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Brüggen: Gellen von Hilfe für Flüchtlinge überwältigt

Brüggen : Gellen von Hilfe für Flüchtlinge überwältigt

Rund 150 Interessierte kamen zum "Runden Tisch Asyl" in die Burggemeindehalle. Viele Freiwillige notierten, was sie für Flüchtlinge tun könnten - von der Hausaufgabenbetreuung über Sprachunterricht bis hin zur Begleitung zum Arzt.

In der Burggemeindehalle mussten am Donnerstagabend mehr Stühle aufgestellt werden. Denn es waren deutlich mehr Menschen zum "Runden Tisch Asyl" gekommen, als die Gemeindeverwaltung angenommen hatte. Rund 150 Interessierte hatten sich eingefunden und damit "ein ganz tolles Zeichen gesetzt", lobte Bürgermeister Frank Gellen.

Er hatte zu Beginn der Versammlung dafür gesorgt, dass erst gar keine Diskussion über Flüchtlingszahlen oder Unterbringung aufkommen konnte. Die Versammlung sei dazu da, Helfer zu koordinieren, stellte Gellen klar und gab die Richtung vor: In der Verwaltung werde es einen Ansprechpartner geben, der sich um die Flüchtlinge kümmere, die ehrenamtliche Hilfe für sie koordiniere und für beide Seiten - Asylbewerber wie Bürger - zur Verfügung stehe. Gellen warnte auch davor, die Menschen durch eine gut gemeinte Willkommenskultur zu erdrücken, "man kann auch jemanden totlieben." Man dürfe den Flüchtlingen nichts aufzwingen.

Der Bürgermeister machte deutlich, dass man nicht wisse, wer komme, und dass es häufig eben nicht "die Kuschelkinder mit den großen braunen Augen" sein werden, sondern überwiegend Erwachsene, vor allem Männer. Man dürfe, so Gellen, bei aller Euphorie und allem Hilfswillen auch nicht die Augen davor verschließen, dass es Menschen geben werde, "die uns fürchterlich enttäuschen werden". Und es gehe nicht nur um die Flüchtlinge, die noch kommen werden, sondern auch um die Menschen, die schon da seien, die in Drei- oder Vier-Bett-Zimmern an der Stiegstraße lebten, "in Zimmern, in denen wir keine Nacht verbringen würden", so Gellen. Allein um die jetzige Situation zu entschärfen, werde die alte Landesjagdschule zur Unterbringung genutzt. Sie soll voraussichtlich Ende Januar bezogen werden. Die Nutzung der Jagdschule, auch das stellte Gellen klar, sei temporär. Zwei Jahre habe die Gemeinde nun Zeit, nach verträglichen Lösungen für die Unterbringung zu suchen - und zwar für alle Ortsteile. Es sei ein steiniger Weg, den die Gemeinde gehen wolle, "aber ein Weg, der erfolgreich sein kann". Damit dieser Weg erfolgreich wird, hatte die Gemeinde nicht um Ideen gebeten, was man - oder besser: irgendwer - machen könnte, sondern um ganz konkrete Hilfsangebote.

Auf allen Tischen lagen Zettel aus. Jeder sollte der Verwaltung mitteilen, was er selbst zu leisten bereit ist, wo er sich einbringen könnte. Das funktionierte - auch deshalb, weil viele Vertreter von Vereinen und Organisationen gekommen waren, die schon im sozialen Bereich aktiv sind. Es waren aber auch Privatleute gekommen, die sich einbringen wollten.

Und so schrieb der eine auf, er könne die Hausaufgabenbetreuung übernehmen, der nächste, er könne Sprachunterricht geben. Der eine bot eine Begleitung zu Arztterminen an, der nächste geführte Radtouren in die Umgebung, damit die Flüchtlinge Brüggen besser kennenlernen. Sportvereine boten an, nicht nur zum Training einzuladen, sondern auch die Sportausrüstung zur Verfügung zu stellen. Der eine schlug vor, ein Betreuungscafé zu öffnen, der nächste, seelsorgerisch für die Flüchtlinge da zu sein. Diese Angebote auf den Zetteln wurden nach Bereichen sortiert. Dies sind Sprachförderung, Betreuung und Begleitung, Freizeit und Integration, Sachspenden, Partizipation sowie Begleitung der Begleitenden. Den letztgenannten Bereich, die Begleitung der Helfer, hatte Beate Engelke vom Nettetaler Flüchtlingsrat der Gemeinde ans Herz gelegt - denn auch diejenigen, die sich um die Flüchtlinge kümmern, werden Unterstützung brauchen.

Insgesamt 125 Zettel füllten die Anwesenden am Donnerstagabend aus. Die Verwaltung sortiert die Angebote nun nach den Themenbereichen, damit man konkret weiß, wen man anrufen muss, wenn zum Beispiel ein Raum für die Sprachförderung benötigt wird. Zu den einzelnen Themen soll es vor Karneval noch Sitzungen geben, so dass sich die Netzwerke festigen können. Gellen zufolge werden alle Treffen offen sein - wer am Donnerstag nicht konnte, kann dann zu einer der nächsten Sitzungen gehen. Dazu wird die Gemeinde einladen.

Gellen ist von der Flut der Hilfsangebote "tief beeindruckt" - und von der Hilfsbereitschaft der Brüggener überwältigt. "Mein Gott, das ist einfach nur toll", sagte er. "Toll, wie viele Menschen hier bereit sind, etwas zu tun. Ich bin stolz, hier wohnen zu dürfen, und stolz, Bürgermeister dieser Gemeinde zu sein."

(RP)