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Immer mehr Kirchenaustritte in Viersen und Nettetal - wie die Gemeinden den Trend stoppen wollen

Kreis Viersen : Wie die Gemeinden den Trend stoppen wollen

Die Zahlen der Kirchenaustritte sind bei den evangelischen Kirchengemeinden nicht so hoch wie bei der römisch-katholischen Kirche. Von den 700 Christen, die 2019 im Amtsgericht Viersen ihren Austritt aus der Kirche erklärten, waren 170 evangelischer Konfession.

Damit sind 2019 mehr ausgetreten als im Jahr 2018 (148). Das Amtsgericht Nettetal konnte die Konfessionen nicht differenzieren. Im Bereich Nettetal traten 369 Christen im Jahr 2019 aus der Kirche aus.

Dem evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen attestiert die neugewählte Superintendentin Barbara Schwahn bei der Synode am 9. November in Viersen eine Aufbruchstimmung: „Im Vordergrund der Synode standen die gute Stimmung und die Energie, Neues anzugehen.“ Auf den Abwärtstrend in den Gemeinden, hauptsächlich eine Folge der Säkularisierung, hätten die Presbyterien der selbstverantwortlichen Kirchengemeinden längst reagiert. Da wurden die Ärmel hochgekrempelt, und vielfach die Pfarrer ausgeguckt, den Trend aufzuhalten, weil sie doch immer „bei den Menschen sind.“

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Aber es wurde schnell klar, dass diese Aufgabe nicht die Pfarrer alleine meistern könnten. Dieser Trend ist in der evangelischen Kirche überwunden. Superintendentin Barbara Schwahn setzt auf keinen Aktionismus. Der demographische Wandel und die Säkularisierung der Gesellschaft ließen sich nicht einfach umkehren. Aber in diakonisch orientierten Gemeinden könne man die Kontakte zu den Menschen, „die bei uns sind“, intensivieren. Sprich bei Taufgesprächen oder in der Familienhilfe müsse gezeigt werden, wie Glauben ansteckend sein könne. Auch auf andere Lebensgewohnheiten müsse die Kirche reagieren. Viele nutzten den Sonntagmorgen lieber zum Ausschlafen oder gemütlichen Familienfrühstück, statt zum Gottesdienst zu gehen. Gerade viele junge Menschen kämen auch mit den tradierten Gottesdienstformaten samt Liturgie und Liedern nicht mehr klar.

Auf diese geänderten Gewohnheiten haben viele Kirchengemeinden reagiert, wie Bettina Furchheim, Pressereferentin des Kirchenkreises, anmerkt. Es gebe viele neue Angebote an Abendgottesdiensten, oder neue Formate wie die „blaue Stunde“ für Gespräche in St. Hubert, „30 Minuten“ in Lank oder Meditationen in der Viersener Kreuzkirche.

Bericht: Immer mehr treten aus der Kirche aus