Viersen: In Dülken ist viel in Bewegung

Viersen : In Dülken ist viel in Bewegung

Dülkens Ortsbürgermeister Michael Aach sieht den Stadtteil im Aufwind. Viele Projekte wurden angestoßen und werden umgesetzt. Allerdings warnt er davor, dass sich die Verantwortlichen verzetteln. Wohnen in der Innenstadt müsse attraktiver werden.

"Dülken ist für mich Heimat", bekennt Michael Aach. Der 34 Jahre alte Ortsbürgermeister ist in dem Stadtteil tief verwurzelt. Seine Eltern führen seit vielen Jahren ein Einzelhandelsgeschäft in der Dülkener Innenstadt. Aach ist im Schützen- und Karnevalsbrauchtum engagiert. Der CDU-Ratsherr lebt privat an der Dülkener Nette.

Herr Aach, wie sehen Sie die derzeitige Entwicklung Dülkens?

Aach Auf einen kurzen Nenner gebracht: Es gibt viel Licht und ein bisschen Schatten. Die Problemlagen insbesondere in der Innenstadt sind erkannt. Stadtrat und Verwaltung kümmern sich mittlerweile intensiv um den Stadtteil. Das war sicherlich nicht immer so. Aber jetzt herrscht hier eine regelrechte Aufbruchstimmung. Dülken kann sich nicht beklagen, es wird sehr gut bedient.

Das war nicht immer so.

Aach Richtig. Es gab Jahre, da wurde bei Dülken-Konferenzen im Bürgerhaus viel über die Probleme und mögliche Lösungsansätze diskutiert, aber an die konkrete Umsetzung ging niemand so recht heran.

Und das hat bei den Dülkenern zu großer Frustration geführt.

Aach Das kann man so sagen. Es wurde halt viel versprochen und nur wenig umgesetzt.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Aach Mir fällt vor allem die Melcherstiege ein. Da gab es schon vor Jahren Überlegungen und bunte Pläne, wie das ehemalige Storch & Pfahl-Gelände umgestaltet werden kann. Vor etwa zwei Jahren habe ich selbst gemeinsam mit meinem Ratskollegen von der SPD und Stellvertreter, Heinz Plöckes, vollmundig verkündet, dass hier in Kürze der neue Busbahnhof gebaut wird. Und nichts geschah damals.

Aber jetzt wird er gebaut.

Aach Gott sei dank. Und auch für das Umfeld gibt es gute Pläne. Wir haben erst kürzlich im Planungsausschuss ein spezielles Investorenauswahlverfahren auf den Weg gebracht. Das ehemalige Bodewees-Gelände und die Querspange Lange Straße/Westwall stehen für eine neue Bebauung zur Verfügung.

Auch an anderer Stelle ist so einiges liegen geblieben, etwa beim geplanten Kreisverkehr an der Venloer Straße.

Aach Zugegeben, kein angenehmes Thema. Auch hier bemüht sich die Politik intensiv, die Angelegenheit ans Laufen zu bringen, aber konkrete Angaben, wann's losgeht, erfahren wir aus der Bauverwaltung leider nicht.

Und dennoch ist eine gewisse Aufbruchstimmung im Stadtteil spürbar. Woran machen Sie die fest?

Aach Es gab in den vergangenen Jahren nie so viele Baukräne in der Innenstadt wie heute. Und das Schöne ist, dass vieles in Privatinitiative gemacht wird. Das Engagement der Dülkener Entwicklungs-AG an der Schöffengasse, die Erweiterung der Volksbank-Zentrale am Neumarkt oder der Neubau des Dülkener Bauvereins auf dem früheren Alo-Gelände am Ostgraben sind für mich so etwas wie die Leuchtturm-Projekte. Ein anderes ist der Umbau und die Erweiterung des ehemaligen Polizeigebäudes. Die Renovierung vieler denkmalgeschützter Häuser wie das alte Amtsgericht oder das Mostertzhaus sind Beispiele für zukunftsweisende Sanierungen des Alt-Bestandes.

Wohnen in Dülken wird also auf breiter Front attraktiver?

Aach Das ist auch sehr wichtig. Wir haben in den vergangenen Jahren einige Neubaugebiete am Rand der Innenstadt ausgewiesen. Die Bereiche am Krankenhaus, Daniel-P.-Norman-Ring und Burgacker haben sich sehr gut entwickelt, aber in der Innenstadt selbst droht vielfach Leerstand. Nicht nur bei Ladenlokalen, auch bei Wohnungen. Da ist es wichtig, gegenzusteuern. Und die vielen Projekte, von denen ich einige genannt habe, sollen Signalwirkung haben.

Thema Einzelhandel. Es bleibt schwierig...

Aach ... schwierig, aber nicht hoffnungslos. Sicherlich kann der Einzelhandel nicht mehr das Zugpferd für die innerstädtische Entwicklung sein. Das ist kein spezifisches Problem, das nur Dülken hat. Das wird auch andere Zentren — auch Alt-Viersen — über kurz oder lang ereilen. Große Einkaufszentren im Umland ziehen Kaufkraft ab. Wenn erst einmal das neue Zentrum in Mönchengladbach fertig ist, wird es auch Kunden aus Dülken oder Viersen anlocken. Dülken hat aber durchaus Entwicklungschancen. Wir sollten den Handel für die Nahversorgung stärken. Daneben gibt es Nischenangebote, die dem Standort eine besondere Note verleihen.

Wie kann der örtliche Handel überleben?

Aach Indem wir, wie eben beschrieben, Wohnen in der Innenstadt attraktiver machen und damit auch den Bedarf für die Nahversorgung forcieren.

Im gesamtstädtischen Gefüge der Kreisstadt kommt Dülken seit Jahren die Rolle des gastronomischen und touristischen Schwerpunkts zu. Wie sehen Sie da die Entwicklung?

Aach Es gibt einige gute Ansätze, aber so richtig ist das noch nicht in Schwung gekommen. Auch hier ist mehr Eigeninitiative gefordert. Die Kneipenszene in der Innenstadt könnte vielfältiger sein, es fehlen mehr gute Speiserestaurants, die auch Touristen von außerhalb anziehen.

Welche Ecke der Innenstadt gefällt Ihnen derzeit besonders gut?

Aach Es gibt einige schöne Ecken in der City. Der Alte Markt hat sich gut entwickelt. Zu einem Schmuckkästchen ist die Moselstraße geworden. Der Branchenmix stimmt dort, und was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass wir die Familienbibliothek dort etabliert haben. Die Besucherzahlen zeigen, dass die Entscheidung richtig war, mit der Bücherei vom Alten Waisenhaus zur Moselstraße zu ziehen.

Wie sieht es mit dem Bildungsstandort Dülken aus?

Aach Die neue Bücherei habe ich bereits genannt. Was die Schulen betrifft, sind wir gut aufgestellt — vor allem mit zwei hervorragenden Gymnasien. Die drei Grundschulen sind auch für die Ganztagsbetreuung gut gerüstet. Die Ostschule ist ausgebaut und modernisiert worden. Allerdings zeigen die Anmeldezahlen, dass eine Hauptschule alter Prägung wohl nicht mehr so gefragt ist wie früher. Das müssen wir im Blick halten und über neue Strukturen nachdenken. Hier muss es ein Ziel sein, auch Realschüler an Dülken zu binden. Vielleicht ist das aktuell diskutierte Modell einer Sekundarschule eine Entwicklungschance für die Ostschule.

Wie sehen Sie die Entwicklung des neuen Dülken-Büros an der Lange Straße?

Aach Es war richtig, dass Stadt und Diakonie für das Gemeinwesenprojekt dort eine Anlaufstelle für die Dülkener geschaffen haben. Das Konzept ist grundsätzlich gut, die Umsetzung könnte besser sein. Das Dülken-Büro braucht einen Schub, um so erfolgreich zu sein wie das Stadtteilbüro in der Viersener Südstadt.

Was hat in jüngster Vergangenheit aus Ihrer Sicht noch dazu beigetragen, den Stadtteil Dülken zu stärken?

Aach Sehr erfreulich finde ich die Entwicklung im Ransbergbad. Da haben die Niederrheinwerke ganze Arbeit geleistet. Die Dülkener Vereine haben zudem ihre Standorte am Ransberg und Stadtgarten mit viel Eigeninitiative modernisiert. Auch das trägt zur Attraktivität des Stadtteils bei.

Das Gespräch mit Michael Aach führten die RP-Redakteure Andreas Reiners und Joachim Nießen.

(RP)