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Niederkrüchten: Häuser verkaufen oder abreißen?

Niederkrüchten : Häuser verkaufen oder abreißen?

Hartmut Kropp hat nun etwas weniger Zeit für seine Hobbys. Der Ruheständler hat eine neue Aufgabe, die ein bisschen mehr ist als Freizeitbeschäftigung: Er berät Niederkrüchten bei der Konversion des Militärgeländes. Überplanbar sind seiner Ansicht nach nur 200 Hektar.

Rund 20 Jahre war Kropp Technischer Dezernent des Kreises Viersen. Er könne Kontakte knüpfen und Türen öffnen, sagt Bürgermeister Herbert Winzen. Seine Erfahrung, sein Wissen und seine Kontakte stellt Kropp nun der Gemeinde zur Verfügung. Die kann Verstärkung brauchen, denn für das Mammutprojekt fehlen in der Verwaltung — erst recht nach dem Weggang von Baurat Olaf Steinbicker — die personellen Ressourcen.

Bis zum für 2016 erwarteten Abzug der Briten wartet noch jede Menge Arbeit. Ein Konzept für eine Folgenutzung des knapp 900 Hektar großen Geländes liegt bisher nicht vor. Nicht zuletzt deswegen hat Landrat Peter Ottmann seinen langjährigen Mitstreiter Kropp ins Spiel gebracht. Beauftragt mit der Entwicklung eines Nutzungsszenarios ist NRW Urban, die ehemalige Landesentwicklungsgesellschaft.

Gesetzlich geschützte Biotope

Der größte Teil des Militärgeländes soll und wird bleiben, was er jetzt schon ist: Wald und Wiese. Denn eine Biotopkartierung durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) weist weite Teile des Areals als schutzwürdig aus. Besonders im Bereich um die Start- und Landebahnen sind durch regelmäßige Mahd und jahrzehntelange Nicht-Düngung große Magergrasflächen entstanden, die seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Sie sind "Gesetzlich geschützte Biotope" nach Bundesnaturschutzgesetz und damit quasi unantastbar.

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Erhalten werden soll nach dem Willen von Politik und Verwaltung auch der Golfplatz. Überplanbar sind aus Sicht von Kropp nur rund 200 Hektar — nämlich der bebaute Bereich mit Wohnungen und Infrastruktureinrichtungen. Hier zeichnet sich die wohl schwierigste Konfliktlinie ab: Eigentümer des Geländes ist der Bund, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die ist auch für die Sanierung der Altlasten verantwortlich, die die Briten hinterlassen. Die sind mit Sicherheit enorm, auch wenn die Analyse noch nicht abgeschlossen ist. Inwieweit die BIMA die Briten als Verursacher in Haftung nehmen kann, ist offen.

Um zumindest mit einer schwarzen Null aus der Sache herauszukommen, muss die BIMA Einnahmepotenziale erschließen. Das ginge am leichtesten mit einem Verkauf des Wohnungsbestands. Dagegen wehrt sich die Gemeinde mit Händen und Füßen. Billiger Wohnraum, nichts anderes wären die Briten-Wohnungen in der alten Kaserne, könnte erhebliche soziale und finanzielle Probleme nach sich ziehen. "Wir wollen keine Wohnnutzung. Und wir haben die Planungshoheit. Das weiß die BIMA", so Winzen.

Für die Gemeinde kommt damit nur der Abriss eines Großteils der alten Wohnbebauung in Frage. Und eine Folgenutzung mit Schwerpunkt im Bereich Agrobusiness und erneuerbare Energien.

(jo-s)