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Gelungener Theaterabend mit Hugo Egon Balder und Jochen Busse in der Festhalle Viersen

Kultur in Viersen : Gelungener Theaterabend mit Balder und Busse

Hugo Egon Balder und Jochen Busse mimten in der Viersener Festhalle vor etwa 220 Gästen zwei alternde, aber immer noch streitlustige Väter.

Ein ungewohntes Bild bot sich vor der Bühne der Festhalle: Zweier- und Vierersitzgruppen um kleine Tische, auf denen Getränke stehen, jede Sitzgruppe mit Abstand zur nächsten. Auf dem 1. Rang weitere Besucher mit Abstand. Etwa 220 Gäste waren zu einem heiteren Theaterabend gekommen. Auf dem Programm: das Boulevardschauspiel „Komplexe Väter“.

Heiter, ausgelassen, streitsüchtig: so sind die komplexen Väter. Dabei spiegelt sich in dem Stück von René Heinersdorff eine gesellschaftliche Lage wieder, die viele kennen: die Patchworkfamilie und alle damit verbundenen möglichen Konflikte. Heiterkeit mit Tiefgang also. Und mit bekannten und (wie man dem Schlussapplaus entnehmen konnte) sehr beliebten Vätern: Jochen Busse und Hugo Egon Balder gaben die alternden, aber immer noch aktiven wie streitlustigen Papas Anton und Erik. Einer biologisch (Balder) und einer sozial (Busse). Ehemals Freunde, sind sie im Laufe der Jahre und nicht zuletzt im Streit um die Mutter, gespielt von Maike Bollow, zu Erzfeinden geworden. Doch am Ende reichen sie sich die Hand – nein, den Ellbogen. Auch auf der Bühne werden die Abstandsregeln eingehalten. Küsse sind tabu. Aber da hat sich Heinersdorff – Autor, Mitspieler und derjenige, der das Ganze in Szene gesetzt hat – in Anlehnung an das japanische Theater eines Tricks bedient: Wann immer ein Kuss stattfinden sollte, ertönt ein Gong. Sehr zum Vergnügen des Publikums.

Die Tochter, gespielt von Josepha Grünberg, will – trickreich animiert von ihrer Mutter – der Großfamilie ihren neuen Freund vorstellen. Den spielt Heinersdorff. Als die Alten merken, dass der neue Freund nicht nur 25 Jahre älter als die Tochter ist, sondern auch noch ihr Therapeut und verheiratet mit der Gynäkologin, die mit den Vätern und der Mutter verbandelt ist, bricht wunderbarer Protest aus.

Busse, mittlerweile 79 Jahre alt, glänzt durch herrliche Wutausbrüche und ungebremste Spiellust ebenso wie Balder. Sie werfen sich die Dialog-Bälle zu und fangen sie zielsicher auf. Aber bemerkenswerterweise nicht so, dass Heinersdorff, Grünberg und Bollow an die Wand gespielt werden würden. Ein gelungener Theaterabend.

(b-r)