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Schwalmtal: Jugendliche stark machen

Schwalmtal : Jugendliche stark machen

In Kooperation mit der Suchtberatung "Kontakt Rat Hilfe" bietet das Amerner Jugendcafé im Januar einen Infoabend für Eltern an. Ziel: Eltern Hilfestellung für die schwierige Zeit der Pubertät geben.

Türen knallen, der Teenager verbarrikadiert sich im Kinderzimmer und dreht die Musik auf. Wenn es nur das wäre, mögen manche Eltern stöhnen, die den Nachwuchs im pubertären Alter kaum noch zu Gesicht bekommen, weil der lieber mit der Clique rumhängt. Was ist in diesem Alter normal – und was nicht? Wann müssen Eltern eingreifen – und vor allem: wie? Viele Mütter und Väter wissen in dieser Zeit nicht weiter. Ihnen will ein Infoabend im Januar, den das Amerner JuCa und die Suchtberatung gemeinsam veranstalten, erste Hilfe geben. Im Gespräch erläutern Astrid Gröbel, Sozialarbeiterin im JuCa, und Dorothee Grotenrath von der Suchtberatung die Ziele des Angebots.

Warum bieten Sie diesen Abend an?

Gröbel Uns ist aufgefallen, dass der Drogenkonsum in unserem Ortsteil Amern stark zugenommen hat. Vor allem chemische Drogen sind bei den Jugendlichen sehr beliebt, weil sie im Augenblick sehr preiswert sind. Die Jugendlichen wollen am Wochenende breit sein. Wenn man nur wenig Taschengeld zur Verfügung hat, kauft man eben nicht mehrere Dosen Bier oder eine Flasche Schnaps, sondern eine Pille.

Und das ist ein Problem der Pubertät?

Grotenrath Auch. Jugendliche in diesem Alter sind auf der Suche. Sie wollen alles ausprobieren, sich austoben. Dieses Experimentieren-Wollen zeigt sich nicht nur im sexuellen Bereich, sondern eben auch im Bereich der Konsum- und Genussmittel. Wir wissen, dass das in der Pubertät dazu gehört, wollen aber im Sinne des Jugendschutzes erreichen, dass die Jugendlichen nicht abdriften und kriminell werden.

Eltern fühlen sich da oft hilflos.

Gröbel Das Problem: Jugendliche richten sich in der Pubertät in der Regel nicht mehr nach dem Elternhaus, sondern nach der Clique. Die Frage ist, wie Eltern auch in dieser schwierigen Phase den Kontakt zu ihren Kindern halten können. Viele Eltern fühlen, dass ihnen ihre Kinder entgleiten, und sie wissen nicht, was sie dagegen tun könnten. Wenn Kinder stark und autonom sind, können sie auch Dingen widerstehen, die in der Clique gerade cool sind – von denen sie eigentlich aber wissen, dass sie ihnen nicht guttun.

Welche Fragen haben Eltern noch, wenn sie sich an Sie wenden?

Grotenrath Wir erleben eine massive Nachfrage nach allem, was mit dem Internet zu tun hat. Eltern wollen zum Beispiel wissen, wie viel Internet sie ihren Kindern erlauben sollen, welche Risiken es gibt. Sie erleben, dass sich viele Jugendliche vor dem Computer verschanzen und völlig in die virtuelle Welt abtauchen – egal ob es sich um SchülerVZ, Facebook oder World of Warcraft handelt. Das kann eine Sucht werden. Dazu kommt das Mobbing, dem Jugendliche im Internet häufig ausgesetzt sind – das kann bis zum Suizid gehen.

Gröbel Manche Eltern sagen: Besser den ganzen Tag im Internet, als dass er kifft. Aber so kann man das nicht sagen. Beides birgt Gefahren. Eltern müssen genau hinschauen.

Was wollen Sie Eltern vermitteln?

Gröbel Was das Internet zum Beispiel angeht, müssen Eltern auch in diesem Bereich Sicherheit gewinnen. Der Jugendliche hat das Gefühl: Meine Eltern kennen sich ja eh nicht aus, ich kann da machen, was ich will. Wenn Eltern diese Sicherheit zurückgewinnen, können sie ganz anders reagieren.

Grothenrath Wir wollen an diesem Abend ganz auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen, ihre Fragen beantworten und damit ihre Erziehungskompetenz stärken.

Also erklären, wie man eingreift, obwohl man sich hilflos fühlt?

Grothenrath Genau. Eltern müssen sich klarmachen, dass sie nicht der Kumpel ihrer Kinder sind, sondern Eltern. Wenn man sich entscheidet, Kinder zu bekommen, übernimmt man auch einen Erziehungsauftrag. Den legt man nicht ab, wenn es schwierig wird.

Gröbel Es kann auch schon eine Hilfe sein, zu spüren: Es tut gut, darüber zu sprechen, und es hilft mir in meinen Erziehungsalltag.

(RP)