Große Freude bei den Grünen im Kreis Viersen

Europawahl 2019 im Kreis Viersen : Große Freude bei den Grünen im Kreis

So hat der Kreis Viersen am Sonntag gewählt: Gewinne für die Grünen, starke Verluste für die SPD, Dämpfer für die AfD.

Die Wähler im Kreis Viersen haben bei der Europawahl am Sonntag zwar – wie im Bund und in NRW – die Grünen zur zweitstärksten Kraft gemacht und CDU und insbesondere der SPD herbe Verluste zugefügt, dennoch unterscheidet sich das Wahlergebnis in einigen Punkten von Bund- und Landestrend.

Die AfD schaffte im Kreis Viersen nicht den Sprung in die Zweistelligkeit, die Wahlbeteiligung lag mit 62,1 Prozent höher, die CDU verlor nicht so stark wie im Bund, liegt deutlich über der 30-Prozent-Marke. Und die SPD, im ländlich geprägten Kreis stets deutlich schwächer als in den Großstädten, musste zwar drastische Verluste einfahren, erreichte mit 16 Prozent aber mehr als im Bundesschnitt. Freude auch beim eigentlichen Wahlsieger: Die Grünen erreichten mit 23,6 Prozent mehr als in Land und Bund.

Für Stefan Berger, CDU-Kandidat aus dem Kreis Viersen fürs Europa-Parlament, war es ein besonders langer Abend. Auch nach 1 Uhr stand noch nicht fest, ob der 49-jährige Schwalmtaler den Einzug ins Europa-Parlament geschafft hat. Die Parteizentrale in Düsseldorf rechnete erst für 3 Uhr mit einem Ergebnis. Berger hatte Platz sechs auf der NRW-Liste; schon früh am Abend war klar, dass Platz fünf sicher drin sein würde. „Wir haben den Wahlkampf am Niederrhein sehr engagiert geführt“, sagte er, „da ist super gekämpft worden.“ Das sei für ihn ein sehr positives Erlebnis gewesen. „Die CDU-Ergebnisse hier am Niederrhein liegen über dem Schnitt“, betonte Berger. „Nicht hilfreich waren aber die Themen von außen, beispielsweise die Debatte um die Neuen Medien.“ Berger spielte auf die Debatte ums Rezo-Video an. „Darauf muss die CDU dringend eine Antwort entwickeln, ihre Kommunikation mit Jugendlichen verbessern.“

Die eigentlichen Sieger des Abends waren die Grünen. Jürgen Heinen, frisch wiedergewählter Sprecher des Kreisvorstands, sagte: „Wir freuen uns sehr, in Tönisvorst, Kempen, Schwalmtal haben wir besonders stark abgeschnitten, lagen in einzelnen Wahllokalen noch vor der CDU.“ Die Partei habe bei vielen Menschen eine Erwartungshaltung geweckt. „Die müssen wir nun natürlich auch erfüllen“, so Heinen. Die Europawahl sei eine „Klimawahl“ gewesen, davon hätten die Grünen stark profitiert. Den anderen Parteien empfahl Heinen: „Hört auf die Signale, die aus der Bevölkerung kommen.“ Seine Vorstandskollegin Maria Dittrich blickte nach vorn. „Wir haben jetzt ein Jahr Zeit, uns auch in der Breite für die Kommunalwahl aufzustellen.“ Dabei werde die Partei auch auf Hilfe der Mitglieder angewiesen sein. Mit ihrer Unterstützung könne die Partei auch bei der Kommunalwahl ein ähnlich gutes Abschneiden hinbekommen. „Der Klimaschutz ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Dittrich. Dabei sei es wichtig, dass man den nicht isoliert sehen dürfe. „Auch soziale Themen sind wichtig.“

Die Vertreter der Parteien hatten im „Forum“ am Rathausmarkt die Auszählung der Stimmen mitverfolgt. Bereits am frühen Abend war klar, dass die Wahlbeteiligung gegenüber der Europawahl 2014 im Kreis Viersen deutlich zugenommen hat.

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