Viersen: Großes Schweigen um die Schimmel-Kita

Viersen : Großes Schweigen um die Schimmel-Kita

Nur wenige Wochen nach ihrer Eröffnung musste die Kita im Neubauwohngebiet Am Nordkanal in Viersen wegen Schimmel-Befall wieder geschlossen werden. Die Politik wirft der Verwaltung vor, über den Stand des geschlossenen Millionen-Gebäudes nicht informiert zu werden.

Nicht nur die SPD ist verstimmt, wenn sie an die seit Herbst geschlossene Viersener Schimmel-Kita am Steinkreis denkt. Auch die Eltern sind empört und verunsichert. Kann mein Kind überhaupt jemals wieder in diese Kita gehen?", fragt eine Mutter im Gespräch mit der RP. "Ist eine sanierung des Gebäudes möglich, muss es am Ende angerissen werden?" Fragen, auf die auch die Politik in Viersen den Eltern derzeit keine fundierte Antwort geben kann. Mancher Ratsherr reagiert daher acht Wochen vor der Kommunalwahl in Richtung Verwaltung ziemlich dünnhäutig.

"Der derzeitige Sachstand bei dem Thema Kita Am Steinkreis ist sehr unbefriedigend", sagt Sabine Anemüller von der SPD. Mit erheblicher baulich bedingter Verzögerung wurde die Kita im Neubauwohngebiet Am Nordkanal — hinter dem Viersener Bahnhof — im Sommer 2013 eröffnet und schon nach wenigen Wochen aufgrund Schimmelbefalls wieder geschlossen. Seitdem ist das Millionen-Gebäude zu, sind die Kleinen behelfsmäßig an mehreren unterschiedlichen Standorten im ganzen Stadtgebiet untergebracht — mit gravierenden Nachteilen für die betroffenen Kinder und Eltern.

Kita auch zum neuen Kindergartenjahr 2014 geschlossen

"Leider haben die Eltern den Eindruck, dass die Stadt die Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit der Kita Am Steinkreis nicht mit der gebotenen Stringenz verfolgt. Im Gegenteil, die Familien befürchten, dass dieser missliche Zustand noch für einen sehr langen Zeitraum bestehen bleibt, und sie können nicht erkennen, dass die Stadt Aktivitäten unternimmt, um neben der juristischen Klärung für die Schadensverantwortung auch die tatsächliche Betriebsbereitschaft der Kita wieder herzustellen", kritisiert Anemüller weiter.

So ist laut Verwaltung zu erwarten, dass die Kita auch zum neuen Kindergartenjahr im Sommer 2014 noch nicht betriebsbereit sein wird und von daher ein Alternativplan zur Unterbringung der Kinder ausgearbeitet werden muss. Sabine Anemüller erwartet jetzt , dass die Eltern besser informiert werden. So stellt sich die Frage, warum — trotz Generalunternehmer und juristischer Verantwortungsklärung — die Stadt nicht doch schon im Vorfeld die baulichen Mängel beseitigen kann?

"Die Eltern wollen wissen, warum es bei der Verwaltung keine zentrale Bauvorhabenbegleitung gibt und warum die baulichen Mängel seitens der Stadt als Bauherrn so lange unentdeckt bleiben konnten. Jede weitere alternative Lösung zur Unterbringung der Kinder ist eine schlechte Lösung, denn sie widerspricht einer wohnortnahen und fußläufigen Erreichbarkeit und fordert von den Kita-Kindern immer wieder neue Gruppenzusammensetzungen und neue Bezugspersonen entgegen aller pädagogischen Empfehlungen", erklärt die SPD-Politikerin. Sie erwartet von der Viersener Verwaltung eine bessere Informationspolitik für die Eltern und das Eintreten in einen Dialog auf Augenhöhe.

"Das ist eine extrem belastende Situation für alle Betroffenen", meint auch CDU-Ratskandidatin Anne Daniels. "Zu Recht können Eltern und Erzieherinnen von der Stadt erwarten, dass mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet wird." Trotz der allseitigen Belastungen mahnt die CDU-Politikerin auch mit Blick auf den Wahlkampf ein gewisses Maß an Seriosität an. "Pauschale Schuldzuweisungen und haltlose Versprechungen bringen uns überhaupt nicht weiter, sondern lenken nur die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Fokus ab. Wir brauchen aber Lösungen", sagt Daniels. Die einzig richtige Lösung für den Bau am Steinkreis sei die vollständige Beseitigung des Baumangels, ohne Wenn und Aber. Für die zwischenzeitliche Unterbringung der Kinder müsse eine zentralisierte Form gefunden werden, die ein Zusammenwachsen der Kita als Gemeinschaft möglich mache. Das sei eine pädagogische Notwendigkeit: "Die Verstreuung der Kinder auf den ganzen Stadtteil sollte schnellstmöglich beendet werden. Das hat höchste Priorität."

Größter Wert sei außerdem auf eine transparente Kommunikation mit den Eltern zu legen, denn diese seien verständlicherweise alleine schon mit dem Verlauf der Ereignisse höchst unzufrieden. Anne Daniels: "Wenn schon alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann, dann können die Betroffenen zumindest erwarten, dass man sie ständig und ungefragt auf dem neusten Stand hält und auch in die Entwicklungsprozesse einbezieht."

(RP)
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