. Und so bereut es Kiwall nicht, ihr eine Ausbildungsstelle gegeben zu haben. Nur eine Sache fällt dem Lehrling nicht leicht: Kopfrechnen. "Darin bin ich ganz schlecht", gibt Dahmen lachend zu. Einen Taschenrechner zieht sie aber nicht aus den Taschen ihrer Arbeitshose. Dorthin gehören nur Zollstock, Bleistift und ein Nagel - den braucht man ganz oft auf dem Bau.

(RP)