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Viersen: Hochsprungmeeting sucht Stadion

Viersen : Hochsprungmeeting sucht Stadion

Weil die Stadt die Sportanlage Löh schließen möchte, fehlt dem internationalen Hochsprungmeeting ab 2014 der Austragungsort. Den Vorschlag der Verwaltung, an den Hohen Busch auszuweichen, lehnen die Veranstalter ab.

Den 1. September 2013 hat sich Detlef Vieth dick im Kalender markiert. Dann steigt an der Sportanlage Löh das 19. internationale Hochsprungmeeting, eine weit über Viersen hinaus bekannte Veranstaltung mit hochkarätigen Sportlern und zum Teil mehr als 1000 Zuschauern. Danach aber steht der Förderverein des Meetings, dessen Chef Vieth ist, nach jetzigem Stand ohne Stadion dar; wo es eine 20. Auflage geben soll, steht in den Sternen. Der Grund: Die Sportanlage Löh, die vor allem von der LG Viersen, dem Erasmus-Gymnasium und dem Hochsprungmeeting genutzt wird, steht auf der Streichliste der Stadtverwaltung. Das geht aus den ersten Gesprächen zwischen Verwaltung und Sportvereinen hervor, an deren Ende ein Sportstättenentwicklungskonzept stehen soll. Derzeit sind neben der Sportanlage Löh auch Plätze an der Krefelder Straße und im Rahser von der Schließung bedroht.

Mit dem Konzept will die Stadt Geld sparen, aber auch auf die sinkenden Mitgliederzahlen vor allem in Fußballvereinen reagieren. Doch nicht überall treffen die Vorstellungen der Verwaltung auf Gegenliebe. Zwar stellte der zuständige Dezernent Dr. Paul Schrömbges in den Gesprächen mit den Vereinen viel Wohlwollen fest, wie er im Sportausschuss erklärte: "Neben dem sportiven ist auch das bürgerschaftliche Interesse deutlich spürbar." So sind der SC Viersen Rahser und der Deutsch-Türkische Freundschaftsverein, die die marode Anlage an der Krefelder Straße nutzen, bereit, an den Hohen Busch zu wechseln.

Doch dem Vorschlag der Stadt, auch das Hochsprungmeeting könne an den Hohen Busch ausweichen, erteilen die Sportler eine Absage. "Der benötigte Anlauf ist zu kurz, und ein Anlauf über die Tennenlaufbahn ist im Hochleistungssport nicht vertretbar und für den Wettkampfsport unzulässig", fasste die Stadt die Einwände der LG Viersen zusammen. Meeting-Chef Detlef Vieth mahnt: "Dort finden wir keine internationale Wettkampfbedingungen vor." Und Walter Sprotte, Leichtathletik-Wart des Stadtsportverbandes, wird deutlicher: "Das Stadion am Hohen Busch ist vollkommen ungeeignet. Außerdem braucht das Meeting die enge Atmosphäre der Sportanlage Löh. Wenn das Highlight wegfällt, sind wir tiefste Provinz."

Aufgeben wollen die Leichtathleten allerdings nicht. "Wir sind enttäuscht, wollen jetzt aber eine neue Stätte finden", sagt Vieth, der Vorsitzende des Fördervereins Hochsprungmeeting. Das ist aber nicht so einfach: Die Anforderungen müssen internationalen Standards genügen (Kunststoffbahn statt Asche wie am Hohen Busch), Umkleiden, Strom, Wasser, Zufahrten, Parkmöglichkeiten, und selbst Kleinigkeiten wie die Himmelsrichtung der Anlage und denkbare Windrichtungen sind wichtig. "Da gibt es eine ganze Menge zu prüfen", sagt Vieth. Und nicht zuletzt ist die Atmosphäre am bisherigen Schauplatz eine ganz besondere. "Man braucht den engen, intimen Rahmen. Im Löh spürt man den engen Kontakt zum Athleten, es gibt nichts Besseres in Viersen", ist Leichtathletik-Wart Walter Sprotte überzeugt.

Versuchen will es der Förderverein dennoch, Anfang des Jahres soll die Suche nach einem neuen Austrangsungsort losgehen. Egal, wo es hingeht: Der Aufwand, das Hochsprungmeeting an neuem Ort zu etablieren, wird groß sein.

(RP/ac)