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In Niederkrüchten kamen über 40 Bürger zur ersten Mahnwache am Freibad.

Bäderfrage in Niederkrüchten : Freibad-Freunde fordern Sanierung sofort

Am Donnerstag kamen über 40 Freibad-Freunde zur ersten Mahnwache vor das seit 2018 geschlossene Bad. Die Initiatoren wollen donnerstags weitere Mahnwachen in Niederkrüchten folgen lassen.

Unsere Bäder dürfen nicht baden gehen. Mit diesem Motto tritt der Förderverein Niederkrüchtener Bäder seit Jahren auf. Am Donnerstag startete er die erste Mahnwache vor dem Freibad, und über 40 Kinder und Erwachsene waren dem Aufruf gefolgt. Für kommenden Donnerstag ist die nächste Mahnwache geplant, dann sollen die Besucher Schwimmflügel und andere Badeutensilien mitbringen.

In den vergangenen zwei Jahren war es vor allem Dirk Zilz als DLRG-Trainer, der für die schnelle Wiedereröffnung des Freibades eintrat. Doch nachdem Zilz bei den Grünen eintrat und deren Bürgermeisterkandidat wurde, übernahm jetzt Wolfgang Pape, Vorsitzender des Fördervereins Niederkrüchtener Bäder, die Organisation der Mahnwache. Der Verein möchte weiterhin überparteilich sein, wenn auch die Präsenz der Grünen bei der Mahnwache nicht zu übersehen war.

In den Redebeiträgen aus dem Publikum kam immer wieder viel Frust zum Vorschein. Drei Jahre sei diskutiert worden, die Zeit sei dahin gegangen und nichts sei passiert. Und allen Beteiligten war klar, dass in den nächsten drei Monaten bis zur Kommunalwahl nichts beschlossen werde. Anders als die Mehrheit im Gemeinderat wollen die Freibad-Freunde eine schnelle, vorgezogene Sanierung, unabhängig von den Planungen für ein interkommunales Hallenbad der Gemeinden Niederkrüchten und Brüggen.

Im Mai hatte Dirk Zilz mit einem offenen Brief an die Rats-Parteien abgefragt, wie ihre Position in der Bäderfrage sei. Unterstützer der Freibad-Initiative waren in der Ratssitzung im Dezember dabei, als die Bäderfrage anstand. Bei der Mahnwache dagegen wurde der Eindruck erweckt, die Bevölkerung sei in Sachen Freibad nicht informiert worden.

Am 11. Dezember beschloss der Gemeinderat mit großer Mehrheit, die Verwaltung zu beauftragen, gemeinsam mit der Gemeinde Brüggen ein interkommunales Hallenbad mit einem maximalen jährlichen Zuschuss von einer Million (500.000 Euro je Kommune) an einem geeigneten Standort von einem Fachplaner prüfen zu lassen. Als Standort ist das Brimges-Gelände angedacht. Im Mai sollten dem Rat Zahlen vorgelegt werden. Durch einen Wechsel des Planers und durch die Corona-Krise konnte dieses Datum nicht eingehalten werden. Der Beschluss sieht auch die Gründung einer gemeinsamen Betreibergesellschaft vor, in die das zu sanierende Freibad Niederkrüchten organisatorisch eingebracht werden soll. Die Sanierung des Freibades Niederkrüchten am bisherigen Standort soll ohne finanzielle Beteiligung der Gemeinde Brüggen erfolgen. Im Haushalt 2020 stehen im Planungszeitraum bis 2023 annähernd acht Millionen Euro für eine Bäderinvestition bereit. In diesem Jahr fallen wohl lediglich Planungskosten an. Die Finanzierung der Bäderinvestition dürfte ab dem Haushaltsjahr 2021 erfolgen.

Für die Freibad-Unterstützer ist nicht verständlich, warum das Interkommunale Bad und die Sanierung des Freibades gekoppelt sein müssen. Einige befürchten sogar, dass entgegen allen Beteuerungen das Freibad nach der Kommunalwahl aus Kostengründen wieder aus den Planungen herausfällt. Die CDU argumentiert, dass die Sanierung des Freibads faktisch einem Neubau gleichkomme. Die Kosten der Sanierung werden auf 4,3 Millionen Euro geschätzt. Die Gemeinde könne mit dem Freibad ihre einzige Pflichtaufgabe im Bäderbereich – das Schulschwimmen – nicht erfüllen.

Die CDU glaubt, weitere Verhandlungen mit Brüggen über ein gemeinsames Hallenbad wären beendet, wenn Niederkrüchten in der Bäderfrage Fakten schaffen  würde. Auch die SPD will erst dann verantwortungsvoll entscheiden, wenn alle Kostenpläne für die Investition und den Betrieb sowie Finanzierungspläne auf dem Tisch liegen.