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Kreis Viersen: Jede Stimme zählt nun für sechs Jahre

Kreis Viersen : Jede Stimme zählt nun für sechs Jahre

Morgen sind im Kreis Viersen 248 000 Bürger zur Wahl aufgerufen. Sie bestimmen den Kreistag, die Stadt- und Gemeinderäte sowie im Westkreis drei Bürgermeister und, wer Deutschland in Europa vertritt.

Die Landespolitik hatte es gut gemeint: Sie trennte 2009 die Wahl von Gemeinderäten und Bürgermeistern voneinander. Also bestimmten die Bürger die Gemeinderäte für fünf, die Bürgermeister und Landräte für sechs Jahre. Das war keine gute Idee. Nun werden der Kreistag und die Gemeinderäte neu gewählt - für sechs Jahre bis 2020. Dann sollen Rats- und Bürgermeister-Wahlen wieder zusammengefasst werden. Die Folge: Im Westkreis Viersen stehen drei Bürgermeister zur Wahl, ihre anderen Kollegen machen, ebenso wie der Landrat, noch ein Jahr weiter.

Das hat sich auf den Wahlkampf ausgewirkt. Die Parteien mussten im Kreis, in Viersen und in Niederkrüchten ohne Spitzenkandidaten um Stimmen werben. Landrat Peter Ottmann (CDU) und die Bürgermeister Günter Thönnessen (SPD) sowie Herbert Winzen (parteilos) schöpfen ihre Wahlzeit voll aus.

In Nettetal und in Brüggen verkürzten die amtierenden Bürgermeister aus freien Stücken ihre Wahlzeit. Christian Wagner (CDU) strebt die dritte Amtszeit an, die ihm Udo Moter (SPD), Johannes Peters (FDP) und Hajo Siemes (WIN) streitig machen. In Brüggen hat Gerhard Gottwald (CDU) nach drei Wahlzeiten seit 1999 vorzeitig aufgehört. Um seine Nachfolge bewerben sich Frank Gellen (CDU), Udo Rosowski (SPD), der Landtagsabgeordnete Dietmar Brockes (FDP), Angelika Verkaar (Grüne) und Ralf Buchholz (unabhängig). Nach dem Tod von Reinhold Schulz wollen in Schwalmtal Michael Pesch (CDU), Dr. Hermann-Josef Welters (SPD) und Jürgen Heinen (Grüne) seine Nachfolge antreten.

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Um Mandate auf Kreis- und Gemeindebene bewerben sich neben CDU, SPD, Grünen, FDP, Die Linke, Piraten (nur im Kreis) und NPD Wählergemeinschaften: Im Kreis ist es die FW-KV, in Viersen FürVIE, in Nettetal WIN und ABN, in Brüggen AWB und UBW sowie in Niederkrüchten die CWG. Neu ist die AfD, die im Kreis und in Nettetal antritt.

Politisch prägt die CDU seit Jahrzehnten den Kreis Viersen. Aber nur noch in Schwalmtal hat sie im Westkreis die absolute Mehrheit. Im Kreistag entwickelte sich eine politische Symbiose mit CDU, SPD, FDP und Grünen. Ob die als G 8 bezeichnete Runde (je vier Partei- und Fraktionsvorsitzende) Bestand hat, bleibt abzuwarten. Die SPD verlor vor fünf Jahren zum Teil dramatisch an Wählern. FDP und Grüne verbuchten dagegen zum Teil satte zweistellige Ergebnisse. In Schwalmtal überflügelten die Grünen mit 20,2 Prozent die SPD (15,5). In Brüggen blieb die FDP (13,5) nur knapp hinter der SPD (13,9)

Die politische Welt im Kreis ist bunt. Die weitgehend bürgerlich-konservativ geprägten neuen und alten Wählergemeinschaften fanden vermehrt Zulauf. Hält der Trend an, wird es für alle Fraktionen in den neuen Gremien deutlich schwieriger, Mehrheiten zu finden und nachhaltig Politik zu gestalten.

Viele Bürger haben schon ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Einige berichteten, sie hätten sich zuvor in aller Ruhe im Internet angesehen, wer in ihrem Bezirk kandidiert. Ob diese die Wahlbeteiligung beeinflusst? Vor fünf Jahren stimmten nur noch 50,2 Prozent aller wahlberechtigten Bürger mit.

Besonders wichtig für den Grenzkreis und seine weitere Entwicklung ist die Zukunft Europas. Am Sonntag haben es die Bürger in der Hand, ihren Anteil daran zu leisten, das europäische Parlament als Volksvertretung zu stärken.

(RP)