Jin Jim: Virtuosen am Werk in Viersen

Jazzfestival Viersen : Jin Jim: Virtuosen am Werk

Vier exzellente Musiker, eine Band. Jin Jim hat am Samstagabend die New-Jazz-Rock-Formation voll gespielt. 19 Uhr, große Bühne, Festhalle Viersen. Der Saal ist erst halb voll, als Daniel Manrique-Smith, Johann May, Ben Tai Trawinski und Nico Stallmann loslegen – vor der Bühne ausnahmsweise, weil auf der Bühne bereits die Technik für das nach ihnen spielende 60-köpfige Metropole Orkest samt Donny McCaslin aufgebaut ist.

Der Saal füllte sich so rasant, wie die vier Virtuosen spielten – bis hin zu den Standing Ovations für die vier Musiker aus Bonn und Köln, die seit der Gründung ihrer Band 2013 eine steile Karriere hingelegt haben. 2014 gewannen sie bei den Leverkusener Jazztagen den Preis für „Future Sounds”. Auch für langjährige Festivalbesucher in Viersen war es ein Wiederhören: 2016 spielte Jin Jim bereits im Ernst-Klusen-Saal und wurde erst nach vielen Zugaben entlassen. Ein Geheimtipp sind sie daher schon lange nicht mehr.

Kraftvoll und kompakt gehen die Musiker zu Werke. Mit eleganter, fast schwebender Leichtfüßigkeit verbinden sie die Energie des Rock mit der Improvisation des Jazz. Einen Sänger und Frontmann braucht das Quartett nicht. Schließlich haben sie Daniel Manrique-Smith an der Flöte.

Seine Querflöte rockt über den dröhnenden Beats von Stallmann, den flirrenden Gitarrenläufen von May und dem volltönenden Kontrabass von Trawinski. Sowieso sind die vier Musiker gleichberechtigt: Jeder steuert Kompositionen und Soli bei.

Der Name der Band „Jin Jim” stammt aus dem Hebräischen, bedeutet Rotschopf und ist eine Anspielung auf Drummer Nico Stallmann. Das Quartett nimmt die Zuhörer mit auf Reisen – afrikanische Klänge, Flamenco, Gypsie, Balkan. Schubladen gibt es nicht, nur Crossover, sauber, kraftvoll, energiegeladen. Dabei erzählen die Vier Geschichten in „Die Ankunft des Kaisers” und im „House of the King”. Sie spielen eine Liebeserklärung in „Exploration”, sie malen Landschaftsbilder in „Days of September”, und sie suchen Geister und Kobolde in „Duende”. saja

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