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Jugendzentren errichten einen virtuellen Treffpunkt

Jugendzentren im Grenzland : Jugendtreffs verlegen Arbeit ins Internet

Neun Jugendtreffs wollen trotz der Schließung erreichbar bleiben. Dabei soll die Plattform Discord helfen. So werden Gespräche zwischen Fachkräften und dem Nachwuchs möglich, aber auch der Jugendlichen untereinander.

Die Teams der Jugendtreffs in Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal wollen trotz Schließung für die Kinder und Jugendlichen erreichbar bleiben. Die Antwort auf die Frage „Wie bleiben wir trotz Kontaktsperre in Kontakt?“ heißt: „Wir treffen uns im Internet.“ Mittlerweile sind neun Jugendzentren dem virtuellen Jugendtreff angeschlossen. Es sind das Chilly in Amern, das Second Home in Brüggen, das Doc5 in Niederkrüchten, das Effa in Waldniel, der Jugendtreff Born, der Big Bass, das Kolibri aus Bracht, die Oase aus Breyell und das Alo aus Dülken. 83 Nutzer sind bereits angemeldet.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind Kindergärten und Schulen derzeit ebenso geschlossen wie Sporthallen, Schwimmbäder oder Freizeiteinrichtungen. Auch Sportvereine haben ihren Trainingsbetrieb eingestellt. Die Folge für den Nachwuchs: Langeweile. Zwar gibt es immer wieder einzelne Projekte für Zuhause. So hat etwa vor Ostern der Brüggener Jugendtreff Second Home mit einem weiteren Jugendtreff und der Künstlerin Birgit Menzel ein Kreativaktion gestartet. In Zusammenarbeit mit dem Verein LAG Kunst und Medien sowie mit Landesmitteln erhielten sie Care-Kultur-Pakete, mit denen Sechs- bis 16-Jährige „Grüße in die Welt“ gestalten konnten.

Die Jugendtreffs werden laut Auskunft des Kreises Viersen „rege besucht“; die pädagogischen Fachkräfte dort sind Ansprechpartner, Kummerkasten und Wegbegleiter für die Kinder und Jugendlichen, wenn diese Schwierigkeiten haben und Rat brauchen. Gerade die aktuelle Situation – Lernen zuhause, weniger Kontakte zu Freunden, kaum Freizeitmöglichkeiten – erleben viele junge Menschen als Belastung. Deshalb greifen immer mehr Kinder und Jugendliche zum Telefon, um sich beraten zu lassen, wie Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend belegen.

Die Jugendtreffs errichten nun eine virtuellen Jugendfreizeiteinrichtung, in der die vertrauten Fachkräfte weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Dieses Angebot soll für die Kindern und Jugendlichen eine Unterstützung darstellen in einer für viele beängstigenden und unsicheren Zeit. Die Gaming-Plattform Discord muss jetzt an die Vorstellungen der pädagogischen Kräfte angepasst werden. Wichtig ist ein geschützter Raum, in dem sich die Mitarbeiter mit ihren virtuellen Gästen austauschen können und in dem sicher auch brisantere Fragen gestellt werden können. Luca Lamaack (19), Nicolas Allendorf (18) und Tobias Bayer (16) sind drei ehrenamtliche Teamer des Jugendtreffs Chilly in Schwalmtal-Amern. Sie bauen die neue Plattform auf.

Wie die Plattform genutzt werden kann: Wer sich ein kostenloses Konto und einen Chatnamen angelegt hat, kann sich für die verschiedenen Jugendzentren freischalten lassen, um zu kommunizieren. Da für ein Konto eine E-Mail-Adresse benötigt wird und automatisch eine Benutzerkennung zugeteilt wird, können Nutzer bei Regelverstößen gezielt gemeldet und identifiziert werden. Wer sich zum ersten Mal anmeldet, wird außerdem angeschrieben, dabei machen die Aufsichtspersonen auf sich aufmerksam und teilen eine Rolle zu. „Im Prinzip werden so alle Möglichkeiten eines echten Jugendtreffs angeboten. Es gibt auch private Kanäle, über die auch Einzelgespräche möglich sind“, erzählt Astrid Król, Leiterin des Jugendtreffs Chilly. „Dabei ist zu beachten, dass Discord erst ab zwölf Jahre freigegeben ist.“ Für jüngere Nutzer sei das Einverständnis der Eltern unverzichtbar.

Second-Home-Besucher Luca Stevens (16) meint: „Ich finde das megacool. So kann man halt echt gut quatschen und spielen.“ Auch Mandy Morabito (20), Besucherin des Jugendzentrums Chilly in Amern, gefällt die Idee: „Ich finde das gut, gerade in dieser Corona-Zeit.“ Wegen der Kontaktsperre könne man weniger Freunde treffen, sagt Mandy: „Toll, dass wir uns jetzt virtuell treffen können.“ Man könne nicht nur miteinander schreiben, sondern auch in der Gruppe miteinander telefonieren.