Viersen: Hier finden Eltern ein offenes Ohr

Viersen: Hier finden Eltern ein offenes Ohr

Beim Elterntelefon können Mütter und Väter anonym über Sorgen und Nöte bei der Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder sprechen. Auch der Kinderschutzbund Viersen bietet ab Mai den kostenfreien Service an

Das Elternsein ist nicht immer einfach. Das weiß auch Birgitta Föhr vom Teamvorstand des Kinderschutzbundes Viersen. Von der frühkindlichen Erziehung über Konflikte während der Pubertät bis hin zu Streitigkeiten zwischen Mutter und Vater gibt es viele Schwierigkeiten zu überwinden. Auch das Internet bringt neue Probleme mit sich: Eltern klagen darüber, dass ihr Kind ununterbrochen auf das Smartphone starrt oder über ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn es Opfer von Cybermobbing wird. Wer in solchen Situationen nicht mehr weiterweiß, findet Rat beim Elterntelefon, das ab dem 1. Mai auch vom Kinderschutzbund Viersen angeboten wird.

Bekannt ist die Organisation Nummer gegen Kummer, die Mitglied im Deutschen Kinderschutzbund ist, besonders für ihr Kinder- und Jugendtelefon. Dabei beraten Mitarbeiter die jüngeren Anrufer zum Beispiel bei Streit mit Mitschülern oder Freunden. Aber auch Eltern haben oft Probleme, bei denen sie nicht weiterwissen. In solchen Fällen helfen die Mitarbeiter des Elterntelefons, das ebenfalls zu dem Angebot der Nummer gegen Kummer gehört. Seit mehr als 15 Jahren bietet es an mittlerweile rund 40 Standorten Eltern ein offenes Ohr. Anrufer haben die Möglichkeit, unter einer bundesweit einheitlichen und kostenlosen Nummer anonym über Sorgen und Nöte bei der Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder zu sprechen. Dafür stehen ihnen rund 900 ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfügung, die speziell für Krisengespräche geschult werden. Anrufer werden deutschlandweit an das nächste freie Telefon weitergeleitet, sodass es durchaus möglich ist, dass zum Beispiel ein Viersener mit einem Berater in Bayern telefoniert.

Bald ist das Elterntelefon auch in Viersen mit 13 ehrenamtlichen Mitarbeitern vertreten. "Im Januar haben viele neue Berater ihre Ausbildung abgeschlossen. Jetzt haben wir so viele neue Ehrenamtler, dass wir noch offene Kapazitäten haben. Deshalb sind wir froh, bald auch in Viersen das Elterntelefon anbieten zu können", teilt Föhr mit und betont: "In unserer Beratungsarbeit steckt viel Herzblut."

Durch ihre Ausbildung haben die Berater fundiertes Wissen, um Eltern Tipps zu geben oder an entsprechende Einrichtungen weiterzuleiten, wo die Anrufer weitere Unterstützung bekommen. "Wir wollen vor allem Hilfe zur Selbsthilfe geben", sagt Föhr.

Damit hat der Kinderschutzbund Viersen neben der E-Mail-Beratung und dem Kinder- und Jugendtelefon, das schon seit vielen Jahren in Viersen angeboten wird, noch ein drittes Standbein. "An den anderen Standorten läuft das Elterntelefon schon sehr gut", berichtet Föhr. Das bestätigen auch die Statistiken der Organisation Nummer gegen Kummer: Die Berater nahmen im Jahr 2016 bundesweit rund 18.000 Anrufe entgegen. Bei dem Kinder- und Jugendtelefon waren es sogar mehr als 400.000 Anrufe.

Besonders viel Wert legt die Organisation darauf, dass sowohl Anrufer als auch Berater anonym bleiben. "Die Angebote der Nummer gegen Kummer werden von vielen Anrufern als gute Möglichkeit für eine anonyme Beratung gesehen. Betroffene wollen ihre Probleme nicht immer mit Personen teilen, zu denen sie eine persönliche Beziehung haben", erklärt Föhr.

(RP)