Greifvogelhilfe für den Kreis Viersen gibt Tipps zum Umgang mit jungen Waldkäuzen

Kreis Viersen : Erste Hilfe für junge Waldkäuze

Bei der Greifvogelhilfe steht das Telefon zurzeit nicht still. Viele Spaziergänger entdecken nun junge Waldkäuze. Auch wenn die Eulenbabys sich nicht von der Stelle rühren, brauchen sie nicht unbedingt Hilfe.

So mancher kerngesunde Waldkauz wird in diesen Wochen Opfer eines hilfsbereiten Menschen. „Wir nennen das inzwischen Kindesentführung“, sagt Frank Seifert. „Der Jungvogel sitzt im Baum und rührt sich nicht. Der Spaziergänger sieht ihn und denkt: ,Oh wie süß!’ und ,Der braucht bestimmt Hilfe, so allein’.“ Letzteres kann für den Kauz zum folgenschweren Irrtum werden, wenn der Mensch ihn dann einpackt, mitnimmt und sich im schlimmsten Fall nicht einmal die Fundstelle merkt.

Allein deshalb ist es Frank Seifert und Sylvia Urbaniak von der Greifvogelhilfe Rheinland lieber, wenn die Spaziergänger sie anrufen, wenn sie in diesen Wochen einen jungen, noch nicht flugfähigen Waldkauz entdecken. „Die Brut ist um diese Jahreszeit halbwüchsig. Sie verlassen nun ihre Bruthöhlen in den Baumstämmen. Dort wird es für die Jungvögel langsam zu eng“, erklärt Urbaniak. Vor zehn Jahren hat die Tierarzthelferin die Greifvogelhilfe gegründet. Sie hat ihren Sitz in Brüggen und nimmt in Notfällen junge Eulen aus dem Kreis Viersen, aus Mönchengladbach und aus dem Kreis Heinsberg auf, um die Jungtiere zu behandeln und für die Wildbahn fit zu machen.

Zurzeit sieht man des öfteren am Tag kleine Waldkäuze im Baum sitzen: Sitzen lassen und nicht mitnehmen, rät Sylvia Urbaniak. Foto: Frank Seifert, Greifvogelhilfe

Waldkäuze sind eine gängige Eulenart in den heimischen Wäldern. Auch Friedhöfe und Stadtparks genügen ihnen als Lebensraum. Zwischen 43.000 und 75.000 Brutpaare soll es laut Atlas deutscher Brutvogelarten in Deutschland geben.

Gewöhnlich sieht man Waldkäuze nicht. „Es sind heimliche Tiere. Sie sind nachtaktiv. Sie haben ihre Schlaf- und Brutplätze hoch in den Bäumen. Nur zu zwei Zeiten hört man die Käuze bisweilen“, erklärt die Vogelexpertin. „Zur Balzzeit im Februar und März, und nach der Brutzeit im April und Mai, wenn die Jungen die heimische Höhle verlassen.“

Wer in diesen Wochen gegen 22 Uhr im Wald oder Stadtpark spazieren geht, kann die Bettel- und Kontaktrufe der Jungen und ihrer Eltern hören. Im Durchschnitt sitzen vier junge, noch nicht flugfähige Käuze in den Bäumen um den Brutplatz und rufen ihre Eltern. Durch ihre Rufe orten die Alttiere die Jungen und bringen ihnen die Beute. „Dieses Jahr ist ein gutes Waldkauzjahr. Das hängt immer von dem Mäusevorkommen ab“, sagt Urbaniak. Das gute Kauzjahr macht sich auch in der Zahl der Anrufer bemerkbar. Oft seien es Hundebesitzer, die beim Gassi gehen auf einen jungen Waldkauz treffen.

Pauschal könne man einige Tipps geben, sagt die Greifvogelexpertin: „Fundort merken, gegebenenfalls die GPS-Daten aufschreiben, langsam bewegen und Experten anrufen. Waldkäuze, die tagsüber auf einem Ast sitzen und sich nicht bewegen, sind kein Alarmsignal. „Das ist gut so. Sie sind nachtaktiv. Sie sollen tagsüber nicht gesehen werden, denn sonst schlagen die Singvögel Radau und die Käuze werden von Raubtieren entdeckt.“ Wer die Käuze dort wegnimmt, ohne sich die Fundstelle zu merken, begeht eine „Kindesentführung“. „Wir können ihn dann nicht zurückbringen“, sagt Urbaniak. „Hockt ein Käuzchen allerdings auf dem Boden, dann stimmt etwas nicht“, sagt die 38-Jährige. Möglicherweise sei der Jungvogel aus der Höhle oder vom Ast gefallen und habe sich verletzt. Auch ohne Verletzung sei er in der Gefahr zu verhungern, denn es sei unwahrscheinlich, dass die Eltern ihn am Boden füttern.

Für die weitere Diagnose sei ein Expertenauge gefragt: Wie verhält sich das Eulenbaby? Ist es apathisch, dann braucht es dringend Hilfe. Ist es munter, faucht und knackt mit dem Schnabel, dann geht es ihm gut. In beiden Fällen kann es sinnvoll sein, den Waldkauz einzupacken und zu einem Experten zu bringen. Ein Pappkarton sei gut für den Transport. Zugeklappt fühle sich der Kauz darin wie in seiner Höhle.

Mit einem Gerücht wollen Seifert und Urbaniak gern aufräumen: Wildvögel darf man zur Not anfassen. Der Geruch des Menschen verschreckt die Alttiere nicht. „Vögel haben nicht so eine empfindliche Nase. Bei Säugetieren ist das anders. Rehkitze und Feldhasenjunge darf man tatsächlich nicht anrühren.“ Da habe die Hilfsbereitschaft tatsächlich zur Folge, dass die Eltern das Junge nicht mehr annehmen.

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