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Jobcenter Kreis Viersen startet Wettbewerb "Aufbruch" für Betriebe

Arbeitsmarkt im Kreis Viersen : Jobcenter zeichnet Betriebe aus

Am Wettbewerb „Aufbruch“ können Unternehmen im Kreis Viersen teilnehmen, die Langzeitarbeitslose beschäftigen. Prämiert werden sollen Arbeitgeber, die dazu beitragen, dass die Zahl der Langzeitleistungsbezieher sinkt.

Rund 8200 Männer und Frauen im Kreis Viersen beziehen seit mehr als zwei Jahren Leistungen des Jobcenters (Stand: September 2021). Das sind nach Angaben des Jobcenters knapp 1000 Menschen weniger als im Jahr 2015 – damals wurde dort ein Projektteam eingerichtet, das sich seither darauf konzentriert, genau diese Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Knapp 1000 Kunden weniger innerhalb von rund sechs Jahren: Das sei „eine schöne Erfolgsgeschichte“, sagt Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters. Ohne Fördermittel, „engmaschige Betreuung“ der Leistungsempfänger und Betriebe sei das aber wohl nicht möglich gewesen, ergänzt er. Um das Engagement jener Unternehmer auszuzeichnen, die Langzeitarbeitslose beschäftigen, hat das Jobcenter den Wettbewerb „Aufbruch“ gestartet: Drei Betriebe sollen im kommenden März prämiert werden, dazu gibt es einen Siegerpokal und einen Imagefilm für Werbezwecke.

Etwa ein Drittel der Langzeit-Leistungsbezieher des Jobcenters im Kreis Viersen sei mindestens 55 Jahre alt, berichtet Schmitz. Rund 55 Prozent davon seien Frauen, rund 60 Prozent seien ohne Schul- und Berufsabschluss. Dass ein Mensch in die Langzeitarbeitslosigkeit – und damit mitunter auch in die gesellschaftliche Isolation – rutscht, könne, wie er erläutert, viele verschiedene Gründe haben: soziale Probleme, gesundheitliche Probleme oder eine Schuldenproblematik, zum Beispiel. Um diesen Arbeitslosen überhaupt die Chance eröffnen zu können, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist das Jobcenter auf die Kooperation mit den Betrieben angewiesen.

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Insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen seien daran interessiert, Langzeitarbeitslose zu beschäftigen, erläutert Schmitz – Grund sei der dort ausgeprägtere Fachkräftemangel. Vor allem in den Bereichen Lager und Logistik, Dienstleistung, ebenso bei Handwerksbetrieben sei die Nachfrage da.

Auch, wenn das Jobcenter nicht immer auf Anhieb den passend ausgebildeten Kunden an den Betrieb vermitteln kann: Als Hilfsarbeiter können die Langzeitarbeitslosen Facharbeiter entlasten, es gibt auch die Möglichkeit auf Umschulungen, Weiterbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen. In der Regel ziehe sich eine Förderung über zwei bis fünf Jahre, es gebe aber auch kürzere Zeiträume für kleinere Maßnahmen, erläutert Michael Dammer vom Projektteam des Jobcenters.

Aufgabe des Projektteams des Jobcenters ist es, die Langzeitarbeitslosen zu betreuen – derzeit sind es rund 750 –, ihnen zu helfen, in den strukturierten Arbeitsalltag zurückzufinden. Wenn ein Langzeitarbeitsloser vermittelt ist, sei das Ziel, dass er langfristig im Unternehmen bleibe, sagt Teamleiterin Jara Weyers. Das gelinge – es gebe aber auch Mal Abbrüche. Um das Engagement der Betriebe, die „in Langzeitarbeitslose investieren“, die dabei helfen, dass sie sich weiterentwickeln können, wertzuschätzen, wie Geschäftsführer Schmitz betont, gibt es den Wettbewerb „Aufbruch“.

Das Projektteam hat nach eigenen Angaben mehr als 400 Betriebe, die für den Wettbewerb in Frage kommen, kontaktiert – es sind aber auch noch Initiativbewerbungen möglich. Von den Bewerbern kommen zehn in eine engere Auswahl, eine Jury, zu der unter anderem Vertreter des Kreises Viersen, der Wirtschaftsförderung sowie der Industrie- und Handelskammer gehören, bestimmen Ende des Jahres in einer Jurysitzung drei Gewinner. Am 18. März werden Vertreter der zehn Betriebe in der engeren Auswahl zur Prämierung ins Forum in Viersen eingeladen. Geplant ist, dass die Landtagsabgeordneten Britta Oellers (CDU), Dietmar Brockes (FDP) und Landtags-Vizepräsident Oliver Keymis (Grüne) die Laudatios halten.

Nach 2017 und 2019 führt das Jobcenter den Wettbewerb nun zum dritten Mal durch. Bei den ersten beiden Ausgaben habe es jeweils rund 150 Bewerber gegeben, berichtete Weyers. Ziel sei es auch immer, die teilnehmenden Betriebe weiter an das Jobcenter zu binden.