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Grippewelle 2019: Fast 500 Personen im Kreis Viersen an Grippe erkrankt

Influenza in NRW : Fast 500 Grippefälle im Kreis Viersen

Die Region Viersen/Mönchengladbach gehört zu den am schwersten von Influenza betroffenen in Nordrhein-Westfalen. Entwarnung gibt im Kreis Viersen bislang nur das Allgemeine Krankenhaus Viersen.

Die Zahlen sind alarmierend: Bis Montagmittag wurden dem Gesundheitsamt des Kreises Viersen 470 Fälle von Influenza, also Grippe, gemeldet. Dabei handele es sich ausschließlich um Meldungen aus den Laboren. „Da viele Influenza-Erkrankungen gar nicht im Labor analysiert werden, dürfte die Zahl der tatsächlich Erkrankten bedeutend höher sein“, sagt ein Kreissprecher.

Im Jahr 2017 waren im gleichen Zeitraum nur 132 Meldungen eingangen, 2018 explodierten die Ausbrüche auf 550 Meldungen. Laut Robert-Koch-Institut gehört die Region Viersen/Mönchengladbach zu den am stärksten von akuten Atemwegserkrankungen betroffenen Gegenden in ganz Nordrhein-Westfalen. Dazu zählen Bronchitis sowie Rachen- und Lungenentzündungen, die häufig im Zusammenhang mit der echten Influenza auftreten. Die Dunkelziffer der Grippefälle dürfte im Übrigen noch höher liegen, da die echte Influenza nicht immer eindeutig von einem grippalen Infekt zu unterscheiden ist.

Entwarnung gibt im Kreis Viersen nur das Allgemeine Krankenhaus Viersen. „Laut unserer Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme ebbt die Grippewelle zumindest gefühlt gerade ab“, sagt Geschäftsführer Thomas Axer. „In den vergangenen Wochen kamen täglich bis zu zehn Patienten mit der Verdachtsdiagnose Grippe ins Krankenhaus. In der Regel bestätigten sich davon maximal zwei bis drei.“ In dieser Woche seien es maximal zwei bis drei Patienten täglich, die mit entsprechenden Symptomen kommen. „Insoweit können wir derzeit Entspannung signalisieren“, so Axer.

Im restlichen Kreis Viersen ist hingegen ein Anstieg zu bemerken. „Wir haben zuletzt verstärkt Fälle mit einer richtigen Influenza“, sagt Sigrid Baum, Sprecherin des St.-Irmgardis-Krankenhauses in Süchteln. Dabei handele es sich vor allem um Typ-A-Influenza, sei also hochansteckend.

Auch im Städtischen Krankenhaus Nettetal sei „die Grippewelle deutlich zu spüren“. Es gebe 34 bestätigten Influenzafälle seit Januar, berichtet Sprecherin Petra Langhage, damit liege die Rate mehr als doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Die Verläufe seien teils schwer, einige Patienten müssten intensivpflichtig behandelt werden. Influenzapatienten, so die Sprecherin, würden in Einzelisolierzimmern und unter speziellen Hygieneauflagen behandelt. Außerdem verzeichne das Krankenhaus auch vermehrt andere Atemwegsinfekte.

Von der Grippewelle betroffen sind allerdings nicht nur die typischen eher älteren Altersgruppen. Auch viele junge Menschen wurden mit schwersten Symptomen behandelt. „Wir beobachten, dass die unter 15-Jährigen vom Krankheitsverlauf viel schwerer betroffen sind“, sagt Baum. In Nettetal sind laut Langhage die 1950er- und 1960er-Jahrgänge am häufigsten betroffen, der jüngste Patient sei von Jahrgang 1989.

Das St.-Irmgardis-Krankenhaus empfiehlt eine Schutzimpfung: „Wer viel in Kontakt mit Menschen kommt, sollte sich dringend impfen lassen, vor allem ältere Menschen, bei denen das Immunsystem nicht mehr so stark ist“, sagt Baum. Sie unterstreicht das mit einem Hinweis auf die Mitarbeiter in St. Irmgardis: „Wir haben hier alle eine Schutzimpfung, deshalb gibt es unter dem Personal keine Ausfälle wegen einer Influenza“, so Baum. Es sei wichtig, sich entsprechend vorzubereiten. „Wir haben dem Personal kleine Gutscheine angeboten, wenn sie sich impfen lassen. So haben wir eine Vervierfachung der Schutzimpfungen erreicht“, sagt Baum. Das zahle sich nun aus.

In Nettetal hingegen ist laut Langhage auch teils das Personal betroffen. Dies könne durch besonderen Einsatz der Kollegen aber aufgefangen werden.