Viersen: Georg Ettl ist tot - seine Kunst bleibt

Viersen: Georg Ettl ist tot - seine Kunst bleibt

Der renommierte Viersener Künstler ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Beispiele seines Schaffens sind in der Kreisstadt präsent.

"Er ist friedlich eingeschlafen. Am Ende war er mit seinen Gedanken allein. Er konnte nur noch zuhören, aber nicht mehr sprechen, essen und sich nicht mehr bewegen", erzählt Georg Ettls in Nizza lebende Tochter Renate Ettl. In ihrer Trauer tröstet es sie, dass der Vater trotz schwerer Krankheit noch ein knappes Jahr vor dem Tod ein letztes Projekt für das Heim "Maria Hilf" realisieren konnte, wo er schließlich lebte.

Es zeigt einen apokalyptischen Reiter auf einem Tisch mit Stöckelschuhen, finanziert durch den Verkauf von Ettl-Drucken. Da Ettl nicht mehr selbst aktiv sein konnte, war dieses Werk nur möglich dank des langjährigen treuen Assistenten Carlos Gomes-Correia und des guten Freundes Heinz Döhmen.

"Carlos ist mit den Arbeiten meines Vaters vertraut. Er hat ihm immer wieder die Maßstäbe gezeigt, und mein Vater hat zugestimmt. Herr Döhmen hat sich um die Ausführung gekümmert. Er war immer an der Seite meines Vaters und hat sich für ihn eingesetzt. Denn es ist für einen Künstler nicht immer leicht, Anerkennung zu finden", erzählt Renate Ettl voller Dankbarkeit.

In Viersen hat Ettl die verdiente Anerkennung bekommen. Die Stadt zeichnete den Künstler 2011 mit der Stadtplakette in Silber aus. Bürgermeister Günter Thönnessen betonte in der Laudatio: "Viersen wäre arm ohne Kunst." In der Kreisstadt, in der Ettl 1973 nach der Rückkehr aus den USA eine Heimat fand, sind viele Beispiele seines Schaffens präsent: im Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium, in der Eingangshalle des Kreishauses, im Chor und in der kleinen Kapelle der Pfarrkirche St. Remigius sowie in Privathäusern.

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Die Werke zeigen die für ihn charakteristische, minimalistische Formensprache. Ettl konzentriert sich auf menschliche Figuren im Profil - auf das Wesentliche zurückgenommen, mit Köpfen ohne Gesichter, meist nackt und ohne Arme.

"Die stehende Frau vor dem Stadthaus beim Busbahnhof ist mit ihren Armen ganz ungewöhnlich für ihn", sagt Jutta Pitzen von der Städtischen Galerie über die von Viersener Bürgern gestiftete Figur. Pitzen ist überzeugt, durch Ettls Kunstunterricht am Städtisch Neusprachlichen Mädchengymnasium den eigentlichen Zugang zur Kunst gefunden zu haben.

Dank der besonderen Verbundenheit war es ihr gelungen, den Künstler zur Einzelausstellung in der Städtischen Galerie im Park zu überreden, als dieser schon krank war. Rückblickend erinnert sie sich: "Damals hatte er mit den Entwürfen für die Remigiuskirche gerade angefangen. Die waren auch Teil der Ausstellung. Die Wandmalereien für Remigius lösten endlose Diskussionen aus, die durch alle Gremien gingen. Bei den späteren Arbeiten für die Sakristei war das alles gar nicht mehr so schwierig."

(anw)
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