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Interkommunales Schwimmbad für Brüggen und Niederkrüchten: Neues Bad könnte aufs Brimges-Gelände

Niederkrüchten : Ein Schwimmbad fürs Brimges-Gelände?

Entsteht aus den Ruinen der alten Ziegelei Brimges an der B221 ein interkommunales Freizeitbad? Diese Frage treibt die Gemeinden Brüggen und Niederkrüchten um. Der Eigentümer würde ihnen das Gelände kostenfrei überlassen

Dringend sanierungsbedürftig bis völlig marode – in diesem Spektrum bewegt sich der Zustand der vier Schwimmbäder, die die Gemeinden Brüggen und Niederkrüchten betreiben. Schon seit längerem beschäftigt die Bäderfrage die Kommunalpolitiker auf beiden Seiten der Schwalm. Verschiedene Szenarien stehen im Raum. Soll man alle Bäder sanieren und erhalten? Oder das eine kommunale Bad schließen und das andere ausbauen? Oder baut jede Gemeinde ein neues eigenes Bad?

Die weitreichendste Vision wäre ein interkommunales Bad, das Brüggen und Niederkrüchten gemeinsam bauen und betreiben. Ein Bad, das von der Größe und Attraktivität her mit den Spaßbädern in der Region konkurrieren könnte und auch touristisch ein Pfund wäre. In der Top-Ausstattung mit Sechs-Bahnen-Becken, Sprungturm, Lehrschwimmbecken, Nichtschwimmerbecken, Planschbecken, Rutsche, Cabrio-Dach, Liegewiese, Bistro und Sauna würde ein solches Freizeitbad rund 21,3 Millionen Euro kosten, rechnete ein Planungsbüro kürzlich im Brüggener Betriebsausschuss vor.

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Das sind Summen, die bei Kommunalpolitikern gerne mal Schnappatmung auslösen. Bedenkt man aber, dass Investitions- und Betriebskosten zwischen den beiden Nachbargemeinden geteilt würden und möglicherweise ein paar gut gefüllte Kellen aus Fördertöpfen des Landes in Aussicht stehen, verlieren solche Zahlen vielleicht etwas von ihrem Schrecken. Beide Bürgermeister, Frank Gellen (CDU) aus Brüggen und Kalle Wassong (parteilos) aus Niederkrüchten, haben jedenfalls von ihrem Gemeinderat den Auftrag erhalten, auf Verwaltungsebene Gespräche mit dem Nachbarn zu führen.

Was diese Gespräche erleichtern könnte, ist die Tatsache, dass die Standortfrage vielleicht das kleinste Problem ist: Das Gelände der früheren Ziegelei Brimges an der B221 ist in den Fokus gerückt. Das hat auch Jürgen Bultmann mitbekommen. Er ist Verwalter der Immobilie und Ehemann von Eigentümerin Urte Brimges-Bultmann, der Enkelin des letzten Ziegelei-Inhabers. Er ist begeistert, dass sich da zwei Nachbarn zusammentun könnten, um das Kirchturmdenken zu überwinden. Darum will Bultmann den Gemeinden das Brimges-Areal kostenfrei überlassen.

Das Gelände ist 52.000 Quadratmeter groß und voll erschlossen, sagt Bultmann. Und es liegt fast genau auf der Gemeindegrenze. Für die Gemeinden wäre es eine Möglichkeit, eine Industrieruine loszuwerden und eine riesige Brachfläche zu aktivieren. Denn seit die Ziegel-Produktion bei Brimges 1993 eingestellt wurde, verfallen die riesige Tunnelofenhalle und die Nebengebäude immer mehr. Das Gelände ist seit Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt.

An Ideen für eine Folgenutzung mangelte es in den vergangenen 25 Jahren nicht. Ein Saunapark, eine Oldtimer-Ausstellung, ein Lebensmittelmarkt, eine High-Tech-Schmiede für Leichtbauwerkstoffe oder ein „Pferde-Traumland“ waren im Gespräch. Alles scheiterte entweder an landesplanerischen Vorgaben oder am fehlenden Durchhaltevermögen der Investoren.

Nun also ein interkommunales Freizeitbad? Wassong hat sich schon frühzeitig für eine gemeinsame Lösung unter Nachbargemeinden positioniert. „Ich bin klar für ein interkommunales Bad mit Brüggen“, bekräftigte er jetzt noch einmal. Auch sein Amtskollege Gellen hegt Sympathie für ein solches Projekt: „Neben den bislang erkennbaren wirtschaftlichen Vorteilen hätte das auch touristisch einen Rieseneffekt.“ In den kommenden Wochen soll es weitere Gespräche auf Verwaltungsebene geben. Das letzte Wort hat die Politik. Die Räte entscheiden, wohin der Weg in der Bäderfrage führt. Bis zum Jahresende könnte Klarheit herrschen.

(jos)