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In Niederkrüchten stimmt der Planungsausschuss dem Windpark in Elmpt zu

Erneuerbare Energien : Niederkrüchten stimmt Windpark in Elmpt zu

Einstimmiger Beschluss im Planungsausschuss: Jetzt muss nur noch der Rat das „Gemeindliche Einvernehmen“ bestätigen. Mit diesem Beschluss folgt der Ausschuss nicht der Petition des Naturschutzbundes „Keine Windkraft im Ziegenmelkerbrutgebiet“.

Johannes Wahlenberg, Vorsitzender der CDU-Fraktion, sieht Niederkrüchten auf dem „besten Weg in eine klimafreundliche Gemeinde“. Einstimmig hat sich der Planungs-, Verkehrs- und Umweltausschuss für das gemeindliche Einvernehmen bei der geplanten Errichtung von sieben Windenergieanlagen auf der Start- und Landebahn des ehemaligen RAF-Militärflughafens in Elmpt ausgesprochen, allerdings mit der zusätzlichen Bedingung eines schallreduzierten Nachtbetriebes. Mit diesem Beschluss folgt der Ausschuss nicht der Petition des Naturschutzbundes „Keine Windkraft im Ziegenmelkerbrutgebiet“. Ein Ornithologe, der im Auftrag des Projektentwicklers PNE die Situation vor Ort untersucht hat, überzeugte die Politiker, mit Ersatzflächen den Bestand retten zu können. Der einstimmige Beschluss des Planungsausschusses muss in der Sitzung des Gemeinderates am 24. Juni noch bestätigt werden.

Zusammen mit dem neuen Windpark aus vier Anlagen in Oberkrüchten und den geplanten sieben Windrädern in Elmpt wird Niederkrüchten mit breitem Abstand Spitzenreiter für Windenergie im Kreis Viersen sein. Fabian Frieler von PNE (Pure new energy) in Cuxhaven erläuerte im Ausschuss das Projekt für Windenergie und Photovoltaik für den Emergie- und Gewerbepark Elmpt (EGE). Die Anträge für den Windpark sind beim Kreis Viersen eingereicht.

Geplant sind sieben Windenergieanlagen des Typs SG 6.0-155, also Onshore-Windturbinen des Herstellers Siemens-Gamesa aus Zamudio bei Bilbao im Baskenland. Die 155 beziehen sich auf den Rotor-Durchmesser von 155 Metern. Die Nabenhöhe beträgt 165 Meter, mit dem Rotor wird eine Gesamthöhe von 242,5 Metern erreicht. Jede Anlage hat eine Nennleistung von 6,6 MW, die sieben zusammen also 46,2 Megawatt. Sechs Anlagen sollen direkt auf der bereits versiegelten ehemaligen Start- und Landebahn errichtet werden, dafür werden keine neuen Flächen bebaut. Die siebte und östlichste Anlage soll auf dem südlichen Taxiway (Zubringer zum Flugfeld) errichtet werden. Mit einer Nabenhöhe von 122,5 Metern bleibt er rund 40 Meter niedriger. Die geringere Höhe berücksichtigt die Streubebauung an der Straße Krummer Weg. Die beantragten Anlagen befinden sich in einer Vorrangzone für Windenergie aus dem Regionalplan Düsseldorf.

Da in dem Gebiet des ehemaligen Militärflughafens die geschützte Vogelart Ziegenmelker (Nachtschwalbe), ein Bodenbrüter und Zugvogel, vorkommt, sollen im südlichen Teil des Flughafens Ausgleichshabitate (offene Heidelandschaft) geschaffen werden. Diese Maßnahmen werden durch die untere Naturschutzbehörde des Kreises Viersen noch geprüft.

Ein weiteres Problem stellt der Schallschutz dar. Die Lärmemissionen, die durch die geplanten Anlagen entstehen, könnten als Vorbelastung die Lärmkontingente des geplanten Gewerbe- und Industriegebietes einschränken. Mit dem Betreiber kam man zum Ergebnis, die Anlagen nachts schallreduziert laufen zu lassen.

Eindrucksvoll waren die Vergleichszahlen zum Klimaschutz. Während die Braunkohle je produzierte Kilowattstunde Strom 880 bis 1230 Gramm CO2 ausstoße, seien es bei Photovoltaik 90 bis 160 Gramm und bei Windenergie nur 9 bis 16. Die gesamte Energiegewinnung auf der Fläche des EGE komme in der Herstellung der Technik auf einen CO2-Wert von 2280 bis 3560 Tonnen, für die gleiche Energiemenge würden mit Braunkohle 145.000 Tonnen CO2 entstehen. .

Um die Windräder nördlich und südlich herum werden Photovoltaik-Anlagen aufgestellt. Sie werden auf den Taxiwegen errichtet, Biotope sollen dadurch nicht beeinträchtigt werden. 50.000 Panele werden mit einer Neigung von 15 Prozent aufgestellt. Auf einer Fläche von 12,7 Hektar werden dann 16,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr erzielt.

Anja Degenhardt, Vorsitzende der Grünen-Fraktion, hatte da zwei Herzen in ihrer Brust. Einerseits finde sie erneuerbare Energie gut, andererseits sei ihr auch der Artenschutz seltener Vögel wichtig. Der Beschluss fiel einstimmig aus. Wenn PNE dem reduzierten Nachtbetrieb nicht zustimmt, kann die Gemeinde das Einvernehmen gegenüber der Genehmigungsbehörde Kreis noch verweigern.