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Schwalmtal: Jäger und BUND gegen neues Jagdgesetz

Schwalmtal : Jäger und BUND gegen neues Jagdgesetz

Dem Landesjagdverband geht die geplante Jagdgesetzänderung zu weit, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Land nicht weit genug. Vertreter beider Organisationen kritisierten bei einer Diskussion in Schwalmtal den Entwurf.

In einer Sache waren sie sich einig: Dass das Landesjagdgesetz so, wie es jetzt für Nordrhein-Westfalen im Entwurf vorliegt, nicht beschlossen werden darf. Warum nicht, das erläuterten Holger Sticht, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW, und Forstoberamtsrat Gerhard Thomas, Beisitzer im Präsidium des Landesjagdverbandes im Regierungsbezirk Düsseldorf, bei einer lebhaften Diskussion in der Gaststätte "Zur Schier". Den Jägern gehen die geplanten Änderungen des Landesjagdgesetzes zu weit, den Naturschützern im BUND gehen sie nicht weit genug. Als "viel zu lasch" bewertete Sticht daher den Gesetzesentwurf.

Eingeladen zur Diskussion hatten die Ortsverbände der FDP aus Brüggen, Niederkrüchten, Schwalmtal und Wegberg. Sie hatten ihren jagdpolitischen Sprecher im Landtag, Karlheinz Busen, hinzugebeten, um die Position der FDP zu verdeutlichen. Die Liberalen lehnen die neuen Verbote, die im Entwurf derzeit vorgesehen sind, ab und kritisieren, die rot-grüne Landesregierung wolle "unter dem ideologischen Deckmantel eines sogenannten, ökologischen Jagdgesetzes' massive Einschränkungen durchsetzen".

Der Landesjagdverband sehe keinen Handlungsbedarf an einer Änderung, erläuterte Gerhard Thomas vom Landesjagdverband. So, wie das Gesetz jetzt sei, habe es sich bewährt. Anpassungen habe es immer gegeben, und dem verschließe sich der Landesjagdverband auch nicht. Doch Änderungen müssten fachlich zu begründen sein, nicht ideologisch. Die jetzt diskutierte mögliche Gesetzesänderung habe nur ein Ziel: die Jagd so schnell wie möglich abzuschaffen.

Er sei kein Jagdgegner, betonte Holger Sticht vom BUND, doch in der Tat sei er dafür, dass im Jagdrecht viel geändert werde. Diese Änderungen, die er sich wünsche, seien aber nicht die, die nun im Entwurf vorlägen. Es sei ihm wichtig, dass man Tierschutzgesetz, Naturschutzgesetz und Jagdgesetz einander anpasse. Laut Tierschutzgesetz dürfen Tiere nur aus vernünftigem Grund getötet werden. Was aber ist solch ein vernünftiger Grund?

Sticht erläuterte, dass die Jagd als Nutzungsform möglich sei - also dann, wenn das Tier verwertet werde. Aus Sicht des BUND sei die Jagd aber falsch, wenn sie forst- oder landwirtschaftliche Zwecke erfülle - also wenn man jage, um eine Population einzuschränken, damit sie keine Schäden am Wald oder in der Landwirtschaft verursacht. Thomas hielt dagegen: Wer solle Schäden in der Land- und Forstwirtschaft verhindern, wenn nicht der Jäger? Der Jäger habe den Auftrag dazu, und Deutschland sei ein Industrieland, die Tierbestände regulierten sich nicht von selbst. Da müsse der Mensch eingreifen.

Der Argumentation folgend, dass ein Tier verwertet werden müsse, fügte Sticht an, es mache überhaupt keinen Sinn, Prädatoren (gemeint sind Raubtiere) zu bejagen. Jungfüchse etwa dürften nach dem Entwurf das ganze Jahr über bejagt werden. Das sei unnötig, man verwerte diese Tiere nicht: "Sie brauchen sie nicht zu schießen!" Auch die Ausrottung der Tollwut sei kein Argument für die Jagd auf Füchse, das gelinge durch Impfungen. Thomas hielt dagegen, brachte den Schutz der Bodenbrüter ins Spiel, die durch Prädatoren gefährdet seien, wohingegen Sticht argumentierte, die Raubtiere stellten kein ernsthaftes Problem für den Schutz etwa von Bekassine und Uferschnepfe dar. Die Bestände würden durch Ökofaktoren gesteuert, daher gebe es keinen Grund, Prädatoren zu bejagen.

Ob ein Jäger eine Katze schießen dürfe oder nicht, wurde ebenfalls kurz thematisiert. Während derzeit der Abschuss wildernder Katzen, die sich zu weit vom nächstgelegenen Haus entfernen, möglich ist, soll per Entwurf im neuen Gesetz das Erlegen von Katzen ganz verboten sein. Thomas erläuterte den Unterschied zwischen Katzen in Innenbezirken, jenen in Außenbezirken, die beispielsweise zu Bauernhöfen gehören, und jenen, die sich in der Natur reproduzierten und das Verhalten von Wildkatzen hätten. Sticht sagte, der Haustierabschuss bringe die Jägerschaft in Verruf und sei unnötig, denn der Singvogelbestand leide nicht unter den Katzen. Besser sei es, sich für die Kastration von Freigängerkatzen einzusetzen, und das tue der BUND.

So hörten die Besucher die Argumente beider Seiten. Wie Marco Mendorf, Vorsitzender der Schwalmtaler FDP, zu Beginn vorausgesagt hatte, gab es am Ende keine Einigung. Doch die Zuhörer dürften zumindest mit der Erkenntnis nach Hause gegangen sein, dass für eine Änderung des Jagdgesetzes noch viel Gesprächsbedarf besteht.

(RP)