Brüggen: Gesamtschule setzt auf digitalen Unterricht

Brüggen: Gesamtschule setzt auf digitalen Unterricht

Mit iPad und Beamer wollen Lehrer Unterrichtsabläufe verbessern. Damit die Technik funktioniert, müssen zunächst die Grundlagen her

Die Burggemeinde will der Gesamtschule Brüggen in diesem Jahr 40.000 Euro zur Verfügung stellen, um digitale Medien anzuschaffen. Das geht aus der Prioritätenliste für das NRW-Förderprogramm "Gute Schule 2020" hervor. Der Haushaltsplan muss noch genehmigt werden, doch wenn der Rat zustimmt, "dann gehen wir shoppen", sagt Heiko Glade. Der stellvertretende Leiter der Gesamtschule ist überzeugt davon, dass das Geld, verteilt auf die beiden Standorte der Schule in Bracht und Brüggen, Schülern und Lehrern nützen wird.

Auf der Einkaufsliste der Schule ganz oben: ein Beamer mit passender Lautsprecheranlage, und zwar für jeden Klassen- und Fachraum, dazu Apple-TV und eine Dokumentenkamera. Die hätte den Vorteil, dass der Lehrer etwa handschriftliche Hausaufgaben eines Schülers aufnehmen und per Beamer gleich für alle Klassenkameraden sichtbar an die Wand werfen könnte. "Dann hätten wir einen pädagogischen Mehrwert", sagt Glade. "Das wäre früher nicht möglich gewesen."

In den vergangenen Monaten wurde in Brüggen viel über die Digitalisierung der Schulen gesprochen. In einer Arbeitsgruppe berieten Vertreter der Schulen, welche Anschaffungen sich für Grundschulen und Gesamtschule lohnen, "um Schülern eine Weiterarbeit mit den vertrauten Medien zu ermöglichen", wie Glade erklärt. Die Schulen erstellten Konzepte, wie welche Medien im Unterricht bislang eingesetzt werden und wie welche Dinge künftig eingesetzt werden sollen.

Wenngleich das Handy im Unterricht eigentlich nichts verloren hat, setzen Lehrer auch heute schon Smartphones in ihren Stunden ein: Rund 98 Prozent der Schüler an der Gesamtschule haben selbst ein Smartphone - "das ist ein Schatz", wie es Glade formuliert. Damit lasse sich schon viel machen.

Was, das erfuhren die Lehrer in einem Workshop. Sie lernten beispielsweise, wie man QR-Codes erstellt, die auf Arbeitsmaterialien verweisen. Im Unterricht können Lehrer die Schüler bitten, die Smartphones aus der Tasche zu holen, einen vom Lehrer erstellten QR-Code einzuscannen und damit auf die Materialien zuzugreifen. Die Lehrer lernten, wie man Power-Point-Präsentationen als Quiz gestaltet, wie man Excel-Tabellen im Mathematik-Unterricht einsetzen kann oder Unterrichtsergebnisse in Videosequenzen präsentiert.

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Sie erfuhren auch, wie man die App "Biparcours" nutzt. Damit werden Schüler mit dem Smartphone auf eine digitale Schnitzeljagd geschickt. Praktisch für den Lehrer: Er kann selbst einen Parcours erstellen, aber auch auf von Kollegen erstellte Schnitzeljagden zugreifen. Und während früher der Lehrer erst 30 Quiz-Bögen auswerten musste, bevor er einen Sieger verkünden konnte, rechnet die App das heute selbst aus.

"Kleine, sinnvolle Sachen", nennt Glade diese neuen Möglichkeiten, an die er zwei Anforderungen stellt: Sie müssen Zeitverkürzung oder Qualitätssteigerung mit sich bringen - idealerweise beides. Eine Anschaffung um der Medien willen sei das nicht, betont Schulleiter Wolfgang Jöres: "Die Medien sind ein Hilfsmittel, um pädagogisch arbeiten zu können, kein Selbstzweck."

Die Grundlage für die Ausstattung mit digitalen Medien ist eine stabile Internetverbindung und ein WLan-Netz, das keine Aussetzer hat. "Noch sind wir nicht so weit, dass WLan in jeder Ecke des Gebäudes stabil funktioniert", sagt Glade. Da werde noch getüftelt. Die Gemeinde habe der Schule für beide Standorte eine Glasfaserverbindung in Aussicht gestellt, die in den nächsten Jahren eingerichtet werden soll. Für das WLan-Netz am Standort Bracht sind im Haushaltsjahr 2018 nun 7000 Euro eingeplant, für die Erweiterung der Verkabelung im Schulzentrum Brüggen auch 7000 Euro.

Die Gesamtschule rechnet für die Ausstattung der Klassen- und Fachräume an beiden Standorten mit Beamer, Lautsprecher, Apple-TV, Dokumentenkamera und Montage mit 76.000 Euro. Im nächsten Schritt würde die Schule gern iPads anschaffen - der Klassensatz mit 16 Exemplaren kostet 10.000 Euro.

Sollte dies durch das Programm "Gute Schule 2020" abgedeckt werden können, tun sich für die Schulleitung weitere Fragen auf: Mit einer steigenden Zahl der Geräte müssen auch mehr Geräte gewartet und repariert, mehr Fortbildungen eingeplant werden. Mit der Frage, wer das nach Abschluss des Förderprogramms zahlt, wird sich die Gemeinde auseinandersetzen müssen.

(RP)