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Nettetal/Venlo: Holland stoppt Drogentourismus

Nettetal/Venlo : Holland stoppt Drogentourismus

Ab dem 1. Mai dürfen Ausländer in den niederländischen Grenzregionen keine Cannabisprodukte mehr kaufen. Mit der Regelung soll vor allem verhindert werden, dass Deutsche weiterhin zum Kiffen ins Nachbarland fahren.

Der etwa drei Kilometer lange Tegelse Weg führt von Kaldenkirchen an Bahngleisen und Vorgärten entlang zu den sogenannten Coffeeshops in Venlo. Die Polizei nennt den deutsch-niederländischen Grenzübergang auch "Drogenpfad". "Besonders Jugendliche nutzen ihn, um im Nachbarland Cannabis zu kaufen", sagt ein Polizeisprecher.

In den nächsten Wochen will die Polizei die ohnehin schon strengen Kontrollen auf dem Pfad noch weiter verschärfen. Denn die Behörde erwartet eine Zunahme des Drogentourismus. Hintergrund ist ein neues Gesetz in den Niederlanden, das besagt, dass Ausländer ab dem 1. Mai in den Grenzgebieten keine Drogen mehr kaufen dürfen. "Deswegen werden sich die Konsumenten vorher noch mit Vorräten eindecken", sagt ein Polizeisprecher. Die Coffeeshops in den Provinzen Zeeland, Nord-Brabant und Limburg dürfen ihre Cannabisprodukte mit Beginn des nächsten Monats nur noch an Menschen verkaufen, die ihren Wohnsitz in den Niederlanden haben.

Die niederländische Regierung will mit dem Verkaufsverbot an Deutsche den Drogentourismus eindämmen. Nach dem Beschluss der Regierung in Den Haag werden die Coffeeshops ab dem 1. Mai in Vereine umgewandelt, in denen nur Mitglieder mit einem Ausweis, dem so genannten Hanfpass, bis zu fünf Gramm Canabisprodukte am Tag kaufen dürfen. "Bei der Beantragung eines Mitgliedsausweises muss der Wohnsitz innerhalb der Niederlande mit einem amtlichen Schreiben nachgewiesen werden", sagt ein Polizeisprecher. Im übrigen Teil der Niederlande soll die neue Regelung erst ab 2013 gelten.

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Nettetals Bürgermeister Christian Wagner begrüßt die Gesetzesänderung im Nachbarland. So werde dem Drogentourismus ein Ende gesetzt und die Kriminalität eingedämmt. Die Anwohner der niederrheinischen Grenzstadt klagen seit Jahren über die Konsumenten, die oft randalierend durch die Stadt ziehen, wenn sie vom Kiffen aus Venlo zurückkehren. Auch handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen Drogenabhängigen und Anliegern habe es mehrmals gegeben. "Einige urinieren in Vorgärten, hinterlassen Müll, und manchmal kommt es zu Raubstraftaten", sagt ein Polizeisprecher.

Venlos Bürgermeister Hubert Bruls von der konservativen CDA sieht kurz vor seinem Wechsel nach Nijmegen am 21. Mai eines seiner langjährigen Ziele erfüllt: "Wir wollen keine deutschen Drogen-Touristen, deshalb bin ich über die in Den Haag beschlossene Regelung eigentlich froh." Ungetrübt sei diese Freude allerdings nicht. "Wir fürchten, dass der illegale Straßenhandel wieder aufleben könnte." Das allerdings wäre fatal. Im Jahr 2000 startete Venlo das Projekt "Hektor", um den Drogensumpf in der Innenstadt trockenzulegen. Tatsächlich bewirkte das Auftreten von Polizei und Ordnungsamt, dass zumindest nach außen hin Dealer und deren Kunden nicht mehr das Stadtbild bestimmten. Teil dieses Projektes war auch die Verlagerung von drei der fünf Coffeeshops an die deutsch-niederländische Grenze, um deutsche Drogentouristen aus der Innenstadt fernzuhalten. Die Niederländer investierten gewaltige Summen in die Sanierung der City einschließlich Ausbau des Maas-Boulvards. Zudem beherbergt die Stadt in diesem Jahr die Welt-Blumen-Expo "Floriade", zu der Millionen Besucher erwartet werden. Kiffende Deutsche in den Straßen könnten da ziemlich stören.

Deshalb hat Bruls in Den Haag die Zusage ausgehandelt, dass die örtliche Polizei ab 1. Mai elf zusätzliche Beamte zur Überwachung der Coffeeshops und der Eindämmung des Drogenhandels einsetzen kann. Zudem müsse man damit rechnen, dass zumindest anfangs deutsche Drogenkäufer nach Venlo reisten, die noch nichts von dem neuen Gesetz wissen. Um dem vorzubeugen, will Venlo demnächst in Deutschland in Anzeigen auf die neue Gesetzeslage hinweisen.

Bruls hofft nun, dass die Drogenlieferanten dahin gehen, wo ihre Kunden sind: "Warum sollten die Konsumenten nach Venlo fahren, wenn sie sich auch in Düsseldorf, Krefeld oder Mönchengladbach eindecken können?"

Beim Hauptzollamt in Aachen rechnet man nicht damit, dass die neue Regelung den Drogentourismus eindämmt. "Der Bedarf an Cannabis bleibt ja weiterhin bestehen. Das Problem wird sich auf den Schwarzmarkt verlagern", sagt eine Sprecherin.

(RP/ila/rm/top)