Große Uneinigkeit bei Rettungswachen im Kreis Viersen

Organisation im Kreis Viersen : Große Uneinigkeit bei Rettungswachen

Die geplante Neuorganisation der Rettungswachen im Kreis Viersen hat bei den Kommunen für viel Aufregung gesorgt. Am 12. Februar wird neu beraten.

Für den Kreis Viersen geht alles seinen normalen Gang. Das viel diskutierte Gutachten über den Rettungsdienstbedarfsplan und die Folgerungen daraus stehen jetzt am 12. Februar beim Ausschuss für Verbraucherschutz, Ordnung und Rettungswesen des Kreises auf der Tagesordnung. Der Zeitplan sieht vor, dass der Plan im Ausschuss beraten und im Kreistag am 26. März verabschiedet wird.

In den Städten und Gemeinden des Kreises sieht man das durchaus anders. Das Thema hat die Politiker sensibilisiert, die Streitpunkte schaffen kurz vor den Kommunalwahlen Ärger. Die Sozialdezernentin Katarina Esser in der Kreisverwaltung ist weiter ganz gelassen: „Die planerischen Ergebnisse des Gutachtens wurden zwischenzeitlich mit aktuellen Daten abgeglichen und gemeinsam mit den Trägern der Rettungswachen auf mögliche Anpassungsbedarfe, insbesondere in den Zuschnitten der Rettungswachenversorgungsbereiche, überprüft“, antwortet sie schriftlich.

Doch wie sieht man das vor Ort in den betroffenen Kommunen? In Nettetal sagt Kämmerer Norbert Müller unverblümt, er wisse nicht, wie es weitergehe. Dort gibt es eine zu klein gewordene Rettungswache am Krankenhaus in Lobberich und seit 2009 eine zweite Rettungswache am Herrenpfad-Süd in Kaldenkirchen. Der Gutachter hat im ersten Schritt nur eine Wache für Nettetal vorgesehen und diese neu nach Gier bei Breyell verlegt. Das hat in Nettetal zu einem Aufschrei geführt. Das sei eine große Verschlechterung. Erstens sei am grünen Tisch des Planers wohl nicht die Bahnstrecke mit beschrankten Bahnübergängen bedacht worden. Zweitens wolle man nicht auf den Standortvorteil Rettungswagen am Krankenhaus verzichten. Drittens wären die 550.000 Euro für die gerade mal zehn Jahre alte Wache in Kaldenkirchen umsonst ausgegeben. Den Planer, so Müller, habe das alles nicht beeindruckt. Auf der anderen Seite soll in Kürze ein dritter Rettungswagen angeschafft und in Kaldenkirchen stationiert werden. Mit den beiden Rettungswachen werden die Hilfsfristen von zwölf Minuten für den ländlichen Raum zu 90 Prozent eingehalten. In Nettetal will man deshalb keine Änderungen.

Für Schwalmtal wünscht sich Bürgermeister Michael Pesch (CDU) unverändert, „dass eine Rettungswache in der Gemeinde bleibt“. Dies ist nicht nur der Wunsch des Bürgermeisters, auch der Gemeinderat hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Bisher ist die Rettungswache im Waldnieler Ortskern untergebracht. Doch Verwaltung und Politik plädieren für eine neue Wache an der Nordtangente; Platz dafür gibt es am ehemaligen Weuthen-Standort.  Nach dem Gutachten des Kreises Viersen sollte dagegen eine eigene Wache in Schwalmtal aufgegeben werden; als Ersatz sollte eine neue Einrichtung in Viersen-Mackenstein dienen.

In der Stadt Viersen wird der Standort der zusätzlichen Rettungswache kritisch gesehen. Die Stadt würde sie lieber am Ransberg in Viersen-Dülken bauen. Nur so ließen sich die Hilfsfristen in Süchteln in 90 Prozent der Fälle unter acht Minuten halten. Vorgeschrieben ist dort wegen der ländlichen Struktur eine Hilfsfrist von zwölf Minuten. Auch der Plan des Kreises Viersen, die Rettungswache in Viersen in die eigene Trägerschaft und auch das Personal zu übernehmen, hatte bei den Beschäftigten für Unsicherheit gesorgt.