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Stolpersteine Sieben Steine und ihre Geschichten

Schwalmtal · In Gedenken an verfolgte Juden aus Schwalmtal verlegte die Gemeinde mit Jugendlichen der Janusz-Korczak-Realschule sieben Stolpersteine in Waldniel. Sie erinnern an die Familien Cahn und Levy und ihr Schicksal.

 Ein Foto der Familie Cahn, aufgenommen um etwa 1930: In der Mitte sind Bernhard und Ida Cahn zu sehen, daneben die Kinder (v.li.) Helmut, Lene und Rudolf.

Ein Foto der Familie Cahn, aufgenommen um etwa 1930: In der Mitte sind Bernhard und Ida Cahn zu sehen, daneben die Kinder (v.li.) Helmut, Lene und Rudolf.

Foto: Familie Cahn

Bernhard Cahn wurde am 6. Juni 1874 in Waldniel geboren. Er war Viehhändler und aktives Mitglied im Turn- und Sportverein Waldniel. Mit seiner Frau Ida wohnte er erst an der Lange Straße, später zogen sie mit ihren Kindern Rudolf, Helmut und Lene an die Pumpenstraße. Neben Familie Levy von der Dülkener Straße waren sie die einzigen Juden in Waldniel. 1942 wurden beide Familien nach Theresienstadt deportiert.

„Nur Tochter Lene überlebte, sie wurde in Roermond 101 Jahre alt“, erzählt ein Realschüler. Er steht hinter zwei goldenen quadratischen Steinen, in denen die Namen Ida Cahn und Bernhard Cahn geprägt sind. Am Dienstagmorgen wurden sieben Stolpersteine von der Gemeinde Schwalmtal und der Janusz-Korczak-Realschule verlegt. Begonnen wurde an der Pumpenstraße 22, dem Zuhause der Familie Cahn.

Dass überhaupt Stolpersteine in Schwalmtal verlegt wurden, ist der Realschule zu verdanken. „An der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht 2017 kamen Schülerinnen auf die Idee, mehr über die Juden zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in unserer Gemeinde zu erfahren“, erzählt Lehrerin Annette Viegener. Im Dezember 2018 hat der Rat der Gemeinde Schwalmtal dann einstimmig dem Antrag der Janusz-Korczak-Realschule entsprochen, sieben Stolpersteine zu verlegen. „Das war bei uns im Rat überhaupt kein Diskussionspunkt. Unsere Politik hat sich selbstverständlich dafür ausgesprochen, die Erinnerungskultur wachzuhalten und an die Familien Cahn und Levy zu erinnern“, sagt Bürgermeister Michael Pesch (CDU) bei den Feierlichkeiten.

Durch Recherchearbeit der jetzigen Klasse 10e mit Lehrerin Annette Viegener konnten sieben Personen ermitteln werden, die im Zweiten Weltkrieg aus Schwalmtal in das Vernichtungslager Treblinka deportiert wurden. Im Religionsunterrichts durchwälzten die Schüler alte Adressbücher und besuchten das Archiv in Kempen, um Notizen von Zeitzeugen zu finden. „Neun Zehntklässler haben viel von ihrer privaten Zeit in das Projekt gesteckt“, sagt Viegener. Sie seien fasziniert und stolz gewesen, etwas erreicht zu haben, sagt die Lehrerin.

Die Realschule spendete auch zwei Steine – pro Familie einen. Denn ein Stolperstein kostet 120 Euro. Vier Steine wurden von den Parteien der Gemeinde Schwalmtal finanziert, einen Stein stiftete Peter Zöhren. Der ehemalige Lehrer Zöhren engagiert sich sehr für die Recherchearbeit und hat schon lange zu Alex Levy, der an der Dülkener Straße lebte, geforscht.

               Die Stolpersteine zum Gedenken an Bernhard und Ida Cahn sind auf der ­Pumpenstraße 22 in Waldniel  zu finden.   Foto: Julia Weise

Die Stolpersteine zum Gedenken an Bernhard und Ida Cahn sind auf der ­Pumpenstraße 22 in Waldniel zu finden. Foto: Julia Weise

Foto: Julia Weise

Bei jeder Stolpersteinverlegung lasen die Schüler Hintergründe über die dort betroffenen Personen vor und sangen Lieder, mit Gitarre und Violine begleitet. Die Steine verlegte Künstler Gunter Demnig. Er hat in mittlerweile 24 Ländern in Europa insgesamt 73.000 Stolpersteine verlegt. Jetzt also hinterließ er nicht nur sieben goldfarbene Steine in Waldniel, sondern auch sieben Geschichten, die an die Judenverfolgung im „Dritten Reich“ erinnern.

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