Im Bahnhof Viersen sind großformatige Kunstwerke installiert worden

Kunst in Viersen : In Viersens Bahnhof hängt jetzt Kunst

Über den Köpfen der Reisenden sind im Fußgängertunnel großformatige Kunstwerke installiert. Die Idee dazu hatte der Viersener Künstler Emil Schult. Auch in Süchteln und Dülken möchte er den öffentlichen Raum verschönern.

Jeden Tag huschen Reisende durch die Bahnhofshalle in Viersen. Sie betreten den Tunnel, von dem aus es zu den Gleisen hoch geht – und so manch einer von ihnen bemerkt leicht angeekelt, dass da weiße Farbe von den Wänden blättert, sie mit diversen Graffiti-Schriftzügen behaftet sind, der Boden auch schon mal gepflegter aussah. Ab sofort gibt es in dem Tunnel aber etwas, das davon ablenkt: Kunst. Mehrere Meter breit, hinter Plexiglas, an flachen Deckenvorsprüngen befestigt. „Weltkunst in Viersen“ – so bezeichnet Werner Lübberink, Bevollmächtigter der Deutschen Bahn in NRW, die Installationen. Die Idee dazu hatte der Viersener Künstler Emil Schult.

Seit zwei Jahren beschäftige ihn dieses Projekt nun schon, erzählt Schult. Es ist Mittwochvormittag, der Künstler ist in den Bahnhof gekommen, um über sein Werk zu sprechen. Auch Lübberink, Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) und der SPD-Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner sind da, schließlich hat Schult seine Idee nicht alleine umgesetzt. Er kontaktierte vor zwei Jahren die Bürgermeisterin und erzählte ihr von seinen Plänen. Schiefner, der als Bundestagsabgeordneter dem Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur angehört, erfuhr davon und sprach Lübberink an. „Diese beiden haben als Impulsgeber etwas ganz besonderes geschafft: Dass wir diesen Bahnhof verschönern können“, sagt Anemüller – denn die Bahn als Eigentümer des Tunnels trägt die Kosten in Höhe von 40.000 Euro. „Wir haben Manpower dazu gegeben“, ergänzt die Bürgermeisterin.

Die Künstler Norman Schüler, Emil Schult und Jerome Stöhr mit Bürgermeisterin Sabine Anemüller, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Udo Schiefner und Werner Lübberink von der Deutschen Bahn (v.l.). Foto: Nadine Fischer

Zwei Wochen habe es gedauert, bis die Kunst fertig installiert war, sagt Schult. „Es geht darum, dass die Bürger sich im Bahnhof wohlfühlen. Wir haben für wenig Geld gearbeitet, aber das ist in Ordnung: Wir haben es mit Liebe getan.“ Er selbst hat zwei Hinterglasmalereien beigesteuert: eine Nierslandschaft sowie eine Arbeit, die Wahrzeichen der Stadt zeigt. Dafür habe er bewusst goldene Farbe verwendet, „weil der Mensch seit Urzeiten Respekt vor Gold hat, Gold ist ein Symbol für Beständigkeit“. Schult hofft, dass auch die Kunstwerke im Bahnhof überdauern, nicht zerstört oder beschmiert werden.

Schult war Schüler von Joseph Beuys und Gerhard Richter, in dem Tunnel hängt eine Arbeit einer Schülerin von Jörg Immendorff – für Lübberink gute Gründe, um von neuer „Weltkunst“ in Viersen zu sprechen. Die Immendorff-Schülerin Sala Lieber aus Neuss sei „in der Zeit stehen geblieben, in Barock und Rokoko“, erläutert Schult. Sie steuerte als Motiv für den hinteren Eingang des Tunnels ein geöffnetes schmiedeeisernes Tor bei, das auf eine Allee führt. Die Künstler Isabel und Daniel Schubert aus Venekoten haben als Motiv die Mispelblüte gewählt, wie die Niers und die Wahrzeichen der Stadt repräsentiert sie Viersen als Heimat.

Die beiden Astronauten im Weltraum des Düsseldorfer Künstlerbüros „KunstRaub“ weisen in die Ferne, in die Zukunft: „Wir haben jetzt einen Space-Bahnhof“, sagt Schult. Hinter dem Werk stecken die Künstler Jerome Stöhr und Norman Schüler, die ein Jahr lang bei Schult in Viersen gearbeitet haben. „Wir wollen demnächst auch in Süchteln und Dülken was machen, aber was genau, wird noch nicht verraten“, erzählt Schult. Es solle der Versuch sein, den öffentlichen Raum zu modernisieren. Auch für den Bahnhof hat Schult noch Ideen. Eine wird er wohl demnächst umsetzen können: Lübberink hat ihm zugesagt, dass links und rechts neben der Arbeit von Künstlerin Lieber zwei weitere aufgehängt werden können. Eine zeigt die Viersener Festhalle, die andere Schloss Neersen.

Mehr von RP ONLINE