Berufskolleg Dülken: In der Höhle der Löwen

Berufskolleg Dülken: In der Höhle der Löwen

Schüler des Berufskollegs Dülken überlegten sich eine Geschäftsidee, erstellten Businesspläne – und präsentierten sie einer Fachjury. Ganz wie im TV-Format „Die Höhle der Löwen“

Die Scheinwerfer fehlen, auch die TV-Kameras, aber das macht nichts. Die Finger sind trotzdem schweißnass. Seit Wochen haben Denise Schweikart, Tanja Viethen, Timur Süslü, Michel Wanders und Lukas Fondermann auf diesen Moment hingearbeitet: ihre Geschäftsidee Experten zu präsentieren. Sie wollen „American’s“ gründen – ein Burger-Diner. Das Ladenlokal haben sich die fünf 20- bis 28-Jährigen ausgesucht („nahegelegen an der Gladbacher Fußgängerzone“), sich über die Rechtsform Gedanken gemacht („eine GmbH, weil dabei die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft begrenzt ist“) und eine Umsatzplanung aufgestellt („täglich 150 Gäste, Durchschnittsverzehr von etwa 30 Euro – macht 4500 Euro Bruttoumsatz am Tag“).

Die fünf Schüler des Berufskollegs Dülken stehen nicht in einem Fernsehstudio, sondern in einem Klassenzimmer. Aber wie in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ sitzen ihnen Experten gegenüber. Die blättern in den Unterlagen. Und wollen überzeugt werden.

Die Gruppe vorher, die einen Beauty-Salon aufmachen wollte, versuchte, die vier Anzugträger mit Kosmetik-Gutscheinen zu becircen. Netter Versuch. Geholfen hat’s wenig. Die Experten sind nicht bestechlich. Sebastian Kremer arbeitet in der Gewerbekundenabteilung der Sparkasse Krefeld, ist für Kreditvergaben zuständig. Neben ihm sitzt Bert Mangels, Existenzgründungsberater der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein. Daneben Viersens Wirtschaftsförderer Thomas Küppers. Und der Unternehmensberater und Diplom-Kaufmann Karl-Heinz Erkens. Insgeheim, das merkt man ihnen an, gefällt ihnen die Truppe da vor ihnen, die sich einen ganzen Tag vor den Standort ihres möglichen Ladenlokals gestellt hat, um Passanten zu zählen und so ein Gefühl für die Kundenfrequenz zu bekommen („Von 9 bis 10 Uhr kamen 547 Personen vorbei, von 12 bis
13 Uhr 672.“) Aber fürs Nett-sein sind die Experten nicht gekommen. Sparkassenmann Kremer findet es zwar durchdacht, dass die Berufsschüler nicht persönlich haften wollen, aber so werde das nichts mit dem Kredit. „Eine Bank wird Sie immer privat mit in die Haftung nehmen.“ Außerdem: „Ich kenne die Örtlichkeit, daneben ist eine Tanzschule. Da ist abends der Parkplatz immer voll – das ist schlecht fürs Geschäft, wenn die Kunden keinen Parkplatz finden.“ Aber vielleicht könne man mit der Tanzschule kooperieren, Synergien nutzen, rät er. Mangels überzeugen die Zahlen nicht. „30 Euro sollen im Durchschnitt verzehrt werden. Bis ich in einem American Diner so viel verfuttert habe, ist mir schon schlecht.“ Erkens will wissen: „Sollen alle Gesellschafter sein?“ Gute Frage, sagen die Mienen der fünf Schüler.

Die Jury: Sebastian Kremer, Bert Mangels,
Die Jury: Sebastian Kremer, Bert Mangels, Thomas Küppers und Karl-Heinz Erkens. Foto: Röse
  • Fotos : Vierte Folge der "Höhle der Löwen" 2017

Die Audienz der Experten ist vorbei. Die fünf Berufsschüler scheinen ein bisschen geschrumpft. Timur Süslü will noch etwas sagen. „Danke, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben!“ Dann kommt die nächste Gruppe rein. Ihre Geschäfts-Idee: einen Edeka-Markt in der Viersener Innenstadt zu betreiben.

Manuela Hinsen, Klassenlehrerin Einzelhandel, hatte die Idee zu dem ungewöhnlichen Format. „,Ich persönlich gucke ,Höhle der Löwen’ gar nicht“, berichtet sie. „Aber mir geht es darum, dass die Schüler den Perspektivwechsel hinbekommen, vom Angestellten zum Unternehmer. Da macht es dieses Expertenformat greifbarer.“ Um die Experten haben sich die Schüler selbst gekümmert. Wirtschaftsförderer Thomas Küppers ist gerne gekommen. „Das Team war prima, hat sich gute Gedanken gemacht – zum Beispiel haben sich die fünf gegenseitig vorgestellt.“ Das spreche für den Teamgeist.

Danach, draußen vor der Schule. Auch erholen tun die Fünf gemeinsam. „Am Anfang haben wir nur die Arbeit für die Schule gesehen“, sagt Timur Süslü, „aber das hat Spaß gemacht. Jetzt haben wir alle Bock, was zu gründen.“