Gemeinde Niederkrüchten schreibt eine schwarze Null

Haushaltslage : Schwarze Null für Niederkrüchten

Erstmals seit Jahren kann die Gemeinde über einen längeren Zeitraum einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Kämmerin Marie-Luise Schrievers sprach von einem „Meilenstein“. Allerdings werden auch die Bürger mehr zahlen.

Die Einbringung des Gemeindehaushalts war in Niederkrüchten oft mit einer Sturmwarnung verbunden. Von 2009 bis 2015 verzeichnete die Gemeinde jedes Jahr ein erhebliches Defizit – in der Summe waren es 8,5 Millionen Euro, wie Kämmerin Marie-Luise Schrievers jetzt im Hauptausschuss erklärte. Es gab manche Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede im Rathaus.

Doch die haushaltspolitische Großwetterlage hat sich gedreht und lässt ein paar wärmende Sonnenstrahlen durch. Erstmals seit langer Zeit hat Niederkrüchten wieder einen ausgeglichenen Haushalt. „Ein Meilenstein“, so Schrievers. Nachdem das Jahr 2016 mit einem Überschuss von 450.000 Euro und 2017 mit einem Defizit 500.000 Euro abgeschlossen wurden, erwartet Schrievers für 2018 ein kleines Plus von 50.000 Euro. Damit erreicht die Gemeinde unter dem Strich die magische „schwarze Null“. „Chapeau“, kommentierte Johannes Wahlenberg (CDU) das Ergebnis.

Und der Doppelhaushalt 2019/2020, den die Kämmerin nun dem Ausschuss vorstellte, setzt die positive Entwicklung fort. Für die kommenden beiden Jahre sieht das Zahlenwerk ein Plus von 40.000 Euro (2019) beziehungsweise 70.000 Euro (2020) vor. Im Ergebnisplan, der in etwa der Gewinn- und Verlustrechnung einer kaufmännischen Buchführung entspricht, weist der Haushalt für 2019 Erträge von 33,50 Millionen Euro und Aufwendungen von 33,46 Millionen Euro aus. 2020 stehen 32,95 Millionen Euro an Erträgen 32,88 Millionen Euro Aufwendungen gegenüber.

Die Gründe für den Aufwärtstrend liegen zum einen in wirksamen Konsolidierungsbemühungen von Politik und Verwaltung, zum anderen in glücklichen Umständen. Die stabile Konjunkturlage und finanzwirtschaftliche Einmaleffekte haben das gute Ergebnis begünstigt. Eine wesentliche Rolle spielen aber auch – teils schmerzliche – finanzpolitische Weichenstellungen, die Politik und Verwaltung in der parteiübergreifenden „Arbeitsgruppe Haushaltskonsolidierung 2017 – 2022“ erarbeitet haben.

So werden durch Einschränkung von Leistungen (etwa bei Altersjubiläen oder der Schließung der Verwaltungsnebenstelle Niederkrüchten), die Einführung der papierlosen Ratsarbeit, die interkommunale Zusammenarbeit, der neue Hausmeisterpool oder neue Verträge im Bereich der Energieversorgung 283.000 Euro eingespart. Aus dem künftigen Friedwald werden Erträge von 60.000 Euro pro Jahr erwartet.

Allerdings werden auch die Niederkrüchtener zur Kasse gebeten: Die Abwasserbeseitigungsgebühren werden bis 2025 in mehreren Schritten deutlich erhöht. Allein das bringt ab 2025 jährlich eine Mehreinnahme von 650.000 Euro. Grund ist die Umstellung auf die Wiederbeschaffungszeitwerte als Abschreibungsbasis für die Kalkulation der Abwassergebühren.

In der Summe erwartet Schrievers ab 2025 eine strukturelle Haushaltsverbesserung in einer Größenordnung von einer Million Euro pro Jahr. Der Verkauf der Grundstücke im geplanten Neubaugebiet Heineland in Elmpt dürfte in den nächsten Jahren insgesamt 6,7 Millionen Euro in die Gemeindekasse spülen. Dafür muss die Gemeinde aber in Vorleistung treten und das künftige Wohngebiet zunächst einmal erschließen. Das wird drei Millionen Euro kosten und macht den Löwenanteil des Investitionsplans aus, der für 2019 und 2020 ein Volumen von rund 15 Millionen Euro hat.

Weitere große Posten sind der Straßen- und Wegebau mit 2,7 Millionen Euro und eine Anfinanzierung von 2,3 Millionen Euro für die Zukunft der Bäderlandschaft, in der eine Entscheidung zwischen einem interkommunalen Bad oder einer Sanierung und Aufwertung des Niederkrüchtener Freibades ansteht.