1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Brüggen: Ist für Brüggen der Zug bereits abgefahren?

Brüggen : Ist für Brüggen der Zug bereits abgefahren?

Die Burggemeinde sucht nach Lösungen zur besseren Erreichbarkeit der Bahnhöfe im Kreis. Zudem ist immer noch die Frage offen, ob tatsächlich niemand in Brüggen Fahrkarten verkaufen möchte?

Die Situation des öffentlichen Personennahverkehrs in der Burggemeinde ist weiterhin alles andere als zufriedenstellend. Die SPD beantragte bereits Ende Februar, dass Lösungen für die bestehenden Probleme von der Verwaltung erarbeitet werden sollen. Dazu gehört die fehlende Anbindung an die Bahnhöfe Kaldenkirchen und Boisheim. Auch hat die SPD den Wunsch an die Wirtschaftsförderung gerichtet, nach Möglichkeiten zu suchen, eine Verkaufsstelle für Fahrkarten in Brüggen einzurichten.

In der Deutsche-Bahn-Agentur von Gabriele Seifert-Lieck, der die Bundesbahn zum Ende des vergangenen Jahres den bestehenden Präsenz-Agentur-Vertrag gekündigt hatte, wurden bisher unter anderem Tickets verkauft, die auch über das VRR-Gebiet hinausgehen. Gabriele Seifert-Lieck hat aufgrund der durch diese Kündigung zurückgestuften Provisionen für den Ticket-Verkauf ihrerseits diesen Service aufgegeben. Die Leiterin des Tui-Reisebüros in Brüggen habe vor allem durch sehr zeitintensive Beratungen letztendlich vergangenes Jahr kräftig "drauf gezahlt", sagt sie.

  • Karsten Hessler vom Grefrather Bioladen merkt
    Händler im Kreis Viersen bemerken Umsatzrückgang : Kunden sparen bei Bio-Produkten
  • Fortuna Diklraths Neuzugang Rene Jansen. ⇥Foto:
    Duell der Aufstiegsfavoriten in der Bezirksliga : Dilkrath mit Derbysieg gegen Brüggen
  • Union Nettetal bleibt auch im dritten
    Sieg gegen den TDV Velbert : Nettetals guter Lauf in der Oberliga hält an

Normale Bustickets kann man in den Bussen lösen oder in Bracht erwerben. Allerdings könne nur eine Bahnagentur Tickets zu jedem Ziel in Nordrhein-Westfalen verkaufen, so die Pressesprecherin des VRR. Außerdem können Fahrkarten auch im Internet geordert werden, was aber gerade für ältere Menschen immer noch ein unüberwindbares Hindernis darstellt - ebenso wie das Bedienen von Ticket-Automaten. Sie sind auch eine Beratung vor Ort angewiesen.

"Wir ziehen den Antrag nicht zurück, nur weil das Leader-Projekt nicht zum Ziel führt", erklärte Udo Rosowski (SPD) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung auf die Frage, ob der im Rahmen der Leader-Bewerbung gestellte Antrag noch aktuell sei. Dietmar Brockes (FDP) schlug vor, dass die Gemeinde sich an die Vertreter für die Nahverkehrsplanung wendet, um die Anliegen dort mit zu berücksichtigen.

"Richtig ist, dass wir nicht mit den Bussen direkt zum Bahnhof kommen. 2016 muss der Nahverkehrsplan fortgeschrieben werden. Da laufen aktuell Gespräche zu der Planung", erklärte Jürgen Offermanns (CDU). Er schlug zudem vor, Kontakt zu Studenten der Fontys Hogeschool zu suchen, die den Ist-Zustand in Brüggen ermitteln und Vorschläge entwickeln könnten, um diese dann in die Planungen einfließen zu lassen. Dies erfordert aber laut Brockes eine Koordination der zeitlichen Abläufe.

Die Burggemeinde hat zudem zum Fahrkarten-Problem bereits Gespräche geführt. "Bei der Bahn sind wir auf Granit gestoßen, und der VRR ist wenig kooperativ", so Guido Schmidt von der Wirtschaftsförderung der Gemeinde. Es sei intensiv Akquise für den Ticketverkauf in Brüggen betrieben worden, aber die Provisionsstruktur rechne sich nicht. Gabriele Seifert-Lieck habe mitgeteilt, dass der Bereich sehr beratungsintensiv sei. Die Überlegung, im Bürgerservice einen Fahrkartenverkauf anzubieten, käme darum nicht in Frage. "Es geht nicht, dass dann Bürger mit Anliegen zu den Kernthemen des Bürgerservices warten müssen, wenn dort eine Fahrkartenberatung durchgeführt wird", so Schmidt. Wenn jedoch die Politik den Auftrag geben würde, dann müsste man das machen. Thomas Schmidt (CDU) dazu: "Wir verkaufen doch auch keine Schuhe. Warum sollten wir Fahrkarten für ein Privatunternehmen verkaufen?" Der Ausschuss entwickelte den Beschlussvorschlag, dass die Verwaltung sich über den Zeitrahmen für Eingaben zur Nahverkehrsplanung informiert und dann zeitnahe Gespräche mit der Fontys Hochschule in Venlo aufnimmt, deren Studenten im Rahmen eines Projektes ein Konzept zur Busanbindung für die Gemeinde erarbeiten sollen, welches fristgerecht in die Nahverkehrsplanung eingebracht werden kann. Außerdem wurde die Verwaltung bei sechs Enthaltungen und einer Gegenstimme beauftragt, nach Möglichkeiten für einen Fahrkartenverkauf zu suchen.

(bigi)