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Schwalmtal: Hier trifft sich das ganze Dorf

Schwalmtal : Hier trifft sich das ganze Dorf

Die Gaststätte Wassenberg, das Lokal der Vogelsrather, besteht seit 100 Jahren. Die Theke steht damals wie heute an gleicher Stelle. Die Wirtschaft wird in der dritten Generation von Christa und Heinz Wassenberg geführt.

"Wir haben nachgerechnet und sind auf dieses Alter gekommen", sagt der jetzige Wirt Heinz Wassenberg. Konrad Wassenberg war 1910 in die Familie Boden eingeheiratet. Später über-nahm sein Sohn Lorenz den Schankbetrieb. "Wie das früher so war, wurde neben der Landwirtschaft eine Gaststätte betrieben", erzählt Heinz Wassenberg: "Anfangs hatte ich meiner Mutter Anna, die als Wirtin den Schankbetrieb am Laufen hielt, geholfen." Er kann sich noch gut daran erinnern: "Ein Bier kostete ganz früher 35 Pfennig und drei Biere eine Mark. Heute gibt es ein Frischgezapftes 0,2-Liter-Glas für 1,20 Euro."

Früher mit Schreibwaren

Es war immer die Kneipe der Vogelsrather. "Freitags und samstags war die Wirtschaft gerappelt voll, was heute nicht mehr der Fall ist – höchstens bei einem besonderen Fest im Dorf", schildert der 63-Jährige. "Früher gehörte zur Wirtschaft noch ein Schreibwarengeschäft. Da kamen sogar die Waldnieler hier einkaufen. Bei ihnen gab's zu dieser Zeit einen solchen Laden nicht", weiß er. Die Gaststätte Wassenberg hatte schon ganz früh einen Fernseher. Die Männer kamen besonders am Mittwoch. Da wurden in der Regel die Fußball-Länderspiele übertragen. Sonntags lief der Mehrteiler "Soweit die Füße tragen...".

In der Gaststätte Wassenberg sind die St-Josef-Bruderschaft, der Männergesangsverein Blütenkranz, der rund ums Lokal sein jährliches Sommerfest ausrichtet, die St.-Josef-Jungschützen, der St.- Martinsverein und die Landfrauen von Amern St. Georg zu Hause – und die "Wilddiebe", Sie treffen sich jedes Jahr immer noch zu einer Fahrradtour. Sie kamen früher bei Wassenberg zusammen, wenn einer von ihnen einen Hasen überfahren hatte. Der wurde dort zubereitet und gemeinsam verspeist.

Als den Jungschützen 1992 das Vereinsheim abbrannte, wurde bei Wassenberg der Saal angebaut und mit einem mobilen Schießstand ausgestattet. Dieser Raum für 100 Personen steht seither für Feierlichkeiten aller Art zur Verfügung, ob runde Geburtstage, Jubiläen, Kinderkommunion oder Hochzeit. "Es wird ganz nach Wunsch der Gäste gekocht. Wir sorgen dafür, dass es in unserem Hause für die Leute ein schönes Fest wird", versichert Küchenchefin und Ökotrophologin Christa Wassenberg. Auch der Partyservice kommt gut an. "Wir haben in dieser Zeit viel investieren müssen", sagen die Wirtsleute. "Und die Nachbarn zeigen viel Geduld mit uns."

Heute gehört zur Kneipe ein separater Schießstand, wo einst der Kuhstall war. Vor dem Gasthaus auf der anderen Seite liegt ein Bolzplatz für die Kinder des Dorfes. "Der wird jede Woche geschnitten", sagt der Wirt. Die Gaststätte ist Dreh- und Angelpunkt für Jugendliche, die jeden Donnerstag ab 19 Uhr schießen kommen und ab dem zwölften Lebensjahr schon ein alkoholfreies Getränk bestellen. "Die jungen Gäste kommen schon aus der dritten Generation hierher", meint Heinz Wassenberg. Er selber hält das Lokal ebenfalls in dritter Generation.

(RP)