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Viersen: Hespers – eine Viersener Familiengeschichte

Viersen : Hespers – eine Viersener Familiengeschichte

"Wenn ich das jetzt nicht schreibe, dann nie mehr!" Und so setzte sich der 81-jährige Dietrich Hespers vor drei Monaten hin, um die Geschichte seiner Familie aufzuschreiben. Befreundet mit der Familie des Jazzmusikers Ali Haurand, hörte er dort vor vielen Jahren: "Hespers sind eine alte Viersener Familie, die schon um 1900 Telefon hatte", also gut betucht war. Das Grabkreuz seines Ur-Großvaters Franz Mathias Hespers (gestorben 1859) ist noch heute auf dem Löhfriedhof zu sehen.

Tagebüchlein geerbt

Dietrich Hespers, genannt Dirk, hatte ein Tagebüchlein seiner Großtante geerbt. Sie schrieb, dass die Hespers' aus Spanien stammen. Die Vorfahren waren jedoch griechische Juden, deren Name übersetzt "Abendstern" bedeutete. Sie wanderten nach Spanien aus, wo sie zum Katholizismus gezwungen wurden. Nachkommen kamen im 17./18. Jahrhundert mit den Truppen von Herzog Alba an den Niederrhein, heirateten hier und schlugen unter anderem in Viersen Wurzeln.

Johann-Franz Hespers (geboren 1874 in Viersen) hatte eine leitende Stellung bei Kaiser's Kaffee, heiratete dann Käthe Sporken aus Mönchengladbach und wurde dort sesshaft. Sein ältester Sohn – Theo Hespers – ist noch heute bekannt als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, vor dessen Gestapo er im April 1933 mit Frau und Sohn Dirk in die Niederlande und später nach Belgien flüchtete. In der Erinnerung an diese Zeit stockt sein Sohn Dirk immer wieder. "Als mein Vater schließlich 1942 aufgespürt und gefangen genommen wurde, brachte man mich nach Mönchengladbach zurück." Dirk Hespers sah seinen Vater 1943 noch einmal, kurz bevor dieser in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.

In seinem Büchlein "Hespers – eine Viersener Familiengeschichte" geht es jedoch um seine Vorfahren, so wie es Großtante Maria 1926 festhielt. Gespickt ist das Buch mit historischen Familienfotos, von denen eines das Tabakwarengeschäft von August Hespers am Alten Markt 16/17 in Viersen zeigt: das Geburtshaus von Dirks Ur-Großvater Franz Mathias Hespers. Auch den Stammbaum der Familie hatte die Großtante säuberlich aufgeschrieben: beginnend mit Johannes Matthias Hespers, der 1801 in Viersen geboren wurde, bis zu ihrer eigenen Geburt 1902 als jüngstes von 15 Kindern.

So ist dies die Geschichte einer Viersener Familie, die der ehemalige Lehrer Dirk Hespers, der sich auch als Heimatforscher und Volkssänger einen Namen gemacht hat, beim Iris-Kater-Verlag in Viersen herausgegeben hat. Er selber zog nach vielen Wanderjahren vor zehn Jahren nach Bracht "in Viersen-Land", wo er mit seiner dritten Ehefrau lebt. Zurzeit ist sein Buch im Iris-Kater-Verlag Viersen erhältlich zum Preis von 9,95 Euro. Sein kurz zuvor erschienenes Werk "Ein Vagabund erzählt sein Leben" vertreibt er selber.

(flo)