Heiße Phase für die Abstimmung bei der SPD-Führung

Kreis Viersen : Heiße Phase für Abstimmung zur SPD-Führung

Bei den Genossen in Viersen, Nettetal und im Grenzland legt sich niemand auf einen Favoriten für den SPD-Parteivorstand fest,

Die SPD sucht ein neues Führungsduo. Zur Wahl stehen folgende Duos: Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die Brandenburgerin Klara Geywitz, Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, und NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann, Ex-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping, Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie Gesine Schwan, Leiterin der SPD-Grundwertekommission und SPD-Parteivize Ralf Stegner.

Noch drei Tage, bis 25. Oktober, haben die Parteimitglieder für die Abstimmung Zeit. Bisher ist die Beteiligung alles andere als überschwänglich: Über 123.010 Mitglieder (rund 30 Prozent) haben laut SPD mitgemacht. Die notwendige Beteiligung in Höhe von 20 Prozent ist damit aber erreicht.

Zahlen für den Kreis Viersen gibt es laut SPD-Kreisgeschäftsführer Hans Smolenaers nicht. Er zeigte sich von der bisherigen Wahlbeteiligung überrascht. Er hatte nach vielen Gesprächen den Eindruck, dass schon mehr Mitglieder abgestimmt hätten. „Ich bin aber überzeugt, dass de Wahlbeteiligung am Ende bei rund 60 Prozent liegen wird““, sagte er. Einen klaren Favoriten könne er nicht erkennen.

Im Kreis Viersen ist das Stimmungsbild unterschiedlich: Udo Schiefner MdB, Vorsitzender des Unterbezirks Viersen, begrüßt das aktuelle Verfahren zur Neuwahl der Vorsitzenden der SPD. Das Format der Regionalkonferenzen, bei denen sich alle Bewerber vorstellen konnten, war für ihn ein voller Erfolg. Die Atmosphäre und Dynamik habe ihn beeindruckt. „„Ich habe meine Stimme in geheimer Wahl schon abgegeben und nicht einmal meine Frau weiß, für wen ich gestimmt habe. Deshalb werde ich Ihnen das hier auch nicht verraten““, teilt er aus Berlin mit. Schiefner weiß aus vielen Gesprächen, dass die Duos aus Nordrhein-Westfalen viel Unterstützung und Sympathie genießen. „Es wird spannend, wer es am kommenden Wochenende in die Stichwahl schafft““, sagt Schiefner.

Annalena Rönsberg, stellvertretende Vorsitzende der SPD Viersen, hat zwar noch nicht abgestimmt – aber ihre Favoriten hat sie bereits gefunden. „„Ich werde mich für das Team Kampmann/Roth entscheiden“, sagt sie. „Das ist eine Paarung, die frischen Wind in die Parteispitze bringen kann.“ Denn die beiden stünden für moderne Themen wie die Digitalisierung.“ Die Viersener SPD hat kürzlich zu einer Mitgliederversammlung eingeladen, bei der es nur um das Wahl-Thema ging. „Es gab da durchaus eine Tendenz in Richtung Borjans/Esken“, sagt Rönsberg. Für das Duo Kampmann/Roth hätten sich ebenfalls einige Mitglieder ausgesprochen. Doch auch für die anderen Kandidaten-Duos sei viel Wertschätzung geäußert worden. Generell werde es in Viersen positiv angenommen, dass die Mitglieder über die Parteispitze mitentscheiden können, ergänzt sie.

Marco Kuhn, Vorsitzender der SPD Schwalmtal, hat den Eindruck, dass viele Mitglieder der SPD Schwalmtal das Bewerbungsverfahren mit der Möglichkeit, die Kandidaten in einer der Regionalveranstaltungen näher kennenzulernen und mit zu wählen, begrüßen. Eine Reihe von Schwalmtaler Sozialdemokraten sei etwa an der Regionalveranstaltung in Duisburg dabei gewesen. Er habe den Eindruck, dass bei der Schwalmtaler SPD das Kandidatenduo Eskens/Walter-Borjans hoch im Kurs stehe, aber auch das Duo Kampmann/Roth gut ankomme. „„Ich habe bereits für das Duo Köpping/Pistorius gestimmt, weil sie aufgrund ihrer Herkunft Brücken bauen können, als langjährige Kommunalpolitiker sowie amtierende Landesminister eine klare Sprache sprechen und wissen, was die Menschen bewegt“““, sagt er.

Bei den Sozialdemokraten in Brüggen sei die die Stimmung nicht einheitlich, einen klaren Favoriten für den Vorsitz kann Parteivorsitzender Georg Rumi nicht erkennen. „Manche Ortsvereine haben sich auf eine Linie verständigt“, sagt er. Dies habe man nicht Brüggen nicht getan. Jedes Mitglied solle seine Entscheidung für sich treffen. Aus Gesprächen weiß er, dass viele SPD-Mitglieder sich noch nicht entschieden haben. „Einige waren in Duisburg dabei, andere informieren sich noch aus den veröffentlichten Reden“, so seine Beobachtung. Er ist davon überzeugt, dass viele SPD-Mitglieder erst kurz vor Ablauf der Abstimmung ihr Kreuzchen machen werden.

In Nettetal war Ortsvorsitzende Tanja Jansen auf der Vorstellungsrunde in Duisburg. Die Stimmung sei hervorragend gewesen. Sie glaubt, dass alle, die zur Wahl stehen, Stimmen aus dem Kreis Viersen erhalten. Kein Duo werde über 50 Prozent erhalten, so dass eine Stichwahl folge. Renate Dyck, SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, hat sehr großes Interesse der Mitglieder an der Abstimmung zur Parteispitze festgestellt. Sie selber habe mit ihren zwei Präferenzen lange gerungen. Allerdings finde sie das Auswahlverfahren ziemlich fragwürdig. Ihr Verständnis von Seriosität sei bei dieser „Roadshow“ ein anderes. Dyck wagt nicht, jemanden zu favorisieren, auch nicht aus NRW.

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